Gottesdienste und religiöse Feste erlauben Kindern auch, selbst aktiv zu werden. Hier beim ökumenischen Gottesdienst vor den Oberammergauer Passionsspielen © Thomas Niedermueller/Getty Images

Ob und welche religiöse Erziehung Kinder jenseits der Schule erhalten sollen, beantwortet sich zuallererst aus dem religiösen Selbstverständnis der Familie sowie aus den Anforderungen und Erwartungen des sozialen Milieus, in dem Eltern und Kinder ihren Alltag verbringen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich Eltern die Frage, ob sie ihre Kinder in einer zu religiösen Fragen bewusst zustimmenden oder ablehnenden Haltung erziehen wollen, oder ob sie wünschen, dass ihre Kinder zumindest mit den religiösen Bräuchen und Glaubensannahmen des jeweiligen Milieus vertraut werden, um nicht von den Erfahrungen anderer Kinder abzuweichen und als Außenseiter zu gelten.

Stärker als eine allgemeine Werterziehung basiert religiöse Erziehung schließlich auf mit den Erzählungen verbundenen häuslichen sowie gottesdienstlichen Ritualen und Symbolen. Außerdem entwickeln Kinder und Heranwachsende ein eigenes religiöses Bewusstsein, also eine – wie die einschlägige Entwicklungspsychologie das nennt – entwicklungsfähige Haltung zu einem "Absoluten", das sich jedenfalls kleinen Kindern zunächst als eine transzendente, übermächtige Person, eben als der "liebe Gott" darstellt.