Wenn Ende September der neue Bundestag gewählt wird, dürfen 61,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Arme und Reiche, Junge und Alte, Rechte und Linke. Stadtmenschen, Landmenschen, Unternehmer, Angestellte, Studenten, Pastoren und Rentner. In unserer Serie Diese Wähler stellen wir einige von ihnen vor. Wir möchten wissen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Und vor allem: Was soll sich ändern in Deutschland? Bei uns sprechen die Wähler schon vor der Wahl. Heute: Thomas Scholz, Unternehmer aus Sachsen.

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich heiße Thomas Scholz, bin 38 Jahre alt und Inhaber eines mittelständischen Unternehmens für Metallerzeugnisse mit 25 Angestellten in Sachsen, in einem kleinen Ort in der Oberlausitz. Ich stamme aus der Region, habe hier auch Wirtschaftsingenieurwesen studiert, wollte danach aber erst mal weg. Ich habe in verschiedenen Städten gearbeitet, auch viel im Ausland, aber irgendwann hat es mich mit meiner Familie zurück in die Heimat gezogen. Den Metallbetrieb, den ich vor zwei Jahren übernommen habe, gibt es schon sehr lange. Der Chef suchte damals einen Nachfolger. Ich bin bei meiner Suche nach einem Job in der Oberlausitz darauf gestoßen und glücklich mit meiner Entscheidung.

Scholz arbeitete viel im Ausland – dann zog es ihn zurück in die Heimat © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE

Was treibt Sie gerade um?

Wie es mit dem Autostandort Deutschland weitergeht. Wie wird man sich gegenüber der Konkurrenz aus anderen Ländern, zum Beispiel aus China, positionieren? Ich komme aus der Branche und vermisse in Deutschland eine gewisse Dynamik, was Ideen und Entwicklungen angeht. Man probiert zu wenig aus, geht kaum neue Wege. Andererseits gibt es in der Autobranche viele Skandale, das Vertrauen ist zerstört, darum müssen sich die Verantwortlichen kümmern. Außerdem beschäftigt mich viele Fragen der inneren Sicherheit in Deutschland, zuletzt hinsichtlich der G20-Randale in Hamburg. Wie verhält man sich gegenüber Gruppen, die außerhalb des demokratischen Spektrums agieren, ob das nun Linke oder Rechte sind? Ich habe das Gefühl, dass es im Land insgesamt unruhiger geworden ist, viel häufiger eskaliert. Es fällt mir auch zunehmend schwer, mir aus all den Berichten, die zu solchen Themen kursieren, eine eigene Wahrheit zu bilden, zu unterscheiden, was nun stimmt und was nicht.

"Ich habe das Gefühl, dass es viel häufiger eskaliert" © Dominik Wolf für ZEIT ONLINE

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben in Deutschland?

Sehr zufrieden. Mir und meiner Familie geht es gut. Und unser Land steht doch im internationalen Vergleich gut da, es ist wohlhabend und friedlich. Wir leben auf einer Insel der Glückseligen.