Der Arrivati-Park ist eigentlich nur eine kleine Wiese im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Er liegt am Rande einer vierspurigen Straße, die sich vom Millerntorstadion in Richtung Nordwesten zieht, breiter wird und schließlich an einer großen Kreuzung in den Pferdemarkt mündet.

Der Park ist bei Anwohnern und der linken Szene ein beliebtes Ziel, vor allem am Wochenende. Hier sitzt man abends beim Bier beisammen, führt politische Diskussionen, oft spielt Musik. In den Tagen des G20-Gipfels ist der Arrivati-Park zu einem Treffpunkt der Gipfelgegner geworden. Den ganzen Freitag über war die Stimmung rund um den Park angespannt gewesen. Viele junge Leute im Abiturienten- und Studentenalter saßen auf den niedrigen Stufen um die Wiese, Deutsche trafen mit Schweizern, Franzosen und Italienern zusammen.

Schon gegen Mittag machten sich immer wieder kleine Gruppen von hier aus auf zu den Protesten auf der Reeperbahn und an den Landungsbrücken. Stundenlang hatten sich dort am Nachmittag Jagdszenen zwischen Polizisten und militanten Demonstranten abgespielt. Die Polizei hatte zahlreiche Kräfte zusammengezogen.

Am frühen Abend rücken immer mehr Wagen ab und fahren zum Arrivati-Park. Rund um die kleine Grünfläche ist die Lage zu diesem Zeitpunkt bereits unübersichtlich. Von der Kreuzung davor wird die Randale angeheizt werden, die später in den schlimmsten Krawallen münden wird, die Hamburg seit Jahren erlebt hat.


Feuer auf der Kreuzung

Schwarzgekleidete Kapuzenpulliträger mit Schals und Sonnenbrillen haben sich unter die Leute gemischt. Niels, der im Arrivati-Park schon seit vergangenem Sonntag eine Dauerveranstaltung zum Thema Flucht und Migration organisiert, berichtet: "Hier fingen irgendwelche Idioten auch schon an, Gehwegplatten auszugraben und zu zerkloppen. Wir haben die Platten dann in die Büsche geworfen."

Als sich ein Polizeiwagen nähert, stürzen einige Vermummte auf das Fahrzeug zu. Das Polizeiauto zieht sich schnell zurück. Dann fliegen die ersten Flaschen. Machtspiele. Wasserwerfer rollen an, dahinter Räumpanzer. Autonome werfen Böller, die Polizei spritzt Wasser auf sie. Vermummte rennen weg, kommen wieder, weitere Böller, dazwischen Polizeiansagen: "Unterlassen sie gewalttätige Aktionen."

Krawalle im Schanzenviertel

Ein großer schwarzer Block hat sich mitten auf der Kreuzung am Pferdemarkt gebildet. Die Autonomen tanzen herum, provozieren die Polizei. Sie haben ein großes Feuer entfacht. Zunächst hält sich die Polizei zurück, Beamte jagen einzelne Vermummte, versuchen, sie aus der Menge zu lösen. Dann setzen die Polizisten Reizgas ein, einige ziehen ihre Schlagstöcke. Immer mehr Beamte und Wasserwerfer rücken vor, von Süden, von Osten und auch von Nordwesten. Nur ein Weg ist jetzt noch frei: Er führt nach Norden ins Sternschanzenviertel.

Schanze, so nennt man die beliebte Ausgehmeile in Hamburg. Sie beginnt gleich hinter dem Pferdemarkt. Vom Arrivati-Park bis hierher sind es nur wenige Hundert Meter. Das Viertel zieht sich an zwei engen Straßen mit Gründerzeitbauten entlang: der Schanzenstraße und dem Schulterblatt. Viele alternative Läden gibt es hier, viele Kneipen. Nur rund fünfhundert Meter weiter am Ende Schulterblatts liegt das Zentrum der autonomen Szene in Hamburg: die Rote Flora.

Ein Kneipenviertel voller Menschen

Diese Straße wird in dieser Nacht brennen, wird zum Zentrum der Schlacht zwischen linksradikalen Hooligans und der Polizei werden. Später wird sogar Andreas Blechschmidt, der Sprecher der Roten Flora sagen, dass hier eine Form von Militanz auf die Straße getragen worden sei, die sich an sich selbst berauscht habe.

Wie jedes Wochenende ist das Kneipenviertel voller Menschen. Sie sitzen vor Lokalen bei Bier und Wein, manche auch auf dem Bordstein, oder sie flanieren durch die Straßen. Viele Jugendliche sind darunter, angetrunkenes Partyvolk. Doch etwas ist anders an diesem Freitagabend.

Drei junge Frauen ziehen schwarze Regenjacken aus ihren Rucksäcken und legen schwarze Schals an. Dann laufen sie die Straße hinunter Richtung Pferdemarkt. Ihnen entgegen kommen andere Vermummte. Sie reißen stählerne Zäune ab, die eine Baulücke schützen sollen, und schleifen sie über die Straße. Weiter unten am Eingang zum Schanzenviertel beim Pferdemarkt steigt schwarzer Qualm auf, dann sind Flammen zu sehen.

Zwei Autonome tragen Steine weg, die um einen Baum gelegt wurden, und schichten sie am Straßenrand auf. Anwohner sprechen sie an: "Was soll das? Bist du ein Mensch? Das machen wir hier nicht." Dann tragen die Anwohner die Steine zurück an den Baum.