Papst Franziskus hat die Übersetzung einer Bitte im Vaterunser in mehreren Sprachen kritisiert. Die Bitte, die im Deutschen "Und führe uns nicht in Versuchung" lautet, sei "keine gute Übersetzung", sagte das katholische Kirchenoberhaupt dem italienischen Sender TV2000. Die Übersetzung "Lass mich nicht in Versuchung geraten" träfe es besser. In Frankreich hatten die Bischöfe beschlossen, die offizielle Übersetzung des Vaterunser zum ersten Adventssonntag dementsprechend zu ändern.

Es sei nicht Gott, sondern Satan, der den Menschen in Versuchung führe, sagte Franziskus. Daher sei die neue Übersetzung treffender. Ein Vater mache so etwas nicht, sondern helfe, wieder aufzustehen. Die Bitte ist sowohl im Lukas- als auch im Matthäus-Evangelium überliefert. Schon im 20. Jahrhundert hatten Theologen wie Joachim Gnilka vorgeschlagen, die Bitte neu zu übersetzen.

In den reformierten Kirchen in der Schweiz stieß der Vorschlag auf positive Resonanz. Sowohl Kantonalkirchen wie die evangelisch-reformierte Kirche im Kanton Waadt (EERV) als auch die theologische Kommission der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) sprachen sich für die Neuübersetzung aus. Sie könnte zu Ostern 2018 eingeführt werden, wenn die zuständigen Gremien dem Vorschlag zustimmen.

Auch in Deutschland hatten Theologen nach der französischen Initiative gefordert, die Übersetzung anzupassen. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte dagegen vor einer "Verfälschung der Worte Jesu". Die Vaterunser-Bitte sei genau so bei den Evangelisten Matthäus und Lukas überliefert. Es gehe nicht an, Jesus diesbezüglich zu korrigieren, sagte Voderholzer. Man müsste diese Worte aber so erklären, "dass das Gottesbild nicht verdunkelt wird".

Auch der Bochumer Theologe Thomas Söding sprach sich gegen eine Änderung aus. Die bisherige Formulierung sei wörtlich aus dem griechischen Originaltext übersetzt. "Wer mit den Worten Jesu beten will, hält sich am besten ans Neue Testament", sagte Söding im Interview des Onlineportals kirche-und-leben.de. Die Neuübersetzung sei "gut gemeint, aber nicht gut".