Ostdeutsche sind inzwischen fast so glücklich wie Westdeutsche. Laut dem Glücksatlas der Deutschen Post sind die Bewohner der neuen Bundesländer in diesem Jahr etwas glücklicher als im Vorjahr, während die Werte in den alten Ländern leicht sanken. Am zufriedensten mit ihrem Leben sind nach wie vor die Menschen in Schleswig-Holstein. Schlusslicht im Regionenvergleich ist Sachsen-Anhalt.

"Die Lebensverhältnisse haben sich noch nicht angeglichen, aber es ist viel passiert", sagte der Mitautor der Studie und Ökonom an der Universität Freiburg, Bernd Raffelhüschen. Das spüre die Bevölkerung. "Das Bild vom Frustpotenzial im Osten, das nach der Bundestagswahl gemalt wurde, scheint so nicht zu stimmen."

Insgesamt erreicht die Lebenszufriedenheit der Bundesbürger auf einer Skala von null bis zehn einen Wert von 7,07 Punkten, was in etwa auf dem Vorjahresniveau liegt. Die weiterhin starke Konjunktur und die geringe Arbeitslosigkeit dürften dafür maßgeblich verantwortlich sein. Die Westdeutschen sind im Vergleich zum Vorjahr allerdings etwas weniger glücklich: Ihr Wert auf der Glücksskala sank um 0,05 auf 7,11 Punkte. Die Ostdeutschen verbesserten sich geringfügig um 0,01 auf 6,89 Punkte. Damit verringerte sich der Glücksabstand zwischen West und Ost auf 0,22 Punkte.

Zugleich ist der Abstand zwischen der glücklichsten und unglücklichsten Region mit 0,6 Punkten insgesamt so gering wie noch nie – 2011 lag er noch bei 0,93 Punkten. Unter 19 Regionen landet Schleswig-Holstein mit einem Wert von 7,43 auf der Glücksskala zum fünften Mal in Folge ganz vorn, gefolgt von Hamburg und Baden. Auf dem letzten Platz liegt Sachsen-Anhalt mit 6,83 Punkten. Das bisherige Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern hat hingegen den größten Zuwachs an Lebenszufriedenheit und verbessert sich um zwei Plätze. Die glücklichsten Menschen im Osten sind die Thüringer.

Einsatz für Umwelt und Soziales machen glücklich

Die Daten stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) sowie vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD). Zudem befragte das Marktforschungsinstitut Kantar Emnid im Frühsommer rund tausend Bundesbürger danach, wie sich ein nachhaltiger Lebensstil auf die persönliche Lebenszufriedenheit auswirkt. Die Menschen sind demnach umso zufriedener, je mehr sie sich für soziale oder ökologische Belange engagieren. Knapp drei Viertel haben das Gefühl, ihr persönliches Engagement bereichere ihr eigenes Leben. Während 68 Prozent ein persönliches Engagement für wichtig halten, setzen sich allerdings nur 23 Prozent tatsächlich aktiv für soziale oder ökologische Maßnahmen ein.

Auch die Bereitschaft, deutlich mehr Geld für umweltschonende Produkte und Dienstleistungen zu zahlen, bleibt eher gering. Am größten ist diese Bereitschaft noch bei nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Etwa jeder vierte Befragte (24 Prozent) würde sie auch dann kaufen, wenn sie einiges mehr kosten. Nur 14 Prozent würden für recycelbare Produkte einen höheren Preis zahlen. Bei einer besonders umweltschonenden Urlaubsreise sind dazu nur elf Prozent bereit. Lediglich zwölf Prozent würden für ein erheblich schadstoffärmeres Auto deutlich tiefer in die Tasche greifen, bei einem Fahrzeug mit Elektroantrieb wären es sogar nur sieben Prozent.

Harte staatliche Restriktionen in der Umweltpolitik lehnen die Befragten mehrheitlich ab. Nur etwa ein Drittel (34 Prozent) würde der Sperrung der Stadtzentren für den Lieferverkehr von Nicht-Elektrofahrzeugen zustimmen und lediglich 30 Prozent höheren Parkgebühren, um die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu fördern.