Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für DIE ZEIT über Rechtsfragen. Weitere Artikel seiner Kolumne "Fischer im Recht" finden Sie hier – und auf seiner Website.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

am 7. Januar 2015 begann diese Kolumnen-Serie mit dem Titel "Zum Beginn". Das damals unter diesem Titel formulierte Programm der damals zukünftigen Kolumne hat manche ihrer Entwicklungen, Wege, Windungen, Höhen und Tiefen nicht vorausgesehen. Der Autor rechnete weder damit, dass die Kolumne über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren laufen würde, noch mit vielfältigen Reaktionen und Wirkungen, welche sie auslöste. Heute endet die Kolumne mit ihrer 118. und letzten Folge. Zum Ausklang ein paar Bemerkungen: 

Zahlen

In den vergangenen 28 Monaten haben Sie unter der – spielerisch gemeinten, gleichwohl manche Menschen immer wieder neu erregenden – Überschrift Fischer im Recht insgesamt 430.000 Wörter oder, noch etwas kleinteiliger gezählt, 3.030.000 Zeichen lesen können, dürfen oder – was für zwanghaft Empörte am schlimmsten, für den Autor aber am unverständlichsten war – "müssen". Der Titel der Kolumne stammt übrigens, das sei nun an dieser Stelle  verraten, weder von ihrem Verfasser noch aus der Redaktion der ZEIT, sondern von dem Spiegel-Redakteur Dietmar Hipp, der den Vorschlag dieses ironischen Titels anlässlich eines gemeinsamen Abendessens machte. Dass dies eine von ihm strategisch geschickt ausgelegte Leimrute gewesen sein könnte, die all jene Rechtsfreunde anziehen sollte, welche in den folgenden zweieinhalb Jahren sich darüber echauffierten, der Autor der Kolumne fühle sich ausweislich des Titels immerzu im Recht, ist auszuschließen.

Die Anzahl der halbwegs guten Gedanken und Argumente ist nicht so leicht zu zählen wie die der Wörter und gewiss um mehrere Größenordnungen geringer. Ihre Einschätzung schwankt überdies je nach persönlicher Lage, Bildung, Einstellung, nach Geschmack und Erfahrung. Hiervon haben insgesamt etwa 75.000 Kommentare, die von Leserinnen und Lesern im Forum abgegeben wurden, ein eindrucksvolles Zeugnis abgelegt (meine eigenen Antworten auf Kommentare sind schon abgezogen).

Meinungen

Kolumnen sind, das liegt auf der Hand, keine Fachtexte, erst recht keine juristischen Schriftsätze. Über das Fachpublikum hinaus eine große Anzahl von Menschen für strafrechtliche Themen auf einer Ebene und einem Diskussionsniveau zu interessieren, das sich nicht mit raschen Parolen und einer kleinen Auswahl von Vorurteilen begnügt, ist nicht ganz so einfach, wie es gelegentlich aussieht, wenn es klappt. Das ist im Recht nicht anders als in der Philosophie oder der Soziologie – um einmal zwei benachbarte Fächer zu nennen. Im Rückblick scheint mir, dass das Unternehmen, strafrechtliche Themen in einem ungewohnten Zusammenhang anzusprechen und an einen breiten Kreis von Menschen außerhalb des professionell juristischen Bereichs zu adressieren, jedenfalls nicht ganz verfehlt war und gelegentlich auch recht ordentlich gelungen ist.

Dieses kleine Eigenlob soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht alles gelungen, nicht jede Metapher ein Treffer und nicht jeder Scherz ein Hit war. So geht es halt im Leben der Sprache! Und im Leben der Sprecher allemal. Die Eitelkeiten derjenigen, die dem Kolumnisten in den vergangenen zwei Jahren Eitelkeit nachgewiesen haben, flackern mit diesen um die Wette.

Auch davon lernt man. Wer halbwegs klare Meinungen vertritt und dies auch noch zu begründen versucht, erlangt Zustimmungen und Verneinungen. Das ist Sinn der Sache. Was in den Bereich des persönlich Herabsetzenden und des offenkundig Blöden hineinreicht, tut gleichwohl gelegentlich weh, selbst wenn es auch erheitern mag. 

Anliegen

Journalismus über das Recht! Welch erschütternde Aufgabe, Begabung, Tätigkeit! Welch Anliegen! Von Herausgebern bedeutender Zeitungen bis zu Blog-Spezialisten zu den Fragen des Universums, von Teleprompter-Vorlesern bis zu aufgeregten Jung-Generalisten leben wir in der Welt eines Journalismus, der, gewollt oder nicht, stets vor allem auch sich selbst erklärt. Die Presse ist frei, sagt das Grundgesetz, und ein(e) jede(r) darf deshalb alle anderen jeden Tag bezichtigen zu lügen. Bilder, Assoziationen und Träume der vom Ethos getragenen Journalisten-Person werden durch Breaking News der Beliebigkeit transportiert und zu Tode gequält. Eine gelegentlich geisterhafte Armee der Projektionen hat sich an dieser kleinen Kolumnen-Serie in 28 Monaten abgearbeitet, verwoben in Ritualen, Entrüstungen und einem tapferen Willen zum Missverstehen!