Nach den Unruhen im US-Bundesstaat Virginia ist den Behörden zufolge die Zahl der Toten auf drei gestiegen. Am frühen Nachmittag war während einer Kundgebung von Anhängern des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen in der Stadt Charlottesville ein Auto in eine Gruppe mit Gegendemonstranten gefahren. Dabei war eine 32-jährige Frau getötet worden. Ein 20-jähriger Mann aus dem US-Staat Ohio hatte laut Polizei am Steuer gesessen. Er wurde später festgenommen.

Auf Videos war zu sehen, wie ein silberfarbenes Auto mit hohem Tempo in eine Gruppe von scheinbaren Gegendemonstranten fuhr. "Menschen wurden über die Motorhaube und durch die Luft geschleudert", sagte ein Augenzeuge der New York Times. 19 Menschen wurden durch den Zusammenstoß mit dem Fahrzeug verletzt. Insgesamt gab es den Ermittlern zufolge 35 verletzte Patienten in den Krankenhäusern.

Zudem stürzte ein Polizeihubschrauber in der Nähe der Proteste ab, beide Insassen kamen ums Leben. Der Helikopter war für die Polizei im US-Staat Virginia im Einsatz, um während der Demonstrationen zu helfen und für Sicherheit zu sorgen. Bei den beiden Toten handele es sich um den Piloten und eine Einsatzkraft, sagte eine Polizeisprecherin. Der Grund des Absturzes ist bislang unklar.

Zuvor hatte es zwischen Rechtsextremen und Gegendemonstranten in der Kleinstadt gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben. Beide Seiten gingen mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los. Mitglieder beider Gruppierungen trugen Helme und Schutzanzüge, einige schwenkten Holzpfosten. Manche trugen Gewehre mit sich, Schüsse waren aber nicht zu hören. Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot.

Trump verurteilt nur den Hass, und erntet Kritik

Noch am Abend verurteilte Präsident Donald Trump die Ereignisse während einer Presseansprache in seinem Golfressort in New Jersey: Es handele sich um eine "unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten". Er forderte "eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und den Schutz von unschuldigen Leben".  

Kommentatoren in US-amerikanischen Medien äußerten scharfe Kritik an der nach ihrer Ansicht nach laschen Reaktion des Präsidenten: Der Präsident habe eine klare Schuldzuweisung an die rechtsextremen Demonstranten vermieden. Aus beiden Parteilagern äußerten sich Politiker, die offenbar denselben Eindruck hatten: "Mr. President – wir müssen das Böse beim Namen nennen. Das war inländischer Terrorismus", schrieb Cory Gardner, der republikanische Senator aus Colorado auf Twitter. 

Es sei "sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weißer Rassisten", twitterte der republikanische Senator Marco Rubio. Politische Gegner werfen dem Präsidenten seit Längerem vor, durch seine scharfe Rhetorik Rechtsextreme in den USA zu stärken und zum Handeln zu ermutigen. Einige der weißen Nationalisten trugen Trump-Schilder während der Demonstrationen und beriefen sich auf seinen Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen.

Der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, richtete eine Botschaft an die Rechtsextremisten. "Ihr seid hier nicht willkommen", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika."

Hunderte Rechte und Gegendemonstranten

Der Hintergrund der Krawalle war ein Protestaufruf weißer Extremisten, sich dagegen zu wehren, dass die Stadt Charlottesville eine Statue von General Robert E. Lee aus einem Park entfernen wollte. Laut CNN hatte die Stadt das im Februar beschlossen. Auch der Park selbst war demnach von Lee Park in Emancipation Park umbenannt worden. Ob die Statue entfernt wird, klärt derzeit die Justiz. Lee führte im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65) die Streitkräfte der Südstaaten von Amerika an, die sich von den USA abgespalten hatten.

Bei dem Aufmarsch handelte es sich vermutlich um die größte Gruppe von protestierenden Rechtsextremisten in diesem Jahrzehnt. Medienberichten zufolge war es bereits am Freitagabend zu ersten Zusammenstößen gekommen. Mehrere Hundert Rechtsextreme seien über den Campus der Universität von Virginia gezogen und hätten "white lives matter" ("Weiße Leben zählen") und antisemitische Parolen skandiert, berichtet die Washington Post. Ein Gegendemonstrant habe Reizgas versprüht und rund ein Dutzend Teilnehmer des Demonstrationszuges verletzt. 

Charlottesville gilt als progressive, überwiegend den Demokraten zugeneigte Stadt. Während der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr stimmten laut CNN rund 80 Prozent für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Die Pläne, nationalistische Symbole aus dem Stadtbild zu entfernen, führten in den vergangenen Monaten bereits mehrfach zu Protestaktionen, darunter von Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux-Klans