Die Ermittlungen gegen rechtsradikale Soldaten an der Bundeswehr-Universität in München haben einem Bericht zufolge erste Konsequenzen. Die Bundeswehr habe zwei Offiziersanwärter wegen judenfeindlicher Parolen entlassen. Die beiden Studenten seien Ende 2016 und Anfang 2017 durch Äußerungen wie "Judenschwein" und "Heil Hitler" aufgefallen, berichtete der Spiegel.

Nach Ermittlungen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) habe sich die Bundeswehr entschlossen, die beiden Soldaten umgehend zu entlassen. Der Militärgeheimdienst ermittle noch gegen mehrere weitere aktive und frühere Studenten der Bundeswehr-Uni wegen Kontakten zur sogenannten Identitären Bewegung und zu rechten Burschenschaften. So gingen beim MAD nach Spiegel-Informationen allein seit Ende April 57 Meldungen ein, die vom Truppen-Geheimdienst bearbeitet werden.

Mehr als 400 Devotionalien in Kasernen

Die Ermittlungen des MAD gegen mehrere aktive und ehemalige Studenten der Bundeswehr-Uni waren im Zusammenhang mit den Nachforschungen im Fall des rechtsextremen Oberleutnants Franco A. bekannt geworden. Der Terrorverdächtige und sein mutmaßlicher Komplize Maximilian T. hatten möglicherweise Kontakt zu einem Studenten der Hochschule, der dem MAD schon früher wegen rechter Umtriebe aufgefallen war. 

Der inzwischen inhaftierte Franco A. soll Anschläge auf Politiker geplant haben. Er führte ein Doppelleben als syrischer Flüchtling. In seiner Kaserne in Illkirch bei Straßburg war ein Raum mit Wehrmachtssoldaten bemalt. Bei unangemeldeten Durchsuchungen in Kasernen haben Ermittler seitdem mehr als 400 militärischen Andenken gefunden. Darunter waren Helme, Uniformen, Gewehre, Panzermodelle, Säbel und Schwerter, ein Teil davon auch mit Hakenkreuzen versehen und mit Wehrmachts-Bezug. Ein Teil sei verboten und entfernt worden, teilte das Verteidigungsminsiterium dem Verteidigungsausschuss mit. Disziplinarmaßnahmen seienn eingeleitet worden. Ein weiterer Teil werde überprüft, in militärhistorische Sammlungen übernommen, an Eigentümer zurückgegeben oder nach Prüfung sogar wieder aufgehängt..  

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will den MAD künftig enger an das Verteidigungsministerium anbinden. Das schrieb von der Leyen am Dienstag in einem Tagesbefehl an die Truppe. Bislang unterstand der Dienst dem Inspekteur der eigenständigen Streitkräftebasis. Nun soll er direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt werden, ähnlich wie der Bundesnachrichtendienst dem Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Kanzleramt.

Anmerkung: In einer erste version dieser Meldung hatte es geheißen, es seien mehr als 400 Wehrmachtsandenken gefunden worden. Das stimmte nicht. Unter den insgesamt etwa 400 Funden hatte ein Teil einen Bezug zur Wehrmacht, gefunden wurden aber auch viele andere Devotionalien. Wir haben den Fehler korrigiert.