Seitdem sich junge Menschen aus Deutschland dem "Islamischen Staat" oder anderen Terrormilizen anschließen, suchen Politiker nach Ideen, um die Radikalisierung junger Muslime rechtzeitig zu verhindern und bereits radikalisierte Jugendliche zum Ausstieg zu bewegen. Sie fördern deshalb diverse, meist nicht staatliche Präventionsprojekte.

Angesichts der religiösen Motivation der Zielgruppe gibt es einen Ansatz in der Präventionsarbeit, der den gefährdeten Jugendlichen den Islam vermitteln soll. Denn viele jungen Muslime gelten als religiöse Analphabeten, die ihre Religion in seiner Vielfalt gar nicht kennen. Die meist jungen Mitarbeiter solcher Präventionsprojekte sind selbst religiös und haben oft eine theologische Ausbildung. So sollen sie als authentische Gesprächspartner einen Zugang zu den Radikalisierten finden und sie mit sogenannten Gegennarrativen von der gewaltbereiten Auslegung ihrer Religion abbringen. 

Doch für die Mitarbeiter solcher Projekte kann der religiös motivierte Zugang zu einer Gratwanderung werden. Einerseits sollen sie das Vertrauen der salafistisch geprägten Muslime gewinnen, andererseits müssen sie selbst jede Nähe zu extremistischen Positionen vermeiden.

Problematische Denkweisen auflösen

Das Beispiel des Violence Prevention Network (VPN) in Frankfurt macht deutlich, worum es geht. Als erstes Bundesland hatte Hessen 2014 mit VPN eine eigene Beratungsstelle gegen Radikalisierung eingerichtet. Dort sind 15 Kollegen beschäftigt, die überwiegend islamische Theologen oder Sozialpädagogen sind. Vor Kurzem wurden eine VPN-Mitarbeiterin und ein VPN-Mitarbeiter vom hessischen Innenministerium suspendiert, weil der Verdacht bestand, sie könnten einigen Akteuren der islamistischen Szene zu nahe stehen.

Beide wurden in den vergangenen Wochen einer "gründlichen sicherheitsbehördlichen Zuverlässigkeitsüberprüfung" unterzogen. Das Landesamt für Verfassungsschutz hat in beiden Fällen festgestellt, dass keine  Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen vorliegen.

Bei dem 27-jährigen Mitarbeiter ging es unter anderem um die Teilnahme an einer Konferenz, die im Verdacht stand, im Umfeld der Muslimbruderschaft angesiedelt zu sein. Die inzwischen entlastete Mitarbeiterin wurde  wegen ihres ehrenamtlichen Engagements für einen muslimischen Frauenbildungsverein überprüft. Der Frauenverein hatte gemeinsam mit einem von Salafisten geleiteten Verein einen sogenannten "Schwesterntreff" veranstaltet. Außerdem hatte sie eine Vortragsreihe gemeinsam mit anderen Vereinen organisiert, in der auch Redner mit islamistischem Hintergrund aufgetreten waren.