Papst Franziskus hat sich in einem Interview mit der ZEIT, die am Donnerstag erscheint, kritisch mit dem Glauben auseinandergesetzt. Auf die Frage, ob er auch Momente erlebe, in denen er an
der Existenz Gottes zweifle, sagt er: "Ich kenne auch die leeren Momente."
Die Krise sei aber auch eine Chance, um zu wachsen: "Ein Glauben, der nicht in
die Krise gerät, (...) bleibt infantil."
Sich selbst erlebt Papst
Franziskus dabei als ganz normalen Gläubigen. "Ich sehe mich nicht
als etwas Besonderes", sagt das Oberhaupt von über einer Milliarde
Katholiken weltweit: "Ich bin Sünder und bin fehlbar." Jeder Art von Papstkult
erteilt Franziskus darum eine Absage. "Wir dürfen nicht vergessen,
dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der
Aggression ist. Wenn ich idealisiert werde, fühle ich mich angegriffen",
sagt er im Gespräch mit der ZEIT, das Ende Februar im Vatikan stattfand. Es ist
das erste Interview, das Franziskus während seiner vierjährigen Amtszeit einem
deutschen Journalisten gegeben hat.
Der Papst äußert sich besorgt über den Aufstieg des Populismus in den westlichen Demokratien: "Populismus ist böse und endet schlecht, wie das vergangene Jahrhundert gezeigt hat", sagt Franziskus. "Populismus bedeutet, das Volk zu benutzen", er brauche immer einen Messias und auch die Rechtfertigung, die Identität des Volkes bewahren zu müssen.
Als problematisch bezeichnet der Papst den zunehmenden
Priestermangel in vielen Ländern, zum Beispiel in Deutschland. Die Kirche sei
herausgefordert und solle sich diesem und anderen Problemen auch furchtlos
stellen. Die Aufgabe der Theologie sei es, zu forschen. "Wahrheit ist, keine
Angst zu haben", sagt Franziskus, "Ängste schließen Türen. Die Freiheit öffnet
sie. Und wenn die Freiheit klein ist, öffnet sie immerhin ein
Fensterchen."
Außerdem äußert sich Franziskus in dem Interview zum Zölibat, zur Priesterweihe verheirateter Männer, zu Anfeindungen gegen seine Person und dazu, ob er die Einladung, im "Lutherjahr" Deutschland zu besuchen, annehmen wird.
Lesen Sie hier das exklusive Gespräch mit Papst Franziskus in der ZEIT-Ausgabe Nr. 11.
Kommentare
Natürlich kommt auch das Kirchenestablishment nicht ohne Schimpfen auf den sogenannten Populismus aus.
Das Chaos soll wohl so weitergehen wie bisher.
"Das Chaos soll wohl so weitergehen wie bisher."
- Deswegen braucht man wohl einen starken Führer, der Ordnung in das Chaos beingt, nicht? Diese Logik verfängt Gott sei Dank nicht mehr so gut wie noch im 20. Jahrhundert.
By the way: Trump selbst hat genug Chaos angerichtet in den ersten Wochen seiner Amtszeit.
"'Populismus bedeutet, das Volk zu benutzen', er brauche immer einen Messias"
Das aus dem Munde des Papstes zu hören ist – interessant...
Ironie on
Das Volk wurde doch nie von der Kirche benutzt, tztz wie kommen sie den da drauf?
Ironie off
Als ich den Satz las dachte ich auch, oh ok na da schau mal an.
Naja werten wir es mal als positiv, dass ein Papst zugibt nicht unfehlbar zu sein.
Wenn jemand im Glauben seinen Frieden findet schön, für mich ist das ganze nicht nachvollziehbar.
Zum Glück bin ich 1978 und nicht 1278 geboren, da kann ich diese Organisation wenigstens links liegen lassen und muss nicht befürchten, dafür auf die grausamste Art hingerichtet zu werden, die diesen von Liebe und Glauben beseelten Menschen gerade einfällt.
Mögen unsere Nachfahren im Jahr 2278 das gleiche Glück haben wie wir auch.
Als gläubiger Christ empfinde ich Ihre Position angenehm moderat. Niemand kann zum Glauben gezwungen oder gedrängt werden, es zu versuchen ist kontraproduktiv.
Immer schön staats- und machtkonform, die Römisch-Katholische Kirche, damals wie heute.
Immer schön gegen alle, die es wagen, billigen Populismus nicht gut zu finden, und daran erinnern, wozu er führen kann.