Die Szene der sogenannten Reichsbürger ist deutlich größer als bislang bekannt. Eine Sprecherin des Bundesamts für Verfassungsschutz teilte mit, dass der Verfassungsschutz und seine Länderbehörden Ende September 15.000 Menschen dazu zählen. Unter den Reichsbürgern seien 900 Rechtsextremisten. Das hatte zuvor der Berliner Tagesspiegel berichtet. Etwa 1.000 Reichsbürger haben demnach eine Waffenbesitzkarte.

BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen sagte dem Tagesspiegel, die Verfassungsschützer würden diese Szene "immer stärker in den Blick nehmen". Deren Gefährlichkeit werde vor allem sichtbar, "wenn Reichsbürger glauben, sich mit Waffengewalt gegen legitime Einsätze von Polizei und Justiz stellen zu müssen".

Im März hatten die Verfassungsschützer noch von 12.800 Reichsbürgern gesprochen. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht 2016 wird ihre Zahl mit 10.000 angegeben. Die Behörden sprechen offiziell von "Reichsbürgern und Selbstverwaltern". Beide Gruppen erkennen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem nicht an. "Dabei berufen sie sich etwa auf ein historisches Deutsches Reich, auf verschwörungstheoretische Argumentationsmuster oder ein selbst definiertes Naturrecht", heißt es im Verfassungsschutzbericht. Selbstverwalter sind Reichsbürger, die ihr eigenes Grundstück als Staat bezeichnen und den Behörden den Zutritt verweigern.

Als Gemeinsamkeit der ansonsten heterogenen Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter bezeichnen die Verfassungsschützer "die fundamentale Ablehnung des Staats, seiner Repräsentanten sowie der gesamten Rechtsordnung".

Bereits in den vergangenen Jahren registrierten die Behörden eine deutliche Zunahme der Aktivitäten von Reichsbürgern. Laut Verfassungsschutzbericht behindern sie "zunehmend Gerichte, Polizei und Behörden in ihrer Arbeit und bedrohen deren Mitarbeiter". "In Einzelfällen kommt es zu gewalttätigen Übergriffen."

Im Oktober 2016 hatte ein Reichsbürger in Bayern einen Polizisten erschossen. Seitdem rückte die Gruppierung verstärkt ins Visier der Sicherheitsbehörden. Ende August startete der Prozess gegen den Täter. Anfang Oktober begann außerdem ein Prozess gegen einen Reichsbürger, der in Sachsen-Anhalt auf Polizisten geschossen haben soll, als sein Haus zwangsgeräumt wurde.