Von "Kriegsstürmen" sprach Papst Franziskus in seiner Weihnachtsbotschaft auf dem Petersplatz in Rom. Zudem warnte er vor einem möglichen "Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt". Er forderte deshalb die Menschen zu mehr Mitgefühl auf. Sie müssten sich dafür einsetzen, "unsere Welt menschlicher und würdiger für die Kinder von heute und morgen zu gestalten". Insbesondere rief der Papst an diesem ersten Weihnachtsfeiertag zum Frieden für Jerusalem, Syrien, Irak, Jemen sowie Korea, Venezuela und Afrika auf. Anschließend sprach er vor etwa 50.000 Gläubigen von der Loggia des Petersdoms den traditionellen Urbi-et-orbi-Segen.

In seinem Gebet warnte Franziskus vor einer weiteren Zuspitzung des Konflikts um Jerusalem zwischen Israel und den Palästinensern. "Wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wieder aufzunehmen, und dass man endlich zu einer Verhandlungslösung gelange, die innerhalb von miteinander vereinbarten und international anerkannten Grenzen eine friedliche Koexistenz zweier Staaten ermöglicht", sagte der Argentinier.

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Dezember Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Der Schritt löste internationale Kritik aus und führte zu weiteren Unruhen. Die UN-Vollversammlung stimmte in einer nicht bindenden Resolution mit großer Mehrheit gegen eine solche Anerkennung. Franziskus hob die Bemühungen derer hervor, "die in der internationalen Gemeinschaft den guten Willen haben, jenem geplagten Land beizustehen, dass es trotz der schwerwiegenden Hindernisse zur langersehnten Eintracht, Gerechtigkeit und Sicherheit finde".

Franziskus ging zudem auf das Leid der Kinder ein und rief dazu auf, Flüchtlingskinder willkommen zu heißen. "Wir erblicken Jesus in den vielen Kindern, die gezwungen sind, ihre Länder zu verlassen, alleine unter unmenschlichen Bedingungen zu reisen, und so zur einfachen Beute der Menschenhändler werden", sagte er. In ihren Augen sei das Drama vieler Menschen zu sehen, die ihr Leben riskierten, um kräftezehrende Reisen auf sich zu nehmen, die zum Teil in Tragödien endeten. "Unser Herz möge nicht verschlossen sein, wie es die Häuser von Betlehem waren", sagte der Papst.

Schon bei der Christmette an Heiligabend hatte Franziskus zu mehr Mitgefühl für Flüchtlinge aufgerufen. Dabei nahm er die Weihnachtsgeschichte als Bild für die heutige Zeit: Auch Maria und Josef hätten bei ihrer Ankunft in Betlehem die Erfahrung machen müssen, dass "sie dort niemand erwartete, dass dort kein Platz für sie war". Franziskus setzt sich seit Beginn seiner Amtszeit besonders für Flüchtlinge und Ausgegrenzte ein.

"Wir sehen die Spuren von Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden", fuhr der Papst fort. Viele machten sich auf den Weg, nur um zu überleben – "die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen". Weihnachten sei die Zeit, "die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln, in eine Kraft für eine neue Auffassung von Nächstenliebe".