Stefanie ist Anfang 30, vor zwei Jahren hat sie im Juli ihr erstes Kind bekommen, einen Jungen, Maximilian. Sie hat einen 40-Stunden-Job gehabt und rund 3.000 Euro brutto im Monat verdient. Vielleicht bekommt sie noch ein zweites Kind. Wenn es ein Mädchen wird, soll es Sophie oder Marie heißen. Stefanie ist eine durchschnittliche deutsche Frau oder besser gesagt, sie ist der Durchschnitt. Denn Stefanie ist das Konglomerat aus Daten des Bundesamts für Statistik.

Ein erster Schritt zur Gleichstellung der Frauen war das Gesetz zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Vor 60 Jahren wurde es im Bundestag verabschiedet. Ehemänner konnten fortan den Job ihrer Frauen nicht mehr fristlos kündigen oder ihr Vermögen verwalten. Trotzdem behielten sie viele Privilegien und es dauerte noch weitere zwanzig Jahre bis Frauen ohne Erlaubnis ihres Ehepartners arbeiten durften. Vieles hat sich seitdem für die Frauen verbessert.  Was aber hat die Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren tatsächlich für die Stefanies in Deutschland getan? Manuela Schwesig (SPD) hatte viele konkrete Ideen.

Für Mütter hat Schwesig  die Kinderbetreuung oder das Elterngeld verbessert. Zum Beispiel wurde das Elterngeld Plus eingeführt, das alle erhalten, die bereits während der Elternzeit wieder beginnen, in Teilzeit zu arbeiten. Arbeiten beide Partner zeitgleich zwischen 25 und 30 Wochenstunden, gibt es zusätzlich einen Bonus von vier Monaten Elterngeld. "Das ist zwar sehr schön, aber führt noch nicht dazu, dass sich Mütter und Väter die Arbeit auch wirklich teilen", sagt Elisabeth Botsch. Botsch lehrt an der European Academy in Berlin und hat 2015 eine Studie für das Europäische Parlament verfasst, in der sie die Gleichberechtigung in Deutschland untersucht. Ihr Urteil: schlechtes Mittelmaß.

Deutschland - Deutschlands Ministerinnen Annegret Kramp-Karrenbauer ist alte und neue Ministerpräsidentin im Saarland. Bundesweit ist sie eine von drei Landesregierungschefinnen. Wie steht es um die Gleichstellung im Bundestag? © Foto: Matthias Angst / Getty Images

Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn

"Deutschland ist in vielem vorsintflutlich, daran hat sich bisher nicht viel geändert", sagt Botsch. Das trifft insbesondere auf den Arbeitsmarkt zu. Zwar sind immer mehr Frauen erwerbstätig, doch der Großteil von ihnen arbeitet in Teilzeit, befristet oder ist geringfügig beschäftigt. Eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass allein 39 Prozent der Mütter in Teilzeitjobs arbeiten. Nur in Österreich und den Niederlanden ist der Prozentsatz höher.

Außerdem beschäftigen sich Frauen in Deutschland überdurchschnittlich viel mit dem Haushalt und der Kinderbetreuung. Fast zwei Drittel der anfallenden Arbeit werden von ihnen übernommen. Das ist keine Neuigkeit, seit Jahren machen Studien, Frauenrechtlerinnen und Vereine darauf aufmerksam. Die hohe Teilzeitquote führt unter anderem dazu, dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer. Auch das ist seit Langem bekannt, seit Jahren dümpelt der Gender Pay Gap – die Differenz zwischen den Gehältern – auf dem hohen Niveau von rund 20 Prozent. Selbst, wenn man die unterschiedlichen Arbeitsverhältnisse miteinbezieht, verdiente eine Frau 2014 bei gleicher Position und Qualifikation um sechs Prozent weniger als ihr Kollege. Ein Umstand, der "nicht durch die lohnrelevanten Merkmale erklärt werden kann", sagt das Statistische Bundesamt. 2016 bekam eine Frau pro Stunde nur 16,2 Euro brutto, während ein Mann für dieselbe Zeit 20,7 Euro erhielt. Das ist eine Differenz von 21 Prozent.

Dieser Unterschied in den Gehältern zeigt sich natürlich auch später in der Rente. "Aktuell beträgt die Lücke bei der Rente von Frauen zu Männern 57 Prozent", sagt Botsch. Damit sind die Differenzen in Gehalt und Rente zwischen den Geschlechtern in Deutschland so groß wie in fast keinem anderen europäischen Land.

Mit einem Gesetz zur Offenlegung der Gehälter wollte Ministerin Schwesig diesem Problem entgegen wirken. Ursprünglich forderte die Frauenministerin, dass alle Arbeitnehmer das Recht erhalten, von ihrem Arbeitgeber zu erfahren, wie viel fünf Kollegen des anderen Geschlechts durchschnittlich verdienen. Die Union wollte das Gesetz jedoch auf Betriebe mit mindestens 500 Mitarbeitern beschränken, der Widerstand aus der Wirtschaft war wieder einmal groß. Nach monatelangen Diskussionen einigte sich die Koalition Ende März schließlich auf einen Kompromiss: Nur Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern müssen auf Anfrage offenlegen, wie viel ihre Angestellten verdienen. Außerdem wird zwischen tarifgebundenen und - ungebundenen Betrieben unterschieden. In ersteren soll der Betriebsrat anstelle des Arbeitsgebers die Auskunft erteilen. Eine verpflichtende Überprüfung, ob der Betrieb gerecht bezahlt, wird es nicht geben. Die ist jetzt freiwillig. Grüne und Linke reagierten mit Kritik auf die Anpassungen: In dieser Form helfe das Gesetz keiner Frau. 

Familienpolitik - “Wir respektieren alle Familienmodelle” Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, SPD, sieht zwischen den Parteien deutliche Unterschiede: Die SPD unterstütze alle, die Kinder haben – im Gegensatz zur Union und der AfD. Das sagte sie am Rande einer ZEIT-Konferenz. © Foto: ZEIT