Bis zur Bundestagswahl finden Sie auf ZEIT ONLINE werktäglich eine Zahl des Tages. Sie zeigt einen Ausschnitt aus Deutschland und erzählt eine kleine Geschichte über die Verfasstheit des Landes, seine gesellschaftlichen und politischen Zustände.

Im ersten Halbjahr 2017 sind etwas weniger Menschen abgeschoben worden als im Jahr zuvor. Lag die Zahl im ersten Halbjahr 2016 noch bei 13.743, sank sie im selben Zeitraum dieses Jahres auf 12.545. Also ein Rückgang von neun Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor. Im Vergleich zu den Vorjahren bleibt die Zahl damit aber weiter hoch: Im gesamten Jahr 2016 wurden 25.375 Menschen abgeschoben. Das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor: 2014 gab es annähernd 11.000, 2015 fast 21.000 Abschiebungen.

Die Zahl der kurzfristig gescheiterten Abschiebungen stieg im ersten Halbjahr 2017 leicht. Im ersten Halbjahr wurden 186 Abschiebeversuche per Flugzeug abgebrochen, weil von Betroffenen Widerstand geleistet wurde. Im Vorjahreszeitraum waren es 121 gewesen. 61 Abschiebungen scheiterten, weil die Betroffenen krank waren. Das sind etwa doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. In 113 Fällen weigerten sich die Fluggesellschaften oder die Besatzung, die Abzuschiebenden zu transportieren.

Die Zahl der freiwilligen Ausreisen sank im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Nach Zahlen des Innenministeriums reisten von Januar bis Ende Juni 16.645 Menschen über das Bund-Länder-Förderprogramm REAG/GARP aus. Im ersten Halbjahr 2016 waren es noch 30.553 Menschen gewesen. Der Grund für den Rückgang könnte laut Experten sein, dass die Zahl der Asylbewerber im vergangenen Jahr noch besonders hoch gewesen sei – und damit auch die Zahl der Ablehnungen und freiwilligen Rückkehrer.

Von den etwa 226.500 Ausreisepflichtigen in Deutschland werden ungefähr 160.000 geduldet – etwa weil sie krank sind oder eine Ausbildung machen. Andere können aufgrund der Lage im Herkunftsland nicht abgeschoben werden. Nur etwa die Hälfte der Ausreisepflichtigen (110.300) sind abgelehnte Asylbewerber. Andere Menschen können etwa vorher ein gültiges Visum gehabt haben, was dann abgelaufen ist.