Die Zahl der Toten bei den seit einer Woche andauernden Protesten in Venezuela steigt auf vier: Bei Demonstrationen gegen die Regierung von Nicolás Maduro sind zwei weitere Menschen getötet worden. Es soll sich um einen 13-jährigen Jungen und einen 36-jähriger Mann handeln. Laut einem Bericht der lokalen Zeitung El Impulso waren die Opfer von bewaffneten Regierungsanhängern angegriffen worden. Die sogenannten Colectivos attackieren immer wieder Regierungsgegner.

Bei den Protesten wurden bisher Hunderte Menschen verletzt und viele weitere festgenommen. Zuletzt gingen im ganzen Land Tausende auf die Straße, um die Freilassung politischer Gefangener und Neuwahlen zu fordern. Präsident Maduro beschuldigt konservative Kreise und das Ausland, hinter den Protesten zu stecken. Die Polizei setzt gegen die Demonstranten Tränengas und Gummigeschosse ein.

Maduro zunehmend unter Druck

Die katholische Kirche verurteilte das harte Vorgehen. "Wir sind besorgt über die brutale Unterdrückung", sagte der Erzbischof von Caracas, Jorge Urosa. "Die Regierung solle die Demonstrationen zulassen, aber vor allem die Probleme des Landes lösen. Es ist normal, dass die Bürger protestieren, wenn ihre Bedürfnisse nicht befriedigt werden."

Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) forderte Neuwahlen in dem südamerikanischen Land. "Es hat sich gezeigt, dass das Regime nicht zum Dialog bereit ist. Wir rufen die Regierung auf, auf die Forderung des Volks einzugehen", sagte OAS-Generalsekretär Luis Almagro in einer Videobotschaft.

Seit Monaten liefert sich die sozialistische Regierung einen harten Machtkampf mit dem von der Opposition dominierten Parlament. Zuletzt hatte der regierungstreue oberste Gerichtshof versucht, das Parlament zu entmachten. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen.

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreichste Land der Welt steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden. Wegen der schlechten Versorgungslage nimmt der Unmut der Bevölkerung immer mehr zu. Am Dienstagabend bewarfen aufgebrachte Menschen im Süden des Landes Maduros Wagenkolonne mit Eiern und Steinen.

Venezuela - Verletzte bei Krawallen in Caracas Erneut haben Tausende Menschen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gegen die Regierung demonstriert. Die Proteste schlugen in Gewalt um. © Foto: Carlos Garcia Rawlins/Reuters