Die türkischen Generalkonsulate in Nordrhein-Westfalen haben den Spitzelvorwürfen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) widersprochen. "Am 22. Januar fand bei uns in Essen überhaupt keine Veranstaltung statt. Der Vorwurf ist schlichtweg nicht korrekt", sagte der Generalkonsul der türkischen Vertretung in Essen, Mustafa Kemal Basa, der Rheinischen Post. "Auch wurde bei anderen Veranstaltungen um dieses Datum herum nicht die Tagesordnung geändert."

Basa zufolge fanden weder im Essener noch im Düsseldorfer Konsulat entsprechende Informationsveranstaltungen statt. "Wir organisieren regelmäßig Treffen für türkische Eltern und Lehrer. In diesen geht es aber ausschließlich um Bildungsfragen", teilte der Generalkonsul mit. Der Vorwurf der GEW sei "eine bewusste Entstellung der Arbeit der türkischen Konsulate", sagte die stellvertretende Generalkonsulin Nesrin Tuncay der Zeitung.

Nach Angaben der GEW wurden Teilnehmer bei Informationsveranstaltungen in den Konsulaten in Düsseldorf, Essen, Köln und Münster Ende Januar dazu angehalten, Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu melden. Das habe man aus unterschiedlichen Quellen erfahren, hatte der GEW-Landesvize in Nordrhein-Westfalen, Sebastian Krebs, gesagt. 

Demnach hätten Schüler sogar ihre "Lehrer filmen und die Aufnahmen an türkische Behörden weiterleiten" sollen. Auch sollen Krebs zufolge nationalistisch gefärbte Jahrespläne in den Unterrichtsfächern Türkisch und türkische Kultur von Konsulaten an Lehrer verteilt worden sein. An den Treffen sollen neben Elternvereinen auch Imame teilgenommen haben.

Der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sind die Vorwürfe seit dem 15. Februar bekannt. Ein Sprecher des Schulministeriums hatte mitgeteilt, das bereits reagiert worden sei: "Justiz und Sicherheitsbehörden wurden informiert." Die Konsulate seien zu einer offiziellen Stellungnahme aufgefordert worden. Auch der Staatsschutz interessiert sich für die Vorgänge und soll Kontakt zu den betroffenen Lehrern suchen.