Wohlwollende Kommentatoren versuchen, ihn schönzureden, aber: Der Friedensmarsch unter dem Motto "#NichtMitUns – Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror" war keine erfolgreiche Aktion. Mit Attributen wie "positives Signal" oder "Ein Anfang ist gemacht", lässt sich nicht kaschieren, dass die Demo vom vergangenen Samstag misslungen ist! Vor allem, wenn man bedenkt, wie groß der Medienrummel war.

Obwohl die prominente Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor auf allen Kanälen für die Aktion warb, ließen sich nicht genug Menschen mobilisieren. Im Vorfeld kursierte die Zahl von rund 10.000 erwarteten Teilnehmern. Wie viele tatsächlich in Köln auf dem Heumarkt waren und anschließend durch die Innenstadt marschierten, das lässt sich nicht genau ermitteln. Es kursieren seit Samstag stark voneinander abweichende Zahlen. Mal ist von 300 bis 500, mal von 3.000 Teilnehmern die Rede. Von offizieller Stelle sind keine Schätzungen zu bekommen, die Kölner Polizei will sich dazu nicht äußern. Nur so viel ist dann doch noch auf Nachfrage zu hören: "3.000 sind ziemlich hoch gegriffen."

Lamya Kaddor äußerte ihre Enttäuschung nicht nur vor Ort, sondern schrieb sie auch auf ihre Facebookseite. Sie hat die Demo als Privatperson angemeldet und sie mit einer Gruppe von Unterstützern organisiert. Laut Ankündigung sollte es nicht darum gehen, dass sich Muslime vom Terror distanzieren, sondern dass sie sich gegen den Terror positionieren. Das wurde im Vorfeld und auch nach der Demo von der Initiatorin und ihren Mitstreitern immer wieder betont. Worin der Unterschied zwischen einer Positionierung gegen den Terror und einer Distanzierung vom Terror bestehen soll, ist mir jedoch nicht wirklich klar geworden.

Der Aufruf zur Demo folgt kurz nach dem Wutausbruch von Marek Lieberberg

Der Aufruf zur Demo erfolgte jedenfalls kurz nachdem der Rock-am-Ring-Veranstalter Marek Lieberberg eine wütende Rede hielt, weil das Festival wegen Terrorwarnung unterbrochen wurde. Lieberberg schrie vor Pressevertretern, Muslime müssten endlich zu Zehntausenden auf die Straße gehen und Position beziehen gegen die Täter, die im Namen des Islam Gewalt ausübten. Es müsse Schluss sein mit "This is not my Islam and this is not my shit and this is not my whatever".

Es fällt mir schwer, mich davon überzeugen zu lassen, die Idee für den Friedensmarsch in Köln stehe nicht im Zusammenhang mit Lieberbergs Appell zur Distanzierung, weil die Anmeldung der Demo so schnell auf Lieberbergs Rede folgte.

So wie ich haben auch andere Muslime Lamya Kaddars Aufruf gedeutet. Wir als Muslime sollten sichtbar und hörbar der Erwartung der Mehrheitsgesellschaft nachkommen. Ich will mich als Muslima aber nicht rechtfertigen. Weil es für mich als Mensch selbstverständlich ist, Gewalt und Mord abzulehnen. Wenn Muslime sich nicht von Gewalt im Namen Allahs distanzieren, dann bedeutet das keineswegs, dass sie islamistische Terroraktivitäten gutheißen. Das müssen wir den Menschen in diesem Land und anderswo vermitteln.