Nach dem Messerangriff in einem Hamburger Supermarkt hat Generalbundesanwalt Peter Frank die Ermittlungen übernommen. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, liege "ein radikalislamistischer Hintergrund der Tat nahe". Dem 26-Jährigen würden Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft liegen bisher keine Erkenntnisse vor, dass der Beschuldigte der Terrormiliz "Islamischen Staat" angehöre oder Kontakt zu dessen Mitgliedern habe. Es gebe bislang auch keine Hinweise auf unbekannte Tatbeteiligte oder Hintermänner. Der Mann habe sich offenbar selbst radikalisiert.

Hamburg - Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen bei Supermarkt-Anschlag Nach dem Messerangriff in einem Hamburger Supermarkt hat Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Wie die Behörde mitteilte, liege "ein radikalislamistischer Hintergrund der Tat nahe". © Foto: Markus Scholz/dpa

Bei dem Anschlag vom vergangenen Freitag hatte der Mann ein Messer aus dem Sortiment des Supermarktes genommen und damit einen Kunden erstochen, einen weiteren verletzte er lebensbedrohlich. Auf der Straße außerhalb des Marktes stach er auf drei weitere Personen ein. Er wurde schließlich von Passanten gestellt und festgehalten.

Seinen eigenen Angaben zufolge habe er sich seit geraumer Zeit mit radikalislamistischen Themen beschäftigt, so die Bundesanwaltschaft. Zwei Tage vor der Tat habe er sich schließlich für eine entsprechende Lebensweise entschieden. Am Tattag selbst habe er sich infolgedessen entschlossen, ein Attentat zu begehen, verbunden mit der Hoffnung, "als Märtyrer zu sterben".

Den Behörden als Islamist bekannt

Bislang hatten die Hamburger Behörden betont, die Motivlage sei unklar. Es gebe einerseits Hinweise auf religiöse und islamistische Motive, andererseits auf eine "psychische Labilität". Offen sei, was ausschlaggebend für die Tat gewesen sei.

Die Entscheidung der Bundesanwaltschaft deutet nun klar auf eine politisch motivierte Tat hin. Die Behörde verfolgt Straftaten gegen die innere und äußere Sicherheit. Ein wichtiger Bereich ist der Terrorismus.

Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborene Palästinenser war 2015 als Schutzsuchender nach Deutschland gekommen. Den Sicherheitsbehörden war er als Islamist bekannt, er wurde aber als nicht als "Gefährder" eingestuft – also als jemand, dem ein Terrorakt zuzutrauen ist. Nach Ablehnung seines Asylantrages drohte ihm die Ausreise.