Wenn Ende September der neue Bundestag gewählt wird, dürfen 61,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Arme und Reiche, Junge und Alte, Rechte und Linke. Stadtmenschen, Landmenschen, Unternehmer, Angestellte, Studenten, Pastoren und Rentner. In unserer Serie Diese Wähler stellen wir einige von ihnen vor. Wir möchten wissen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Und vor allem: Was soll sich ändern in Deutschland? Bei uns sprechen sie schon vor der Wahl, das sind Diese Wähler. Heute: Leila Prousch, 37 Jahre alt, Mutter aus Münster

Wer sind Sie und was machen Sie?

Wer ist man schon? In erster Linie bin ich mittlerweile Mutter. Außerdem blogge ich. Ich sehe das aber immer noch als Hobby, weil ich hauptberuflich an der Uni arbeite und das auch erstmal so bleiben soll. Ich brauche diese Sicherheit.

Was treibt Sie gerade um?

Unser Leben als Familie: Kriegen wir das zusammen gestemmt? Wie läuft es im nächsten Jahr, wenn unser ältester Sohn eingeschult wird? Wie geht es im Moment dem Bildungssystem überhaupt? David, mein Mann, ist Lehrer, dadurch habe ich noch andere Einblicke und mache mir andere Gedanken. Mich beschäftigt auch, wie es meinen Freunden und Kollegen geht, die nicht die Sicherheit des öffentlichen Dienstes haben. Als Eltern wieder in den Beruf einsteigen oder vom Beruf wegbleiben ist immer eine finanzielle Frage. Das sind so Sachen, über die ich gerade nachdenke. Wie viele andere Familien auch.

© Ing­mar Björn Nol­ting für ZEIT ONLINE

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in Deutschland?

Grundsätzlich glaube ich, dass wir sehr zufrieden sein können. Ich sehe das im Vergleich zu meiner Cousine, die ihre Kinder in der USA großzieht. Die haben da ganz andere Herausforderungen. Das fängt schon bei der Krankenversicherung an: Wie finanzieren wir die? Können wir das überhaupt? Die Sicherheit, die wir hier haben ist natürlich viel höher. Trotzdem gibt es so einige Punkte, bei denen ich mir denke: Das darf heute eigentlich nicht mehr wahr sein. Es kann nicht sein, dass ich keine flexiblen Arbeitszeiten im Beruf wahrnehmen kann, weil die Kita nicht flexible Zeiten anbietet. Oder dass ich Angst haben muss, immer in Teilzeit stecken zu bleiben, wenn ich nicht sofort wieder Vollzeit anfange. Also da kann schon noch ein bisschen was passieren, bevor ich zufrieden bin. Das Bild von Familie ändert sich ja stark. Viele in unserem Bekanntenkreis haben drei oder vier Kinder. Als wir Kinder waren, waren schon zwei zu viel. Das ist ein krasser Unterschied.

Hat sich Deutschland Ihrer Meinung nach verändert und wenn ja, wie?

Ich glaube, dass Frauen immer selbständiger werden. Auch, weil es immer mehr Alleinerziehende gibt. Durch das Internet sehen viel mehr Leute, was es überhaupt für Lebenskonzepte gibt. Viele sagen jetzt: Ich mache es anders, weil es mir und meinem Partner und Kind besser passt. Man sieht viel mehr Möglichkeiten für sein eigenes Leben, das finde ich gut. Andererseits habe ich jetzt viel mehr Angst vor Rechten als vor 10 Jahren. Oder vor dem, was Menschen, die sich für liberal halten, glauben, auch mir gegenüber sagen zu dürfen. Vor 10 Jahren wäre vieles noch ganz schlimm gewesen und heute meint man, das wäre völlig okay. Das erschreckt mich total. Und es macht mir Angst.

© Ing­mar Björn Nol­ting für ZEIT ONLINE