Einige der 32 Journalisten, denen auf dem G20-Gipfel die Akkreditierung entzogen wurde, sind nach Angaben der Bundesregierung vorbestraft. Es habe Erkenntnisse gegeben, dass unter den Betroffenen "etliche Personen mit Straftaten und Verurteilungen" im Zusammenhang mit dem linksextremen Spektrum gab, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Medien berichteten, dass es Anzeigen oder auch Verurteilungen wegen Nötigung, Hausfriedensbruch oder gefährlicher Körperverletzung vorgelegen hätten. Einer der Journalisten soll angeblich "Führungsperson des linksextremistischen Spektrums" gewesen sein, heißt es. Blockade von Bahngleisen, Graffiti-Schmierereien, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz hätten sich in den Unterlagen gefunden.

Bei anderen Journalisten soll es jedoch nur eine einfache Bemerkung gegeben haben wie "BfV-Erkenntnisse" oder "Mitglied eines Gewalt-befürwortenden Beobachtungsobjekts".

Auch Reichsbürger unter betroffenen Journalisten?

Auch ein mutmaßlicher Reichsbürger soll unter den ausgeschlossenen Reportern gewesen sein, angeblich sei er Mitglied der sogenannte Exil-Regierung deutsches Reich. Ein Ministeriumssprecher sagte, über eine Person habe es "verdichtete Erkenntnisse" gegeben, dass sie zu den rechtsextremen Reichsbürgern gehöre. Der NDR-Journalist Christian Wolf sagte allerdings, dass ihm während des Gipfels die Akkreditierung mit der Begründung entzogen wurde, er gehöre der Reichsbürgerszene an. "Das ist völliger Quatsch", entgegnet Wolf nun in einem NDR-Beitrag. Er sei weder Mitglied einer solchen Gruppierung, noch habe er jeweils darüber recherchiert oder berichtet.

Zu dem erst nachträglichen Ausschluss der 32 Journalisten soll es aufgrund einer Panne der Sicherheitsbehörden gekommen sein. Den betroffenen Personen seien fälschlich Akkreditierungen für alle sicherheitsrelevanten Bereiche des Gipfeltreffens ausgestellt worden, obwohl sie nur einen eingeschränkten Zugang hätten erhalten sollen, heißt es weiter in den Berichten. Das Bundespresseamt entzog daraufhin den 32 Personen auf der Liste die Akkreditierung vollständig.  "Natürlich sollten idealerweise alle Erkenntnisse vorliegen, bevor es zur Akkreditierung kommt", räumte der Ministeriumssprecher ein. Vorwürfen, dass die Betroffenen nicht über die Gründe informiert worden seien, gehe man ebenfalls nach. 

BKA warnte vor Störaktionen

Da mehrere Betroffene kritisch über die Türkei berichtet hatten, hatten Medien und Opposition den Verdacht geäußert, dass unter anderem türkische Interessen dahinter stehen könnten. Regierungssprecher Steffen Seibert und das Bundeskriminalamt bestritten das. Seibert kündigte zudem an, sich unter anderem mit Journalistenverbänden über das Thema auszutauschen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) habe gewarnt, die Reporter könnten den Ablauf des Gipfels durch Störaktionen behindern, heißt es. Um mögliche Anschläge oder andere gewalttätige Aktionen durch die Journalisten sei es nicht gegangen. Vielmehr hätten die Behörden befürchtet, die betroffenen Journalisten könnten bei Pressekonferenzen mit den internationalen Staats- und Regierungschefs lautstarke Störaktionen starten, Plakate entrollen oder die Politiker beschimpfen.