Jaylin Lugardo © Karina Rozwadowska / documents_on

Nach 100 Tagen im Amt hat Donald Trump die Vereinigten Staaten von Amerika grundlegend verändert. ZEIT ONLINE hat die Entwicklungen in Trump-Land mit einer Serie auf Instagram (folgen Sie uns hier!) und Facebook begleitet. 100 Tage lang haben US-Amerikanerinnen und -Amerikaner die Entwicklungen aus ihrer persönlichen Sicht beschrieben. Sie haben geschildert, wie sich ihr Land verändert, warum sie die Veränderungen fürchten, aber auch, welche Hoffnungen sie mit dem neuen Präsidenten verbinden.

Für Jaylin Lugardo war es ein Schock, als sie erfuhr, dass ihre Mutter Trump gewählt hat. Als lesbische Puerto Ricanerin findet sie, dass republikanische Politik in vielen Punkten im Kontrast zu ihrer Identität steht.

"Man hat mich erzogen, eine konservative Republikanerin zu sein. Alle in meiner Familie haben für Donald Trump gestimmt", sagt die 18-jährige Princeton-Studentin Jaylin Lugardo. "Als ich mit 13 Jahren mit einem Hochbegabten-Stipendium auf ein privates Internat kam, habe ich zum ersten Mal begriffen, welche Probleme mich als Puerto Ricanerin und lesbische Frau erwarten. Republikanische Politik steht in vielen Punkten in Kontrast zu meiner Identität. Heute bin ich die einzige Demokratin in einer relativ großen Familie. Ich fange zwar nicht selbst damit an, meinen Verwandten meine politischen Ansichten und sexuellen Vorlieben aufzudrücken, aber ich stehe zu meiner Identität. Es war ein Schock, als ich erfuhr, dass sogar meine Mutter für Donald Trump gestimmt hat. Wir gehören zu den glücklichen Hispanics, die nicht von Trumps Einwanderungsgesetzen betroffen sind, weil wir einen dauerhaften legalen Status vorweisen können. Meine Mutter denkt, da sie – anders als viele Hispanics in den USA – keine Angst vor Abschiebung hat, kann sie auch getrost wegschauen, wenn Nachbarn aus unserer sozial schwachen Nachbarschaft abgeschoben werden. Viele Hispanics, auch die mit vorläufigem legalen Status, gehen bei Straftaten wie häuslicher Gewalt oder nicht bezahlten Gehaltschecks inzwischen nicht mehr zur Polizei, weil ihre Angst vor Abschiebung so groß ist." #trump100 #100daysoftrump #usa #trump #lgbt #instagay #gay #princetonuniversity #hispanic #hispaniclife (Kamera & Protokoll: Karina Rozwadowska von @documents_on)

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Die Hoffnung von Jim Chilten? Dass Trump die Grenze zu Mexiko besser absichert. Der Besitzer einer Ranch an der Grenze zu Mexiko geht nur noch mit Gewehr aus dem Haus. Klar, sagt er, unter den Menschen, die über sein Grundstück laufen, seien auch anständige Leute. "Aber wie sollen wir die von den bewaffneten Drogenkurieren unterscheiden?"

"Ich bin ein Cowboy, kein Schwächling! Trotzdem gehe ich ohne Gewehr nicht aus dem Haus, wenn mal wieder Fremde über unser Grundstück laufen", sagt Jim Chilten. Der 77-Jährige betreibt zusammen mit seiner Frau Sue eine 20.000-Hektar-Ranch in Arizona, die nur durch einen Viehzaun von Mexiko abgegrenzt ist. "Es gab Zeiten, da liefen 30.000 Menschen im Jahr über unsere Ranch, heute sind es immer noch mehrere Tausend. Darunter sind sicher viele gute Leute, die nur Arbeit finden wollen. Aber wie sollen wir die von den bewaffneten Drogenkurieren unterscheiden? Das Sinaloa-Kartell kontrolliert inzwischen beide Seiten der Grenze, ihre Späher sitzen in den Hügeln und informieren die Schmuggler, wo die Luft gerade rein ist. Tja, und meistens ist der Weg bei uns frei, weil hier die Border Patrol befestigter Straßen nicht herkommt. Sie lassen uns im Niemandsland allein! Einmal sind Drogenkuriere bei uns eingebrochen und haben ein Dutzend Waffen gestohlen – sie ahnten wohl, dass die bei uns in jedem Raum stehen. Früher sind wir gern nach Mexiko gefahren, meine Frau ist Spanischlehrerin und wir mögen die Kultur. Aber seit wir uns im US-Kongress gegen die Kartelle ausgesprochen haben, trauen wir uns nicht mehr. Wir haben Trump gewählt, weil wir uns eine bessere Grenzschutzstrategie wünschen. Klar, dann wären wir umgeben von Kameras und Helikoptern, aber das stört uns nicht." #trump100 #100daysoftrump #arizona #borderland #mexiko #usa #trump #safety #arivaca (Foto & Protokoll: @chessocampo)

