Sorgerechtsentscheidung Väter müssen sich kümmern dürfen

Der Patriarch und Ernährer hat sich überlebt, Väter müssen ihre Rolle heute neu finden. Das Karlsruher Urteil gibt ihnen dazu Gelegenheit. Ein Kommentar von Tissy Bruns

Jedes Kind weiß von kleinauf, dass Mama und Papa verschieden sind und will und braucht und liebt die feinen Unterschiede zwischen seinen Eltern. Die Erwachsenenwelt dagegen ist ziemlich verunsichert über die Normen und Leitbilder der Elternschaft. Mütter, ob Hausfrauen, berufstätig oder allein erziehend, sind im Trennungs- und Konfliktfall eben "die Mutter" und bekommen meistens Recht. Unsere Vorstellung davon, was mütterlich ist und Mutterschaft sein sollte, sind viel eindeutiger als die über Vaterschaft und väterliche Eigenschaften. Väter sind zum schwachen Geschlecht geworden.

Diesen Unterschied kann der Karlsruher Richterspruch nicht aufheben, der nicht ehelichen Vätern den Weg zum gemeinsamen Sorgerecht erleichtert. Wichtig ist er trotzdem. Denn die nachdrückliche Lehre und Erfahrung der Frauenemanzipation gilt auch für Väter. Mehr Rechte, das heißt mehr Verantwortung, in diesem Fall für die Kinder. Nicht ohne Grund heißt der Gegenstand, über den die Richter zu urteilen hatten, Sorgerecht.

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Über tradierte Vaterbilder und -funktionen sind erst die Katastrophen des letzten Jahrhunderts, dann ist die Frauenbewegung darüber hinweggerollt. Der autoritäre Patriarch, der die Beschäftigung mit kleinen Kindern als unmännlich ablehnt und vorzugsweise für Bestrafungen zuständig ist, hat schon lange ausgedient. Selbst in den Teilen der zugewanderten Bevölkerung, die mit solchen Leitbildern aufgewachsen ist, steht der Patriarch unter erheblichem Druck. Auch ihm läuft die junge Frau samt Kindern womöglich weg.

Durch den Siegeszug der Frauen hat auch der "Familienernährer" seine Rolle verloren, die in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik trotz grundgesetzlicher Gleichberechtigung eine ausgesprochene Vormachtstellung war. Und nicht mehr exklusiv ist die Rolle des väterlichen "Beschützers", der dem herangewachsenen Kind die Welt zeigt und mit ihm über seinen Weg in den Beruf spricht. Das können und machen Mütter auch, und viel zu oft machen sie es allein.

Eine "androgyne" Elternschaft, in der die Eltern nicht nur gleichberechtigt, sondern gleich sind, hat sich trotz vieler "neuer" Väter nicht eingestellt. Doch je diffuser unser Vaterbild geworden ist, desto schärfer hat sich auch gezeigt: Es sind "Väter" und "väterliche" Erziehungspersonen, die unseren Kindern in Familien, Kindereinrichtungen und Schulen fehlen.

Vaterlosigkeit ist ein Entwicklungsnachteil, den gerade viele allein erziehende Mütter schmerzlich empfinden, weil sie ihn trotz größter Anstrengung nicht aufheben können. Dass es mittlerweile viele Mütter gibt, die den Vater ihrer Kinder mit allen Mitteln überflüssig machen wollen, hat die Sache nur noch schlimmer gemacht.

Mag sein, dass kleine Mädchen und Jungen heute vielleicht besser als Männer und Frauen wissen, was einen Vater ausmacht. Vaterschaft, soviel muss den Erwachsenen klar sein, entwickelt und erweist sich ausschließlich im Verhältnis zu den Kindern, nicht aus ökonomischer, sozialer und rechtlicher Überlegenheit gegenüber der Frau. Die alten Vaterbilder sind zu Recht untergegangen.

Aber das schafft Platz für eine neue hoffnungsvolle Entwicklung. Sie zeigt sich in Klagen vor höchsten Gerichten, in Elterngeldanträgen, vor allem in vielen Familien: Männer wollen wirklich Väter sein, nicht Familienoberhäupter, Ernährer oder oberste Strafinstanz.

Der elementare Unterschied bleibt unaufhebbar. In allen Kulturen und Gesellschaften ist den Müttern die Kinderbetreuung als soziale Rolle zugeordnet. Mütterlichkeit ist Zuwendung, Fürsorge, Opferbereitschaft. Was und wer hingehen Vater ist, darüber gab es bis zur Erfindung des sicheren Vaterschaftstest nicht einmal die einfachsten Gewissheiten. Dafür aber starke kulturelle Leitbilder, die sich über die Zeiten stark gewandelt haben. Es ist auch eine Befreiung, wenn Männer nicht erst Patriarch, Ernährer, Familienvorstand werden müssen, um Väter zu sein. Wahr ist allerdings, dass Mütter das auch wollen müssen.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 4. August 2010

 
Leser-Kommentare
  1. mal zurück zum ausgang, ohne nagellack.

    nicht nur an der hotelbar sind alle männer gleich.

