Es ist eine zentrale Forderung der Frauenbewegung. Frauen sollen arbeiten, Karriere machen, Beruf und Familie vereinbaren. Der Mann soll Abstand nehmen vom Alleinernährermodell. Das Forschungsprojekt "Familienernährerinnen" vom DGB , unterstützt vom Bundesfamilienministerium, hat nun herausgefunden, dass diese Forderungen längst Realität werden. Aber zwar ganz anders als bislang angenommen.

1991 wurden 15 Prozent aller Mehrpersonenhaushalte allein von Frauen finanziert, heute sind es schon 21 Prozent.  Unter diesen 21 Prozent sind aber nur wenige Akademikerinnen, die Karriere machen möchten und mit ihrem Partner abgesprochen haben, dass er sich demzufolge mehr um die Familie kümmert. Nur in einem Viertel der Fälle haben die Alleinernährerinnen eine hohe Berufsqualifikation und eine "hoher Erwerbsneigung", wie es im Soziologendeutsch heißt.

75 Prozent der Alleinernährerinnen haben diese Rolle unfreiwillig übernommen. Gut, wiederum ein Viertel dieser Unfreiwilligen findet es nach einer kleinen Eingewöhnungszeit in Ordnung, sie bekommen die Chance, sich beruflich weiterzuentwickeln. Und auch ihre Partner sind offen für die neue Herausforderung, die Familienarbeit stemmen zu müssen.

Rund 50 Prozent der unfreiwilligen Alleinernährerinnen aber sind unglücklich mit der neuen Rolle. Kein Wunder, denn die meisten dieser Frauen arbeiten im Niedriglohnsektor und müssen mit dem kleinen Gehalt eine ganze Familie ernähren.

Die betroffenen Frauen sind entweder nicht besonders gut qualifiziert oder schon so lange aus besser qualifizierten Berufen heraus, dass sie im Niedriglohnsektor untergekommen sind. Häufig waren sie vor der Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit ihres Mannes die klassischen Zuverdienerinnen. Genauso häufig arbeiten sie als Alleinernährerinnen weiter in Teilzeit, und müssen folglich mit noch weniger Geld die Familie ernähren.

Ute Klammer, Professorin für Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen sagt: "Wir hatten im Vorfeld unserer Befragungen überlegt, ob sich das traditionelle Alleinernährermodell umkehrt, also Männer die Hausmänner werden und Frauen das ganze Geld verdienen. Das ist aber in nur ganz seltenen Fällen so."

Im Gegenteil bleibt die Familien- und Hausarbeit überwiegend an den Frauen hängen und führt sie an ihre Belastungsgrenzen. Svenja Pfahl vom Institut für Sozialwissenschaftlichem Transfer in Berlin nennt einige Beispiele aus den qualitativen Interviews, die sie mit Alleinernährerinnen geführt hat. Da ist die Frau, die kaum noch die Kraft hat, sich um ihre Kinder zu kümmern, abends die Hausaufgaben zu kontrollieren zum Beispiel. Eine Mutter sagte im Interview sogar, sie würde ihr Kind auf die Realschule schicken und nicht auf das Gymnasium, da dort der Betreuungsaufwand geringer wäre.