In der Nähe einer ehemaligen US-Militärbasis bei Hawidscha im Nordirak sind mehrere Massengräber mit Hunderten von Leichen entdeckt worden. Die Getöteten sind mutmaßliche Opfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Der Stützpunkt al-Bakara nahe der Stadt al-Hawidscha sei vom IS als Hinrichtungsstätte genutzt worden, sagte Rakan Said, der Gouverneur der Region Kirkuk irakischen Medienberichten zufolge. Die Terrormiliz hätte dort nicht weniger als 400 Menschen exekutiert. Einige der Toten hätten Häftlingskleidung getragen. Rakan Said forderte die irakische Regierung und die Vereinten Nationen auf, die Massengräber zu untersuchen und die Opfer zu identifizieren.

Irakische Truppen hatten die Terrormiliz "Islamischer Staat" Anfang Oktober aus al-Hawidscha 240 Kilometer nördlich von Bagdad vertrieben. Bereits im Zuge dieser Offensive entdeckten die irakischen Soldaten dort Massengräber mit Hunderten Leichen. In den ehemaligen Gebieten des IS gibt es eine ganze Reihe solcher Massengräber. Die Nachrichtenagentur AP konnte im vergangenen Sommer 72 dokumentieren. Während die Islamisten die Region kontrollierten, waren die Gräber jedoch nicht zugänglich.

Al-Hawidscha gehörte zu den letzten größeren Städten, die im Irak noch unter Kontrolle der Dschihadisten standen. Inzwischen kontrolliert der IS überwiegend nur noch Gebiete im Westen des Iraks, an der Grenze zu Syrien. Auf der anderen Seite der Grenze, im Osten Syriens, hatte der IS erst am Samstag die Stadt Abu Kamal zurückerobert. Die Grenzstadt ist strategisch wichtig, da sie die IS-Gebiete in Syrien und im Irak miteinander verbindet.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein "Kalifat" in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen, nachdem sie in einer Blitzoffensive die irakische Armee und die kurdischen Truppen bis vor Erbil und Bagdad zurückgedrängt hatte. Seit 2015 sind die Dschihadisten auf dem Rückzug.