    • Pyr
    • 03.08.2010 um 19:55 Uhr

    Ich habe die Lektüre als sehr angenehm empfunden und kann nur zustimmen. Es wird sehr unaufgeregt und ohne Überinterpretationen berichtet und kein Blatt vor den Mund genommen - wie dass die Männer tatsächlich vor dem Gesetz gegenüber den Frauen benachteiligt sind. Der Urteilsspruch ist wegweisend für Deutschland. Unseren Kindern wird es gut tun!

  2. jetzt müsste die Frau einen solchen modernen aufgeschlossenen 'neuen' Mann auch als solchen anerkennen. Doch gerade diese 'neuen' Männer werden, wenn sie im Haushalt helfen, sich um die Kinder kümmern usw. als verweichlicht angesehen. Frauen aber, wie man z. B. in diesem Artikel http://www.zeit.de/2010/3... lesen kann, suchen nach großen wohlhabenden MÄNNERN, die eben genau die schlechten Klischees erfüllen, die diese Frauen den Männern vorwerfen. Nur wenn ein Mann ein solcher 'alter' Mann ist, wird er als solcher von den Frauen akzeptiert. Und so werden diese zu den 'neuen' Vätern der nächsten Generation. Und die Emanzipation bleibt auf der Strecke.

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    ...steht doch nur, dass der Mann gut aussieht, grosszuegig und aufmerksam ist. Das sind doch keine hierarchischen oder traditionellen Merkmale. Dasselbe wuenschen sich die meisten Maenner sicher auch von ihren Frauen.

    "Doch gerade diese 'neuen' Männer werden, wenn sie im Haushalt helfen, sich um die Kinder kümmern usw. als verweichlicht angesehen."

    Doch nicht von den Müttern!!!
    Dieses Klischee stammt doch aus der Männerwelt selbst und wird doch unter Männern verbreitet hoch gehalten, bis in die männlich dominierte Arbeitswelt hinein.

    Viele Mädchen und Frauen identifizieren sich allerdings leider mit diesen UNWerten - bis sie dann selbst Mutter geworden sind und an diesem männlichen Irrtum u.U. lebenslang zu knabbern haben, wenn sie Ihren "Mann stehen" können müssen.

    Also liebe Männer, die Ihr Väter sein wollt:
    Emanzipiert euch endlich und lasst eure weibliche Seite leuchten, damit ihr ein GANZER Mann seid!
    Die "Richtige" wird es zu schätzen wissen, wenn ihr umgekehrt auch eure "Frau steht" und vor allem selbst dazu zu stehen bereit seid.
    Dann kommen auch die Babies (die ja angeblich so heiß erwünschten - oder sind sie´s etwa doch nicht?)

    Das hat nichts mit misszuverstehendem Rollenwechsel zu tun, sondern mit der positiven Einstellung zu den sogen. "weiblichen " Werten: z.B. fürsorgliche Gefühle zeigen und sie umsetzen.
    Auch das braucht Mut. Und Kinder brauchen mutige Väter!

    ...steht doch nur, dass der Mann gut aussieht, grosszuegig und aufmerksam ist. Das sind doch keine hierarchischen oder traditionellen Merkmale. Dasselbe wuenschen sich die meisten Maenner sicher auch von ihren Frauen.

    "Doch gerade diese 'neuen' Männer werden, wenn sie im Haushalt helfen, sich um die Kinder kümmern usw. als verweichlicht angesehen."

    Doch nicht von den Müttern!!!
    Dieses Klischee stammt doch aus der Männerwelt selbst und wird doch unter Männern verbreitet hoch gehalten, bis in die männlich dominierte Arbeitswelt hinein.

    Viele Mädchen und Frauen identifizieren sich allerdings leider mit diesen UNWerten - bis sie dann selbst Mutter geworden sind und an diesem männlichen Irrtum u.U. lebenslang zu knabbern haben, wenn sie Ihren "Mann stehen" können müssen.

    Also liebe Männer, die Ihr Väter sein wollt:
    Emanzipiert euch endlich und lasst eure weibliche Seite leuchten, damit ihr ein GANZER Mann seid!
    Die "Richtige" wird es zu schätzen wissen, wenn ihr umgekehrt auch eure "Frau steht" und vor allem selbst dazu zu stehen bereit seid.
    Dann kommen auch die Babies (die ja angeblich so heiß erwünschten - oder sind sie´s etwa doch nicht?)

    Das hat nichts mit misszuverstehendem Rollenwechsel zu tun, sondern mit der positiven Einstellung zu den sogen. "weiblichen " Werten: z.B. fürsorgliche Gefühle zeigen und sie umsetzen.
    Auch das braucht Mut. Und Kinder brauchen mutige Väter!

  3. ...steht doch nur, dass der Mann gut aussieht, grosszuegig und aufmerksam ist. Das sind doch keine hierarchischen oder traditionellen Merkmale. Dasselbe wuenschen sich die meisten Maenner sicher auch von ihren Frauen.

