Wenn Ende September der neue Bundestag gewählt wird, dürfen 61,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Arme und Reiche, Junge und Alte, Rechte und Linke. Stadtmenschen, Landmenschen, Unternehmer, Angestellte, Studenten, Pastoren und Rentner. In unserer Serie Diese Wähler stellen wir einige von ihnen vor. Wir möchten wissen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Und vor allem: Was soll sich ändern in Deutschland? Bei uns sprechen Diese Wähler vor der Wahl. Heute: Manja Henkel, 36, Floristin aus Dresden

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich heiße Manja Henkel, bin 36 Jahre alt und arbeite als Floristin. Ich habe in Dresden seit fast zehn Jahren einen eigenen Blumenladen.

Was treibt Sie gerade um?

Gerade renoviere ich meinen Laden, aber das geht gut voran. Viel schwieriger ist es, eine Angestellte für mein Geschäft zu finden. Das beschäftigt mich schon seit gut einem Jahr. Ich habe eine Mitarbeiterin, würde aber gern noch eine zweite einstellen, die Suche ist allerdings schwierig. Auf meine Ausschreibungen melden sich nur wenige Bewerber. Der Job scheint nicht mehr attraktiv zu sein. Vielleicht liegt es an den Arbeitszeiten im Handel. Ich habe auch sonntags, also sieben Tage in der Woche geöffnet. Die Bezahlung ist für mich eigentlich kein Argument mehr. Durch den Mindestlohn hat sich auch in unserem Beruf allerhand verbessert. Sicher finden einige die Löhne immer noch zu niedrig, aber ich kenne noch ganz andere Zeiten. Ich höre von vielen Kollegen und auch aus ganz anderen Branchen, dass überall Personal gesucht wird, aber Leute fehlen, auch geeignete. Bei einigen Kandidaten, die sich vorstellen, hat man wiederum das Gefühl, sie haben gar keine richtige Lust zu arbeiten. Und manche korrigieren noch nicht mal ihre Bewerbungsschreiben auf Rechtschreibfehler.

Blumen © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in Deutschland?

Sehr, es geht mir gut. Natürlich könnte immer alles noch perfekter sein, aber es kommt doch auf die eigene Einstellung an. Ich arbeite gern. In den ersten Jahren stand ich sieben Tage in der Woche selbst im Laden, inzwischen sind es sechs, den freien Tag brauche ich zur Erholung. Aber die Arbeit stört mich nicht, ohne Kinder und Familie ist das Pensum auch gut machbar. Ich habe einen schönen Laden, treffe nette Leute, für mich ist all das keine Belastung.

Dresden © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE

Hat sich Deutschland Ihrer Meinung nach verändert und wenn Ja, wie?

Die Leute sind gereizter. Vieles wird zu negativ gesehen. Das finde ich schade. Das geht bei Kleinigkeiten los: Sobald mal die Sonne scheint, fangen doch viele gleich an zu schimpfen, dass sie schwitzen. Ich finde, man muss sich viel mehr auf die schönen Dinge im Leben konzentrieren. Das klingt banal, aber es fängt doch damit an, dass man sich auch einfach mal freut, dass draußen gerade die Blumen blühen.

Was soll sich in Deutschland ändern?

Es könnten ein größerer Fokus auf Selbstständige, auf die Umstände ihrer Arbeit gelenkt werden. Das geht bei Krankenversicherungen los und hört auf bei Regelungen, wenn man eine Familie gründen will. Ich finde, wir werden bei vielen Dingen nicht so unterstützt wie Angestellte, da könnte mehr passieren. Und die Bürokratie in vielen Bereichen stört mich. Ich finde, Behörden sollten weniger umständlich kommunizieren, sie sollten unkomplizierter mit den Menschen umgehen.

Im Laden © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE

Was beeinflusst Ihre Wahlentscheidung?

Unter anderem, wie Politiker und Parteien sich zu Selbstständigen positionieren. Also Dinge, die mein eigenes Leben betreffen. Und mir ist wichtig, ob und wie Politiker sich sozial engagieren. Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Möglich, dass ich die gleiche Partei wie immer wähle, aber ich werde mich vor der Wahl noch intensiv informieren.

Was wünschen Sie sich für Ihr Leben?

Zufriedenheit und Gesundheit.

Eine Flamingoblume © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE