Wenn Ende September der neue Bundestag gewählt wird, dürfen 61,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Arme und Reiche, Junge und Alte, Rechte und Linke. Stadtmenschen, Landmenschen, Unternehmer, Angestellte, Studenten, Pastoren und Rentner. In unserer Serie Diese Wähler stellen wir einige von ihnen vor. Wir möchten wissen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Und vor allem: Was soll sich ändern in Deutschland? Bei uns sprechen die Wähler schon vor der Wahl. Heute: Berta Bauer, 66 Jahre alt, Rentnerin aus Unterflossing, einem Ort mit 112 Einwohnern in Oberbayern.

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin jetzt Rentnerin, aber helfe noch bei uns im Betrieb mit, einer Melk- und Kühltechnikfirma, soweit ich gebraucht werde. Ich passe auf die Enkel auf, und wenn Kunden kommen, schreibe ich einen Lieferschein, aber keine Rechnungen mehr. Und ich reise sehr gern. Ich war heuer in Italien, mit der CSU (lacht). Dann habe ich eine Deutschlandreise gemacht, und jetzt war ich in Polen, ganz spontan. Danzig, Wolfsschanze und Masuren und so. Einfach was sehen und lernen.

Was treibt Sie gerade um?

Ein bisschen, dass hoffentlich Frieden bleibt. Alle, die an der Macht sind – erschreckend. Trump ist so unberechenbar, und dann Erdoğan. Aber dann war ich jetzt in Polen und höre: Polen will alles, und alles zahlt die EU. Und dann muss ich mich einfach oft ärgern. 1994 habe ich schon um den Gehweg vor meinem Haus gekämpft, und jetzt kriegen wir ihn erst. Das ist aber auch eine kommunalpolitische Sache. Und in der ehemaligen DDR, die haben so schöne Plätze dort. Da bleiben wir direkt ein bisschen auf der Strecke, finde ich.

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in Deutschland?

Eigentlich bin ich wirklich zufrieden. Sehr zufrieden. Ich war vor zwei Jahren in Indien und fahre jetzt im Januar wieder hin, und da fahre ich heim und denke: Hab ich's gut!

Hat sich Deutschland Ihrer Meinung nach verändert und wenn Ja, wie?

Das kommt auf den Zeitraum an. Die größte Veränderung, die mir einfällt, ist die Wiedervereinigung. Ohne größere Komplikationen! Ohne, dass jemand beim Mauerfall gestorben ist! Das wundert mich heute noch. Und es freut mich auch. Ich freue mich wirklich, dass es denen aus der ehemaligen DDR jetzt auch gut geht. Ich habe einen Nachbarn von dort. Also ich hätte dort drüben nicht leben mögen. Ich gönne es ihm wirklich, dass er jetzt hier bei uns leben darf.