Der ehemalige Drogeriemarktunternehmer Anton Schlecker hat die Vorwürfe der Anklage gegen ihn erstmals persönlich zurückgewiesen. Vor dem Landgericht Stuttgart, wo er unter anderem wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt ist, verlas der 72-Jährige eine Erklärung, in der er sich von der Pleite seines Unternehmens im Jahr 2012 völlig überrascht zeigte. "Dass dieses Unternehmen wirklich kaputtgehen könnte, war für mich völlig unvorstellbar", las er vor. "Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme, die ich nicht für überwindbar gehalten hätte."

Schlecker bestritt die Vorwürfe der Anklage, er habe die Insolvenz hinausgezögert, um Vermögen beiseitezuschaffen. "Ich habe nie planmäßig oder spontan Vermögen vor dem Zugriff der Gläubiger entzogen", betonte er in seiner knapp einstündigen Stellungnahme. Er habe niemals einem Gläubiger schaden wollen. Im Übrigen übernehme er die unternehmerische Verantwortung für den Bankrott. "Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern. Ich war sehr erfolgsverwöhnt", las Schlecker vor. Bis zuletzt sei er davon überzeugt gewesen, das Unternehmen weiterführen zu können. Fragen der Staatsanwaltschaft wollte er nicht beantworten.

Anton Schlecker ist wegen vorsätzlichen Bankrotts, Insolvenzverschleppung und falscher eidesstattlicher Versicherungen angeklagt. Ihm droht im Fall einer Verurteilung etwa wegen betrügerischen Bankrotts in einem schweren Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der einstige Marktführer bereits seit dem Jahr 2000 in der Krise gesteckt und spätestens Ende 2009 vor dem Aus gestanden haben. Die Anklage berichtet von fast einer Milliarde Euro Verbindlichkeiten, mit denen das Unternehmen Ende 2010 überschuldet gewesen sei. Insolvenz hatte der eingetragene Kaufmann Schlecker aber erst 2012 angemeldet – und soll vorher Teile seines Vermögens vorsätzlich beiseitegeschafft haben.

Mit auf der Anklagebank sitzen Schleckers Ehefrau Christa und seine beiden Kinder Meike und Lars. Ihnen wird Beihilfe zum Bankrott und Untreue vorgeworfen. So waren sowohl Schleckers Sohn als auch seine Tochter Gesellschafter der Logistikgesellschaft LDG, der Anton Schlecker jahrelang Millionen zugeschustert haben soll. Mitangeklagt sind auch zwei Wirtschaftsprüfer des Unternehmens Ernst & Young, weil sie falsche Bilanzen abgesegnet haben sollen.

Die Insolvenz von Europas ehemals größter Drogeriekette gehört zu den größten Pleiten in der deutschen Wirtschaft. Allein in Deutschland verloren mehr als 23.000 Mitarbeiter, vor allem Frauen, ihre Arbeit.