Grüne Tafeln und kleine Holzstühle, die umso ungemütlicher werden, je länger eine Erwachsene darauf sitzt. Sogar eine Glocke läutet den Beginn der Workshops und die große Mittagspause ein. Vergangene Woche trafen sich Pädagogen, Sprachforscher und Erzieher in Berlin, um über die Schule von morgen zu sprechen. Was halten sie von einer Quote für Schulkinder mit Migrationshintergrund an Schulen?

Ende April hatte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) die Debatte über eine Quotenregelungen wieder aufgewärmt. Der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund müsse ausgewogen sein. Die Fraktionsvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz Julia Klöckner nahm diesen Vorschlag dankbar an und forderte sogleich eine Obergrenze in Schulklassen. Eltern- und Lehrerverbände zogen mit. Auf der Bildungskonferenz in Berlin waren Experten anderer Meinung: Das ist der falsche Zugang. Nicht die Kinder müssen sich ändern, sondern die Schule. In deren Verantwortung liege es, Bildung für alle Kinder zu garantieren, unabhängig von ihrer Herkunft und Sprache.

Busse mit Migrantenkindern

Seit den 1980er-Jahren wird in unregelmäßigen Abständen über die Zusammensetzung von Schulklassen diskutiert. Dabei wird auch immer wieder empfohlen, Kinder mit Migrationshintergrund mit Bussen in verschiedene Schulen zu transportieren. Die Idee dahinter ist umstritten: In den Klassen wird die Mischung von Kindern mit deutscher und nicht deutscher Muttersprache ausgewogener und damit steigt das Ausbildungsniveau. Davon würden schließlich alle profitieren. 2002 hatte sich Sigmar Gabriel (SPD), damaliger Ministerpräsident von Niedersachsen für das 'Busing' und eine Quote stark gemacht. Als 2010 wieder einmal über eine Quotenregelung debattiert wurde, sprach sich der damalige Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), dagegen aus. Sogar Ministerin Wanka hatte vor zwei Jahren derartige Maßnahmen noch abgelehnt. Für die Integration von geflüchteten Kindern benötige man keine Quote für Schulklassen. Es gebe keinen Grund, Angst zu haben, sagte sie 2015.

Der Begriff "Migrantenquote", der die Diskussion seit jeher prägt, ist allerdings irreführend. Denn welche Muttersprache die Migrantenkinder daheim lernen, erklärt die Quote nicht. Die einzige Voraussetzung ist, dass man selbst oder mindestens einer der Elternteile keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. So lautet die Definition des Statistischen Bundesamts. Das kann aber auch heißen, dass ein Kind als einzige Muttersprache Deutsch spricht und trotzdem als Migrantenkind unter die Quote fällt. Tatsächlich hat bereits mehr als jedes dritte Kind in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Außerdem: "Es kommt nicht auf den Anteil an Zuwanderern per se an, sondern auf den Anteil an leistungsschwachen und sozial benachteiligten Kindern in einer Klasse", sagt Simon Morris-Lange. Lange ist stellvertretender Forschungsleiter des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).