    Antwort auf "problem"
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    Nun, es wird die Beziehung der beiden aus der Perspektive der Frau beschrieben. Sie sagen "nur", ich sage alles was jener Frau dazu einfällt ist, dass der Mann gut ausschaut, seine Rolle als Ernährer prima erfüllt und auch noch innere Werte hat. Das beste aber daran ist, das ihre Freundinnen alle neidisch auf sie sind. Sie betrachtet den Partner also allein als Statusgewinn gegenüber ihrer Freundinnen. Hurra, das wünsche ich auch jedem.
    Ich sage immer, dass eine Beziehung auf gemeinsamen Werten aufbauen muss, wenn sie tragen soll. Das kann ich hier nicht erkennen.
    Auch ist der soziale Mittelpunkt jener Frau nicht der Partner/'Familie' , wie es in einer Beziehung auf Augenhöhe sein sollte, sondern ihr soziales Netz der Freundinnen und vermutlich Eltern-familie. Wieder ein kräftiges Hurra, auch das wünsch ich jedem bei seinem Partner an fünfter, sechster Stelle zu stehen.
    Fazit: Alles für den partriachalen Ernährer typische ist bei dieser Frau in ihrem Männerbild offenbar wichtig und gegeben.

    Gruß

    Nun, es wird die Beziehung der beiden aus der Perspektive der Frau beschrieben. Sie sagen "nur", ich sage alles was jener Frau dazu einfällt ist, dass der Mann gut ausschaut, seine Rolle als Ernährer prima erfüllt und auch noch innere Werte hat. Das beste aber daran ist, das ihre Freundinnen alle neidisch auf sie sind. Sie betrachtet den Partner also allein als Statusgewinn gegenüber ihrer Freundinnen. Hurra, das wünsche ich auch jedem.
    Ich sage immer, dass eine Beziehung auf gemeinsamen Werten aufbauen muss, wenn sie tragen soll. Das kann ich hier nicht erkennen.
    Auch ist der soziale Mittelpunkt jener Frau nicht der Partner/'Familie' , wie es in einer Beziehung auf Augenhöhe sein sollte, sondern ihr soziales Netz der Freundinnen und vermutlich Eltern-familie. Wieder ein kräftiges Hurra, auch das wünsch ich jedem bei seinem Partner an fünfter, sechster Stelle zu stehen.
    Fazit: Alles für den partriachalen Ernährer typische ist bei dieser Frau in ihrem Männerbild offenbar wichtig und gegeben.

    Gruß

    • gemmo
    • 03.08.2010 um 21:13 Uhr

    Für den größeren Teil der Mütter ist die Bereitschaft des Mannes in der traditionellen Rolle des Ernährers die Hauptverantwortung für das materielle Wohl der Familie zu tragen immer noch die Kernkompetenz bei der Auswahl ihrer Beziehungsobjekte.
    Wer es versäumt hat ein neues und zeitgemäßes Rollenverständnis zu entwickeln sind, leider, viele Zeitgenossinnen die sich, wie Frau Tissy Bruns, nicht von ihren tradierten Rollenklischees trennen können.
    Das Karlsruher Urteil gibt nicht den Vätern Gelegenheit ihre Rolle neu zu finden, das haben die längst getan. Richtig ist, dass Männer dieser Generation sich schon lange von der Vorstellung befreit haben Patriarch, Ernährer, Familienvorstand oder Futterknecht werden zu müssen, um Väter zu sein.
    Wahr, gut und auch richtig ist allerdings, dass Frauen nach diesem Urteil nicht mehr so einfach auf dieser Erwartung beharren können, ob sie das nun wollen oder nicht.

    • mamor
    • 03.08.2010 um 21:26 Uhr

    Mir wurde der Kontakt zu meinem Vater (und meinen Geschwistern) seitens meiner Mutter verboten. Mit 17 bin ich von zuhause ausgezogen und habe meine Mutter seit dem nicht mehr gesehen- sie verweigert jeglichen Kontakt, seit 30 Jahren!
    Als ich 18 war hat mein Vater mit mir Kontakt aufgenommen, meine Mutter und er schienen sich damals wieder in "großer Freundshaft" vereint - hinter dem Rücken seiner Frau.
    Mein Vater und ich kamen uns nie näher. Meine beiden Geschwister habe ich nur einmal gesehen.
    Den Kontakt habe ich vor 10 Jahren entgültig abgebrochen.
    Ich bin sehr froh über die neue Gesetzesregelung und hoffe für alle "vaterlosen" eine harmonischere Beziehung.

  4. Früher hiess es "No woman, no cry", heute sage ich "No children, no cry". Wozu soll man unbedingt noch Kinder haben in dieser wahnsinnigen Welt. Nur damit wieder Steuerzahler für die Pensionen der Minister und Beamte herangezogen werden ? Nein danke.

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    "No woman, no cry" von Bob Marlay ist gebrochenes island english und bedeutet soviel wie "Please woman, don't cry" - oder in Deutsch "Nein meine Liebe, weine bitte nicht."

    "No woman, no cry" von Bob Marlay ist gebrochenes island english und bedeutet soviel wie "Please woman, don't cry" - oder in Deutsch "Nein meine Liebe, weine bitte nicht."

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