Landgericht Würzburg - Facebook muss falschen Beitrag nicht löschen Das Landgericht Würzburg hat eine einstweilige Verfügung gegen Facebook abgelehnt. Ein syrischer Flüchtling hatte wegen eines Fotos geklagt, auf dem er als Krimineller dargestellt wurde. © Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Im Prozess um Fake-News auf Facebook hat das Landgericht Würzburg entschieden, dass das US-Unternehmen falsche Meldungen über den Syrer Anas Modamani nicht selbstständig suchen und löschen muss. Modamani hatte einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, um Facebook zu zwingen, alle Beiträge zu suchen und zu löschen, die ihn als Terroristen verunglimpfen. 

Modamani wurde bekannt, weil  er im Sommer 2015 ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht hatte. Maybrit Illner hatte den jungen Syrer in ihre Talkshow eingeladen, zahlreiche Medien berichteten über den Fall.

Das Foto, das ihn berühmt gemacht hat: Anas Modamani zusammen mit Angela Merkel © Sean Gallup/Getty Images


Der mittlerweile 19-Jährige wurde in der Folge Opfer zahlreicher falscher Meldungen über ihn. In prorussischen Medien und auf rechtspopulistischen Websites erschienen Fotomontagen, in denen behauptet wurde, Modamani habe einen Obdachlosen in Berlin angezündet. Auch an dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in der deutschen Hauptstadt soll er beteiligt gewesen sein. Den Fake-News zufolge war er auch bei den Attentaten in Brüssel mit dabei. Diese Lügen wurden tausendfach verbreitet.

Der Fall wurde in Würzburg verhandelt, weil der Anwalt des Flüchtlings seine Kanzlei dort hat. Das Urteil muss den Fall nicht abschließen. Der Anwalt kündigte für seinen Mandanten bereits an, auch Schadensersatzansprüche durchsetzen zu wollen und eine höchstgerichtliche Entscheidung anzustreben.