Bei Selbstmordanschlägen in der syrischen Stadt Homs sind mindestens 32 Menschen getötet worden. Mehrere Attentäter sprengten sich vor Gebäuden der syrischen Sicherheitsbehörden in die Luft. Die Dschihadistenmiliz Fatah al-Scham bekannte sich zu den Anschlägen. Nach einem Selbstmordattentat am Freitag in der syrischen Stadt Al-Bab mit 77 Toten sind die Anschläge ein weiterer schwerer Rückschlag für die Syrien-Friedensgespräche in Genf.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London, deren Quelle Aktivisten vor Ort sind, spricht von mehr 40 Toten. Der Gouverneur von Homs, Talal Barsani, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, es habe 32 Tote gegeben. Die Attentäter sprengten sich am Morgen vor den Gebäuden der syrischen Staatssicherheit und des Militärgeheimdienstes in den Innenstadtvierteln Ghuta und Mahatta in die Luft. Unter den Toten war laut Barsani der Chef des Militärgeheimdienstes in Homs, Hassan Daabul, ein enger Vertrauter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Der Sender Al-Ichbarija TV berichtete, dass auch der Leiter der Abteilung der Staatssicherheit schwer verletzt wurde.

Dem Staatsfernsehen zufolge waren mehrere Attentäter an dem Angriff beteiligt. Einer von ihnen habe gezielt den getöteten General Daabul angegriffen. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sprach von sechs Attentätern. Einige von ihnen gelangten demnach in das Gebäude des Militärgeheimdienstes. Die Angreifer hätten dort zunächst auf die Wachleute geschossen. Als Geheimdienstbeamte herbeiliefen, hätten sich die Attentäter dann nacheinander in die Luft gesprengt. 

Terrororganisation wollte Gebäude erobern

Rahman vermutet, dass die Angreifer die attackierten Gebäude "erobern" wollten, der Versuch sei aber gescheitert. Sicherheitskräfte lieferten sich zwei Stunden lang Gefechte mit den Angreifern. In dem Bekennerschreiben von Fatah al-Scham war von fünf Selbstmordattentätern die Rede. Fatah al-Scham hieß früher Al-Nusra-Front und war der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Die Gruppe wird international als Terrororganisation eingestuft.

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Die syrische Staatssicherheit und der Militärgeheimdienst sind gleichermaßen gefürchtet. Der Anschlag ist einer der aufsehenerregendsten in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg. Eine koordinierte Attacke auf zwei stark gesicherte Regierungsgebäude ist äußerst selten.

Homs ist die drittgrößte Stadt Syriens und Hauptstadt der gleichnamigen zentralen Provinz. Sie wurde lange von Rebellen kontrolliert, steht seit 2014 aber wieder unter der Kontrolle von Regierungstruppen.  

Friedensgespräche bisher ohne konkrete Lösungen

Eine neue Runde von Friedensgesprächen wurde am Samstag in Genf fortgesetzt. Am Rande der Verhandlungen sagte der syrische Unterhändler Baschar al-Dschafari, die Attentate seien eine "klare Botschaft der Terroristen" an die Friedensgespräche in Genf. "Die Botschaft ist angekommen und wir werden nicht zulassen, dass sie ohne Vergeltung bleibt." Die syrische Regierung kündigte den Hintermännern der Anschläge Vergeltung an.

Auch der UN-Gesandte für Syrien, Staffan de Mistura, wertete die Anschläge als Versuch, die neuen Friedensgespräche zu torpedieren. "Jedes Mal, wenn wir Gespräche oder Verhandlungen führen, wird es immer jemanden geben, der versucht, das zu ruinieren", sagte de Mistura in Genf. Er hoffe, dass die Attentate die Friedensgespräche nicht nachhaltig beeinträchtigten.

Mistura wollte das ganze Wochenende über in separaten Treffen mit den Delegationen von Regierung und Opposition beraten. Am Freitag war vor allem über das Format der Gespräche und weniger über konkrete Lösungen gesprochen worden, wie beide Seiten erklärten. Eines der wesentlichen Hindernisse für eine Einigung ist die ungeklärte Zukunft Assads. Während die Aufständischen seinen Rücktritt fordern, ist dies für die Regierungsdelegation nicht verhandelbar.