Vater joggt mit Kind. Wie kriegen Männer alles unter einen Hut: fürsorglicher Vater und Versorger sein sowie die eigene Selbstverwirklichung? © Nadine Rupp/Bongarts/Getty Images

Wieso war Niko nicht bereit, Vater zu werden? "Ich glaube, ich hatte am meisten Angst als Vater nicht zu genügen." Der 30-jährige Unternehmer hat sich gerade von seiner vier Jahre älteren Partnerin getrennt. Ihr Kinderwunsch setzte ihn unter Druck; er wollte seine Freiheit.
Denn Vaterwerden ist für den modernen Mann mehr als die Zeugung eines Kindes. Männer von heute wissen, dass sie anderen Ansprüchen gerecht werden müssen, als ihre Väter, die meist nur als Versorger fungierten.

Die Krux zwischen alten Männlichkeitsnormen und neuen Ansprüchen erforscht derzeit ein Schweizer Forscherteam am Zentrum Gender Studies der Universität Basel . Die Wissenschaftler um Andrea Maihofer haben 60 männliche Akademiker befragt: Wieso bekommen manche Männer Kinder und andere nicht?

Das Ergebnis der dreijährigen Studie: Viele Männer wissen nicht, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen sollen. "Die Festlegung auf eine Familie ist für viele unserer Befragten ein Thema, das mit Ängsten und Ambivalenzen verbunden ist." Heute muss ein Mann gleichzeitig als Vater präsent und aktiv, aber auch noch Versorger und liebevoller Ehemann sein. Für diesen neuen Mann fand man in Basel eine Umschreibung: Der "emotional involvierte, präsente Ernährer-Vater".

Dieser Anspruch steht im Widerspruch mit dem freien und unabhängigen Leben, das vor der Familienplanung als Ideal galt. Der 33-jährige IT-Experte Jendrick sagt: "Individualisierung und Verwirklichungsdrang haben bei mir jahrelang den persönlichen Takt vorgegeben. Man bekommt beides täglich massiv von außen eingetrichtert durch Politik, Werbung, Bildung. Als Vater würde ich meine Bedürfnisse stark zurückstellen." Seit drei Jahren diskutieren er und Freundin Ida, 35 Jahre, das Kinderthema. Ihre biologische Uhr tickt, seine "soziale Uhr" ist noch nicht bereit. Aber was viele Männer nicht ahnen: Wer bis zum 45. Lebensjahr kein Vater ist, wird meist auch keiner mehr.

Das hat der Bevölkerungsexperte Christian Schmitt von der Universität Rostock herausgefunden. Er sagt außerdem, dass viele Männer ökonomisch einschneidende Veränderungen befürchteten: "In Deutschland sorgt das Geschlechtergefälle beim Einkommen und die Betreuungssituation für Kinder dafür, dass die Rollenverteilung in den Köpfen zementiert ist", erklärt Schmitt.