Jeden Morgen plant mein Sohn seinen Tag: "Papa, die Fußballsachen sind bei dir, sind sie sauber?" "Mama, kannst du um 16.05 das Saxophon vorbeibringen? Danach sind wir unterwegs." Das schreibt er in unsere WhatsApp-Gruppe "Eltern Team", die er vor einem halben Jahr selbst gegründet hat. Mein zehnjähriger Sohn könnte ein Logistikunternehmen leiten.

Seit neun Jahren erziehen sein Vater und ich ihn im Wechselmodell. Etwa alle fünf Tage zieht er von einem Zuhause ins andere. Mein Sohn wächst mit Excel-Tabellen zur Terminabstimmung und wöchentlichen Mini-Umzügen auf. Er würde es nicht anders haben wollen.

Mein Sohn liebt es, mit beiden Eltern aufzuwachsen. Ein anderes Betreuungsmodell lehnt er vehement ab. Dennoch halte ich das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs zum Wechselmodell für verfehlt. Die Karlsruher Richter legten Ende Februar fest, dass ein "paritätisches Wechselmodell zur Betreuung des Kindes auch gegen den Willen eines Elternteils möglich ist". Es soll also auch erzwungen werden können – und genau das dürfte dazu führen, dass es oft scheitert. Denn das Wechselmodell funktioniert nur, wenn Eltern in der Lage sind zu kooperieren, viel miteinander zu kommunizieren und sich zu respektieren.

Damit sie das trotz Trennungsschmerz schaffen, hilft ihnen eine Mediation besser als ein Gerichtsverfahren. Sie wird zum Beispiel kostenlos von den Erziehungsberatungsstellen der Jugendämter angeboten. In einem solchen Rahmen haben mein Ex-Mann und ich nach der Trennung eine freiwillige Selbstverpflichtung erarbeitet, die Abläufe und gemeinsame Grundwerte in der Erziehung regelt. Wir haben sie beide unterschrieben.

Wer sich auf das Wechselmodell einlässt, muss den intensiven Kontakt zum Ex-Partner aushalten. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht abstimmen: Wer geht zum Schulbasar? Wer holt den Jungen vom Training ab, wenn ein Meeting schon wieder länger geht? Unser Ton ist nüchtern und präzise. Wir funktionieren als Erziehungs-Kollegen am besten, wenn wir unsere eigene Beziehungsebene ausblenden. Genau das muss man für das Wechselmodell können: eigene Befindlichkeiten zurückstellen.

Das Wechselmodell ist unflexibel und teuer

Dazu gehört auch, dass beide Eltern bereit sind, nahe beieinander zu wohnen. Denn dringend benötigte Dinge wie bestimmte Schulsachen sind eigentlich immer beim jeweils anderen Elternteil und müssen schnell noch herbeigeschafft werden. Diese Situation hat sich beim Wechsel auf die weiterführende Schule verschärft, weil aufgrund der vielfältigen Unterrichtsmaterialien nicht mehr alles gleichzeitig im Rucksack Platz findet. Das bedeutet aber auch, dass ein Wohnortswechsel, etwa um mit einem neuen Partner zusammenzuleben oder einen neuen Job anzunehmen, nicht in Frage kommt.

Durch das Wechselmodell entstehen außerdem hohe Kosten. Beide Partner brauchen eine ausreichend große Wohnung und vieles muss doppelt angeschafft werden: Kleidung, Möbel, Spiele, Computer. All diese Dinge ständig hin- und herzutragen wäre viel zu aufwendig. Die Kosten sind de facto aber nur zu bewältigen, wenn beide Eltern gut verdienen.