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Brandon Seah hat keine Angst davor, wegen Trump die USA verlassen zu müssen. Schade wäre es zwar, findet er. Aber dann würde das Land eben auch qualifizierte Fachkräfte wie ihn verlieren: "Mein Leben und mein Glück hängen nicht allein von diesem Land ab."

Die Doktorandin Stefania Marghitu aus Los Angeles befürchtet, dass der kleine Bruder eines Freundes Ärger bekommt wegen des T-Shirts, das sie ihm geschenkt hat.

Denis Purdon aus Arizona findet Trump grundsätzlich nicht schlecht – doch er versteht auch die Menschen aus Mexiko, die in die USA wollen und die der Präsident mit dem Bau einer Mauer davon abhalten will. "Migranten finden immer einen Weg", sagte Purdon unserer Reporterin Christina Felschen. "Als Mexikaner würde ich ehrlich gesagt auch herkommen."

Nic Vetter beschäftigte sich mehr mit dem Besuch von Angela Merkel. Unsere Reporterin Karina Rozwadowska hat die TV-Produzentin vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin in Washington D.C. getroffen. Die 30-Jährige sagt: "Ich hoffe, sie kann uns Amerikanern helfen, sich selbst zu helfen."

Die Sozialarbeiterin Molly Freiberg aus Philadelphia meldet sich aus einem Zug nach Berlin. In der New York Times hat sie gelesen, dass selbst Hundewelpen unter Trump leiden.

Barry Jenkins, der Regisseur des oscarprämierten Filmes Moonlight, hatte zuletzt geglaubt, die USA seien auf einem guten Weg. Nun ist er da nicht mehr so sicher.

Brian Glaze fühlt sich als Homosexueller im Bundesstaat Utah nicht immer sicher. Schlimmer als die Beleidigungen findet er jedoch, dass im Weißen Haus nun "ein beleidigtes Riesenbaby" sitzt.

Die Rentnerin Jean Holman dagegen, die mit ihrem Ehemann neun Monate des Jahres auf einem Campingplatz in Arizona lebt, hofft, dass Trump wieder "Law and Order" durchsetzen wird.

Auch Renee B. setzt große Hoffnungen in Trump. Sie erwartet, dass weniger illegale Einwanderer ins Land kommen. "Ich würde Trump persönlich helfen, die Mauer zu Mexiko aufzubauen", erzählte die Rentnerin aus dem kalifornischen Monrovia unserem Reporter Lucas Negroni.

Samuel Brin, der Bruder des Google-Gründers Sergey Brin, sieht das anders. Er befürchtet, dass Trumps Politik zu mehr Terrorismus führen wird.

Der Unternehmer Philippe Marquet aus Kalifornien ist vor allem wütend. Er erzählte unserer Reporterin, dass er ausrechnen will, mit wie viel Steuergeld er zum Bau der geplanten Mauer zu Mexiko subventioniert – und dass er genau diesen Betrag einbehalten will.

Wir müssen Trump Fakten entgegenhalten, fordert der Student Mark Serano, der eine leichte Form von Kinderlähmung hat und deshalb teilweise sprach- und gehbehindert ist. Er klagt: "Trump hat sich öffentlich über Menschen mit Behinderungen lustig gemacht und es hinterher einfach geleugnet."

Baboo, der in New York eine Kunstdruckerei betreibt, sieht Trump hingegen positiv. Er setzt vor allem in seine Wirtschaftspolitik Hoffnung. 

"Ich frage mich in diesen Tagen oft, wie sich mein Land so schnell verändern konnte", erzählte uns der amerikanische Musiker Mark Roman, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt. "Oder bin es nur ich, der sich in Deutschland verändert hat?"

Jacob Taylor schrieb uns, ein 26 Jahre alter Presseagent aus Connecticut, den der Einreisestopp für Muslime an seine eigene Familiengeschichte erinnert. Taylors Urgroßeltern waren Juden. Während der Nazizeit flohen sie mit seinem Großvater aus Wien in die Vereinigten Staaten. "Hätten die USA sie damals abgewiesen, würde es mich heute nicht geben", glaubt er. 

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