Am Morgen vor rund einem Jahr kurz vor neun Uhr haben wir Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, zum ersten Mal eine einfache Frage gestellt: "Wie geht es Ihnen?" Die Frage steht seither in einer kleinen Box auf der Startseite von ZEIT ONLINE. Mehr als eineinhalb Millionen Mal haben Sie auf "gut" oder "schlecht" geklickt und uns danach Hunderttausende Male ein Adjektiv hinterlassen, das Ihre Stimmung präzisiert. 

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Zum Jahrestag haben wir die Umfragebox etwas überarbeitet: Schon auf der Startseite können Sie nun sehen, wie es den anderen geht. Außerdem starten wir heute das Lexikon der Emotionen. Dort können Sie für jedes Wort nachschauen, wie oft und wann es von anderen Lesern verwendet wurde. Die Ergebnisse von "Wie geht es Ihnen?" faszinieren uns auch ein Jahr später noch. Hier sind ein paar unserer Einsichten.

1. Sie sind oft müde, manchmal auch "schwitzig". Und das ist offenbar gar nicht so schlecht.

Wer müde ist und sich schwitzig fühlt, dem geht es nicht gut. Dachten wir. Doch Ihre Gefühlswelt ist offenbar komplexer. Wörter wie schwitzig oder frühjahrsmüde verwenden Sie, wenn es Ihnen nach eigenem Bekunden schlecht geht. Aber eben auch, wenn es Ihnen gut geht. Bei vielen Gemütszuständen ist das so: Sie werden von Ihnen sowohl als gut als auch schlecht empfunden. Wenn Sie sich ungeduldig, sehnsüchtig oder heiß fühlen, geht es Ihnen meistens schlecht, aber auch hin und wieder gut. Wenn Sie hingegen verheiratet sind, dann geht es Ihnen überwiegend gut – aber nicht immer. Manchmal macht die Ehe ihnen offenbar auch schlechte Laune.

2. Ihre Stimmung ist erstaunlich konstant. Nichts kann Sie aus der Ruhe bringen – außer vielleicht eine Bundestagswahl.

Als wir unser kleines Stimmungsmessgerät gestartet haben, fragten wir uns: Wie würden Sie auf Ereignisse wie einen Terroranschlag reagieren, auf Gewalt am Rande des G20-Gipfels, auf Wahlprognosen und Wahlergebnisse? Heute wissen wir: Das alles bringt Sie nicht aus der Ruhe. Seit einem Jahr geht es Ihnen im Durchschnitt eines Tages zu 65 bis 70 Prozent gut – egal ob in Frankreich ein neuer Präsident gewählt wird oder in Hamburg die Barrikaden brennen. Ihre Stimmung scheint einfach sehr konstant zu sein. Die einzige Ausnahme: Die Nacht der Bundestagswahl. Da ging es Ihnen plötzlich sehr, sehr schlecht. Wenngleich auch nur für ein paar Stunden.

3. Sie sind erfinderisch, wenn es darum geht, Ihre Stimmung zu beschreiben.

Eine Stimmung in einem Wort auszudrücken, ist gar nicht so einfach. Für viele von Ihnen ist es offenbar ein großer Spaß. Rund 60 Prozent der 16.000 Wörter, die Sie im Verlauf des Jahres eingegeben haben, waren uns bis dahin völlig unbekannt. Ist Ihnen heiß, fühlen Sie sich hitzetrunken, im Winter geht es Ihnen schneewohlig, sind Sie müde, sind Sie augenberingt. Manchmal sind Sie aber auch einfach nur sowasvonentspannt, dieselgenervt oder nochvoll. Nett fanden wir auch saunarrisch und: baumausreißfähig. Andere brauchten nur drei Buchstaben, um zu sagen, wie es ihnen geht: Alt, süß, fit, lau und hip. Und wie sich wohl raschelig und soßig anfühlen? Ganz gut, wenn man Ihnen glauben darf.  

4. Feiertage machen Sie glücklich.

Ostern und Weihnachten können schlechte Laune machen – Ihnen aber nicht. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren 35 Prozent der eingegebenen Wörter negativ, an Feiertagen aber, zu Pfingsten, Weihnachten, Ostern, waren nur rund 30 Prozent mit schlechter Laune verbunden. Offensichtlich genießen Sie die Feiertage – was sich auch an den Adjektiven ablesen lässt, die Sie während dieser Tage eingegeben haben.

Ostern 2017

österlich erkrankt satt besorgt erholt

Pfingsten 2017

allgemeinzufrieden frei ausgeruht relaxed erholt

Weihnachten 2017

weihnachtlich vollgefressen satt gemütlich einsam

5. Ihre dunkelste Stunde war am Abend der Bundestagswahl, kurz bevor das Wahlergebnis feststand.

Der 24. September 2017 war nicht nur der Tag, an dem mit der AfD erstmals seit der Nachkriegszeit wieder Rechtspopulisten in den Bundestag gewählt wurden. Es war auch der Tag, an dem es Ihnen so schlecht ging wie nie. Um 17 Uhr, kurz vor der Schließung der Wahllokale, sank die Stimmung auf einen nie mehr erreichten Tiefpunkt. In dieser Stunde ging es 86 Prozent der Leser schlecht.

6. Und wann geht es Ihnen besonders gut? Offenbar im Frühjahr – und auch die Ehe für alle machte Sie heiter.

Am Morgen des 1. Oktober trat die Ehe für alle in Kraft. Und für einen kurzen Moment, um fünf Uhr morgens, war auch die glücklichste Stunde seit Messbeginn von "Wie geht es Ihnen?". Fast allen Leserinnen und Lesern ging es in diesem Moment gut, und in der Wortliste dominierten Stimmungen wie zufrieden und allgemeinzufrieden. Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?

Der glücklichste Tag des vergangenen Jahres war der 28. März 2017, ein Dienstag mit eher schlechten Nachrichten: Der Zyklon Debbie fegte über Australien hinweg, und Trump machte einen Teil von Obamas Klimaschutzplänen zunichte. Dennoch ging es 76 Prozent von Ihnen gut. Bad news bringen Sie eben nicht aus der Fassung.  

7. In der Nacht geht es Ihnen nicht so gut. Und zwar eigentlich in jeder.

Schon in der ersten Nacht von "Wie geht es Ihnen?" fiel es uns auf: Nachts, zwischen null und vier Uhr, sinkt Ihre Stimmung rapide. In der Redaktion nennen wir das Phänomen seither den "Nachthügel" und erklären es uns so: Nachts steigt offenbar der Anteil derer, die nicht schlafen können, die Nachtschichten fahren oder die von Sorgen geplagt werden.

8. Am Wochenende fühlen Sie sich besonders einsam.

9. Ihre Stimmung schwankt über die Wochentage.

Wenn es etwas gibt, das Ihre Stimmung schwanken lässt, dann ist es der Wochentag. Meistens ist es so: Am Wochenende steigt Ihre Stimmung, während Sie am Montag abfällt. Vor allem aber ändern sich die Wörter, die Sie an den jeweiligen Tagen eingeben. (Hier sind die fünf typischsten Wörter für alle Wochentage; das typischste ganz links.)

Montag

enttäuscht schlapp motiviert erholt müde

Dienstag

sonnig schlapp gestresst gesund genervt

Mittwoch

gestresst motiviert müde genervt gelassen

Donnerstag

vorfreudig erschöpft erleichtert aufgeregt motiviert

Freitag

vorfreudig freudig erleichtert aufgeregt fröhlich

Samstag

verkatert ausgeschlafen ausgeruht entspannt einsam

Sonntag

verkatert erholt enttäuscht ausgeruht einsam