Frankreich muss die Lebensbedingungen für Migranten verbessern, die sich in der Nähe der nördlichen Hafenstadt Calais aufhalten. Die Untätigkeit der Behörden sei nicht rechtens, urteilte das oberste Verwaltungsgericht des Landes.

Zukünftig müsste die unmenschliche Behandlung beendet werden, heißt es in der Urteilsbegründung. Das Gericht bestätigte damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts von Lille, das unter anderem die Schaffung von Latrinen und Wasserstellen für die Migranten angeordnet hatte. Gegen das Urteil aus Lille waren das Innenministerium und die Stadt Calais in Berufung gegangen.

In Nordfrankreich sammeln sich seit Jahren immer wieder Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Aktuell sollen sich mehrere Hundert Menschen in der Nähe von Calais aufhalten.

Die Behörden wollen die Entstehung neuer Barackenlager verhindern. Im Oktober hatten sie das als "Dschungel von Calais" bekannte riesige Flüchtlingslager geräumt. Vor der Räumung hielten sich etwa 6.000 Migranten in dem Camp auf. Danach hatte die Stadt nicht staatlichen Organisationen untersagt, Flüchtlingen Duschen bereitzustellen. In der Nähe des alten Camps wurden außerdem Aushänge angebracht, die andere Hilfe untersagten: "Reguläre, andauernde Präsenz von Individuen, die Essen an Migranten austeilten" würden in der Nähe des alten Camps den Frieden und die Sicherheit bedrohen, hieß es in dem Schreiben.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte in der vergangenen Woche ein zu gewaltsames Vorgehen der Polizei kritisiert. Die Behörden hatten diese Vorwürfe zurückgewiesen.