Schreibübungen im Sand. So wird Vorfreude auf die Schule praktisch

Auf meine Weise?

Die Kleine zeigte stolz vier Finger, wenn jemand fragte: "Wie alt bist du denn?“ Energisch und ausdauernd versuchte sie sich in allem, was sie Größere tun sah. Die Treppe fegen, sorgsam mit Handfeger und Kehrblech auf dem Weg von der untersten zur obersten Stufe! Dass dabei manch Krümel im Schwung das Kehrblech verfehlte, merkte sie nicht. Die Mutter wollte zeigen, wie man die Treppe richtig fegt: "Von oben nach unten! So fällt kein Schmutz auf eine saubere Stufe.“ "Nein! Ich will es auf meine Weise tun!“ Und die Kleine fegte weiter von unten nach oben.

"Typisch!“, dachte die Mutter. "Unbelehrbar! Viel Spaß in der Schule!“

Dreißig Jahre später fragt die Mutter die Tochter: "Erinnerst du dich an unsere Kellertreppe damals?“ "Die war sehr steil!“, ist die rasche Antwort. Plötzlich dreht sich die alte Geschichte und bekommt eine neue Lesart: Die Treppe war wirklich sehr steil, dazu hart und scharfkantig. Und die Kleine war einmal als Krabbelkind da hinunter gepurzelt. Sie wollte mit gutem Grund nicht rückwärts hinab gehen, nur vorwärts hinauf. Ihre eigene Weise, die Treppe zu fegen, war die einzig vernünftige.

Sie konnte das aber nicht erklären. Und die Mutter war befangen in ihrem Wissen, wie die Treppe richtig zu fegen sei. Die steile Treppe gebückt fegend rückwärts hinunter zu gehen, war für sie so einfach geworden, dass ihr nicht mehr gegenwärtig war, was alles gelernt haben muss, bis man so etwas kann.

"Typisch!“, dachte sie jetzt. " Dabei hab ich Lehrern damals schon gepredigt: " Wenn ein Kind nicht tut, was du erwartest, könnte es gute Gründe für seinen Eigenwillen haben.”

Lernen unter Schulbedingungen

Wenn Kinder in die Schule kommen, wird das Lernen zur Pflicht. Man soll etwas Bestimmtes zu einer festgesetzten Zeit lernen und es auf eine Weise tun, die den eigenen Wünschen und Gewohnheiten und auch der eigenen Vernunft nicht immer entspricht. Lehrer sollten gute Gründe für das haben, was sie von den Kindern fordern. Sie sollten sich aber auch fragen, welche guten Gründe die Kinder haben, die sich ihren Forderungen nicht leicht fügen wollen. Alle Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse der vielen verschiedenen Kinder dann ins Gleichgewicht zu bringen, ist aber nicht einfach. Eltern, die das verstehen und wissen, dass Lehrer keine Dienstleister sind, können ihrem Kind helfen, wenn sie ihm seinen Platz im Miteinander verständlich machen, von klein auf.

Lehrer wiederum sollten wissen, was man alles lernen muss, bis man zum Beispiel mühelos lesen und schreiben kann und das so selbstverständlich tut, wie man auch spricht. Wenn man es kann, ist das kaum noch zu erkennen. Auf dem Weg vom ersten Buchstaben zum geläufigen Lesen rücken unendlich viele Einzelleistungen so weit in den Hintergrund des Bewusstseins, dass man schließlich nichts mehr von ihnen spürt und vergisst, was man alles bewusst und gezielt erfassen musste. Wie können Lehrer und Eltern Lese- und Schreib-Neulinge trotzdem unterstützen? Für Mütter und Väter gilt auf jeden Fall: Begleite dein Kind in interessierten Gesprächen, sobald es die Buchstaben entdeckt, die du längst zu kennen meinst! Freu dich an seinem dir fremdgewordenen Blick auf diese 57 geheimnisvollen Zeichen! Auch schon vor seiner Schulzeit.

In der Schule ist man sich zurzeit nicht einig, was Kinder unter Anleitung lernen sollten und was sie sich auf ihre je eigene Weise aneignen können. Und für Eltern ist schwer zu erkennen, was die Schule ihren Kindern abverlangen wird. Darum können sie ihr Kind auch nicht unbedingt auf einen Lernweg bringen, der in der Schule dann zuverlässig fortgesetzt wird. Das macht Eltern Sorgen, vielleicht sogar Angst. Sie möchten wissen, was sie vor der Schule auf jeden Fall tun müssen, um ihr Kind so auf das Lernen in der Schule vorzubereiten, dass sie es eines Tages morgens zuversichtlich ziehen lassen und ein paar Stunden später unbesorgt heimkehren sehen, erschöpft zwar, manchmal auch frustriert, aber nicht verängstigt und unglücklich.