Die italienische Polizei hat einen mafiösen Millionenbetrug um ein Flüchtlingszentrum im kalabrischen Crotone aufgedeckt. Es wurden 68 Personen verhaftet, darunter ein Priester und der Leiter einer Hilfsorganisation. Ihnen wird vorgeworfen, der Mafiaorganisation 'Ndrangheta 36 Millionen Euro Steuergeld zugeschleust zu haben. "Das Willkommenszentrum und die Hilfsgruppe Fraternita di Misericordia waren die Geldautomaten der Mafia", sagte der Carabinieri-General Giuseppe Governale bei der Bekanntgabe der Verhaftungen.

Das Willkommenszentrum Isola di Capo Rizzi gilt als das größte in Italien. Verwaltet wird es von der katholischen Organisation Fraternita di Misericordia. Ermittlungen zufolge ist der Mafia-Clan Arena seit mehr als zehn Jahren in die Geschäfte des Aufnahmezentrums verwickelt. Er soll in den vergangenen zehn Jahren Millionen öffentlicher Gelder abgezweigt haben.

Die Mitglieder sollen unrechtmäßig an Aufträge für verschiedene Dienstleistungen wie zum Beispiel für die Verpflegung gekommen sein. Neben dem Chef der Organisation La Misericordia soll auch der örtliche Priester mitverdient haben, er soll pro Jahr 150.000 Euro für die "spirituelle Hilfe" für die Migranten bekommen haben.

"Die Spitze des Eisbergs"

Dem Arena-Clan wird außerdem Waffenschmuggel, Schutzgelderpressung, Veruntreuung von Geldern und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die kalabrische 'Ndrangheta gilt als eine der mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt.

Der Vorwurf, dass die Mafia bei der Flüchtlingsunterbringung mitverdient, ist schon mehrmals aufgekommen. Zuletzt hatte der italienische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro das Thema aufgebracht. Der Chef der italienischen Antikorruptionsbehörde, Raffaele Cantone, sagte, der Fall in Crotone sei wohl nur "die Spitze des Eisbergs".

Italien ist derzeit in Europa das Hauptankunftsland für Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr kamen etwa 180.000 Menschen an – in diesem Jahr werden noch mehr erwartet. Italien erhält in der laufenden Finanzperiode von 2014 bis 2020 allein aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU mehr als 310 Millionen Euro. Die EU-Kommission erklärte, der Fall sei ihr nicht bekannt und verwies auf die italienischen Behörden.