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Nach wenigen Wochen im Amt hat Donald Trump die Vereinigten Staaten von Amerika verändert. ZEIT ONLINE begleitet die Entwicklungen in Trump-Land mit einer Serie auf Instagram (folgen Sie uns hier!) und Facebook. 100 Tage lang lassen wir US-Amerikanerinnen und -Amerikaner die Entwicklungen aus ihrer persönlichen Sicht beschreiben. Sie schildern uns, wie sich ihr Land verändert, warum sie die Veränderungen fürchten, aber auch, welche Hoffnungen sie mit dem neuen Präsidenten verbinden.

Nic Vetter setzt ihre Hoffnungen weniger auf Donald Trump, als vielmehr auf Angela Merkel. Unsere Reporterin Karina Rozwadowska hat die TV-Produzentin vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin in Washington D.C. getroffen. Die 30-Jährige sagt: "Ich hoffe, sie kann uns Amerikanern helfen, sich selbst zu helfen."

Harold Whittier dagegen ist mit der Politik des neuen Präsidenten zufrieden – vor allem mit Trumps Plänen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. "Ich musste für alles im Leben kämpfen", sagt der Besitzer einer Wohnwagensiedlung im Bundesstaat Arizona. Deshalb wolle er nicht, dass Menschen illegal in die USA kommen, dass sie "keine Steuern zahlen, das Geld nach Mexiko schaffen und dann wieder verschwinden". 

Auf der anderen Seite der Grenze koordiniert Alicia Guevara Perez im mexikanischen Heroica Nogales eine Suppenküche für die Menschen, die über Mexiko in die USA einreisen wollen. "Die Reise durch die Wüste ist lebensgefährlich", sagte sie unserer Reporterin Christina Felschen. "Aber gegen das, was diese Leute in ihrer Heimat erlebt haben, ist es nichts."

Die Sozialarbeiterin Molly Freiberg aus Philadelphia meldet sich aus einem Zug nach Berlin. In der New York Times hat sie gelesen, dass selbst Hundewelpen unter Trump leiden.

Barry Jenkins, der Regisseur des oscarprämierten Filmes Moonlight, hatte zuletzt geglaubt, die USA seien auf einem guten Weg. Nun ist er da nicht mehr so sicher.

Brian Glaze fühlt sich als Homosexueller im Bundesstaat Utah nicht immer sicher. Schlimmer als die Beleidigungen findet er jedoch, dass im Weißen Haus nun "ein beleidigtes Riesenbaby" sitzt.

Die Rentnerin Jean Holman dagegen, die mit ihrem Ehemann neun Monate des Jahres auf einem Campingplatz in Arizona lebt, hofft, dass Trump wieder "Law and Order" durchsetzen wird.

Auch Renee B. setzt große Hoffnungen in Trump. Sie erwartet, dass weniger illegale Einwanderer ins Land kommen. "Ich würde Trump persönlich helfen, die Mauer zu Mexiko aufzubauen", erzählte die Rentnerin aus dem kalifornischen Monrovia unserem Reporter Lucas Negroni.

Samuel Brin, der Bruder des Google-Gründers Sergey Brin, sieht das anders. Er befürchtet, dass Trumps Politik zu mehr Terrorismus führen wird.

Auch Humam Imesh, der vor drei Jahren aus Syrien kam, macht sich Sorgen. Er befürchtet nun, dass seine Verlobte, die derzeit in der Türkei festsitzt, nicht in die Vereinigten Staaten nachkommen kann.

Der Unternehmer Philippe Marquet aus Kalifornien ist vor allem wütend. Er erzählte unserer Reporterin, dass er ausrechnen will, mit wie viel Steuergeld er zum Bau der geplanten Mauer zu Mexiko subventioniert – und dass er genau diesen Betrag einbehalten will.

Wir müssen Trump Fakten entgegenhalten, fordert der Student Mark Serano, der eine leichte Form von Kinderlähmung hat und deshalb teilweise sprach- und gehbehindert ist. Er klagt: "Trump hat sich öffentlich über Menschen mit Behinderungen lustig gemacht und es hinterher einfach geleugnet."

Baboo, der in New York eine Kunstdruckerei betreibt, sieht Trump hingegen positiv. Er setzt vor allem in seine Wirtschaftspolitik Hoffnung. 

"Ich frage mich in diesen Tagen oft, wie sich mein Land so schnell verändern konnte", erzählte uns der amerikanische Musiker Mark Roman, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt. "Oder bin es nur ich, der sich in Deutschland verändert hat?"

Jacob Taylor schrieb uns, ein 26 Jahre alter Presseagent aus Connecticut, den der Einreisestopp für Muslime an seine eigene Familiengeschichte erinnert. Taylors Urgroßeltern waren Juden. Während der Nazizeit flohen sie mit seinem Großvater aus Wien in die Vereinigten Staaten. "Hätten die USA sie damals abgewiesen, würde es mich heute nicht geben", glaubt er. 

Bis Ende April werden wir Ihnen weitere US-Amerikanerinnen und Amerikaner vorstellen. Sie finden die Porträts auf dem Instagram-Account von ZEIT ONLINE (hier können Sie uns folgen) sowie auf Facebook.