Wenn Ende September der neue Bundestag gewählt wird, dürfen 61,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Arme und Reiche, Junge und Alte, Rechte und Linke. Stadtmenschen, Landmenschen, Unternehmer, Angestellte, Studenten, Pastoren und Rentner. In unserer Serie "Diese Wähler" stellen wir einige von ihnen vor. Wir möchten wissen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Und vor allem: Was soll sich ändern in Deutschland? Bei uns sprechen sie schon vor der Wahl, das sind "Diese Wähler". Heute: Bernhard Pietrucha, 58, Bauunternehmer aus Lehnin, Brandenburg

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Bernhard Pietrucha und seit 22 Jahren Geschäftsführer einer Baufirma. Vor 30 Jahren bin ich mit 600 D-Mark aus Polen nach Deutschland gekommen. Ich habe versucht, meinen Weg zu finden. Zuerst hab ich als Computertechniker gearbeitet, dann habe ich Autos verkauft, bis ich die Baufirma gegründet habe. Wir haben mit zwei Mann angefangen, dann 10, dann 20, dann 30, jetzt sind wir 80. Wir machen inzwischen einen Umsatz von ungefähr fünf Millionen Euro pro Jahr und besetzen fast alle Gewerke. Es gibt wenige Firmen, die mit eigenen Kräften alles machen können. Wir haben keinen einzigen Subunternehmer. Alle Leute, die bei uns arbeiten, sind Festangestellte. Wir haben keine Halbjobs oder Leiharbeiter. Wir holen viele Leute aus Polen. Das sind sehr gute, spezialisierte Handwerker, die es hier momentan kaum gibt: vor allem bei der Altbausanierung – wenn man zum Beispiel Klinke hat, oder Stuckelemente. Sonst ist mir noch meine Familie wichtig: Meine Frau und meine beiden Söhne.  

Bernhard Pietrucha © Hannes Jung für ZEIT ONLINE

Was treibt Sie gerade um?

Letzte Woche war es der Kauf eines Elektroautos. Aber grundsätzlich beschäftigt mich, dass es unserer Firma und unseren Leuten besser geht. Das ist eigentlich meine Aufgabe als Geschäftsmann. Die ganzen kleinen und großen Aufgaben, ob es Elektroautos sind, oder Neuaufträge oder Abrechnungen. Wir haben gerade ein großes Bauvorhaben hier in Brandenburg, das sind 1.100 Arbeitsplätze. Das beschäftigt mich am meisten, ein 18-Monate-Bau und ein Volumen von zehn Millionen Euro.

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in Deutschland?

Ich bin sehr zufrieden. Meine Eltern waren Deutsche, deshalb konnte ich als Spätumsiedler nach Deutschland kommen. In Polen hatte ich keine Zukunft. Jetzt habe ich eigentlich alles: Erfolg, eine Familie, einen stabilen Staat. Auch als Geschäftsmann gibt es hier wenig Probleme. Gut, es gibt Sachen, über die man sich ärgert: VW zum Beispiel. Diese Ungerechtigkeit, dass da die Kunden verarscht werden. Wenn ich so bauen würde, dann müsste ich schließen. Ich bin alleine mit einer kleinen Firma, wenn ich irgendwann eine falsche Entscheidung treffe, etwas falsches kaufe, falsch investiere, werde ich sofort bestraft. Die Großen, die verarschen Millionen Leute und es wird nicht mal der Vorstand ausgetauscht. Auch der Lobbyismus: Wie kann es sein, dass die so viel Einfluss auf die Politik haben? Das sind Sachen in Deutschland, die mich noch ein bisschen stören, aber sonst bin ich hier sehr zufrieden. Ich glaube, es gibt wenig Plätze auf der Welt, an denen es noch besser ist. 

Ausrüstung © Hannes Jung für ZEIT ONLINE

Hat sich Deutschland Ihrer Meinung nach verändert und wenn ja, wie?

Deutschland wandelt sich eigentlich ständig. Aber ich finde, zum Positiven. Nach der Wende, als wir hierher gekommen sind, vom Westen, war es schon ein anderes Land. Die Leute waren verloren und brauchten Zeit, um sich zu finden. Aber die Leute und die Gegend öffnen sich immer mehr. Diese Grenze in den Köpfen verschwindet. Damals gab es viel Angst um die Zukunft. Jetzt haben die Leute verstanden, dass es besser gemeinsam geht und es kein Zurück geben wird. Das ist gut so. Auch Fremdenfeindlichkeit sehe ich in meinem Umfeld immer weniger. Wir haben hier keinerlei Spannungen zwischen den deutschen und polnischen Arbeitern. Wir haben uns auch beim Arbeitsamt gemeldet, dass wir gerne Flüchtlinge nehmen. Bis jetzt haben sie aber noch niemanden geschickt.