Männer beziehen in Deutschland laut OECD fast doppelt so hohe Renten wie Frauen. In keinem anderen OECD-Land sei das Gefälle zwischen Rentnerinnen und Rentnern so hoch, teilte die Organisation bei der Vorstellung einer Studie zur Geschlechtergerechtigkeit mit. Demnach erhalten Männer ab 65 Jahren 45,7 Prozent mehr an Renten, Pensionen und privater Vorsorge als gleich alte Frauen.

Auch in den Niederlanden (42,04 Prozent) und Luxemburg (39,35 Prozent) waren die Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich. Anders sieht es dagegen in Estland aus: Frauen verdienten in dem baltischen Land zum Zeitpunkt der Erhebung 2014 nur gut drei Prozent weniger als Männer. Auch in der Slowakei war der Unterschied mit 7,2 Prozent relativ gering. Laut OECD spiegeln die Unterschiede vor allem Rollenverteilungen vergangener Jahrzehnte wider. So hätten Frauen älterer Generationen früher Kinder bekommen und kürzer gearbeitet. 

Der große Unterschied bei den deutschen Renten ist aber auch ein Resultat der ungleichen Einkommen von Männern und Frauen. Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Deutschland laut der Studie bei 17,1 Prozent. Für jeden Euro, den ein Mann in Deutschland verdient, bekommt eine Frau also nur knapp 83 Cent. 

Nach wie vor großer Einkommensunterschied in Deutschland

Dieser Wert liegt zwar deutlich unter den 21 Prozent, die das Statistische Bundesamt für Deutschland ermittelte. Im internationalen Vergleich ist das Lohngefälle zwischen Mann und Frau jedoch noch immer überdurchschnittlich groß. So lag der Einkommensunterschied in Belgien, Luxemburg und Costa Rica jeweils nur bei gut drei Prozent. Im Durchschnitt aller OECD-Staaten verdienen Frauen 14,3 Prozent weniger als Männer.

Die Autoren der Studie forderten, Gehälter und Löhne in Deutschland transparenter zu machen. Deutschland verschwende das Potenzial seiner Frauen mit geringer Bezahlung und schlechteren Jobs. So lag der weibliche Anteil der Hochschulabsolventen in Deutschland bei etwa 50 Prozent, ihr Anteil an Führungspositionen im Jahr 2016 hingegen bei nur 27 Prozent. 2013 waren es noch 21 Prozent gewesen.

Eine weitere Ursache für den großen Einkommensunterschied sieht die OECD nach wie vor in der Kinderbetreuung. Zwar gehöre Deutschland zu den nur zehn Ländern, die Väter bei der Inanspruchnahme von Elternzeit finanziell unterstützen. Die Rolle der Väter in der Kindesbetreuung müsse dennoch ausgebaut werden. So würden in Deutschland zwar 70 Prozent, und damit fast zehn Prozent mehr als im OECD-Schnitt, arbeiten. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) arbeitete aber nur in Teilzeit, viele davon Mütter. Das waren zwölf Prozent mehr als im Mittel aller OECD-Staaten.