Qualität in KrippenWas Krippen bieten sollten
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Kann die Förderung in der Krippe die Eltern ersetzen?

Kann die Förderung in der Krippe die Eltern ersetzen?

"Bildung geht nicht ohne die Familie. Die beste Basis für die frühkindliche Bildung ist die sichere emotionale Bindung an die Eltern und später dann an weitere Bezugspersonen. Die Entwicklung des Kindes hängt aber wesentlich von der Bildung und Intelligenz der Mutter ab. Sie muss wissen, wo sie sich Hilfe holen kann.", sagt Becker-Stoll.  Die Zusammenarbeit mit den Müttern in Müttercafés, die manch ein Kindergarten anbietet, oder im Projekt "Mama lernt deutsch" sind laut Becker-Stoll sehr erfolgreich. Sie hat beobachtet, dass Frauen, die erst einmal Deutsch sprechen gelernt haben, auch noch lesen und schreiben lernen wollen. Man muss es nur richtig anbieten. Möglichst eine Person aus der eigenen Kultur sollte die Leute direkt ansprechen, "dann kann man sicher sein, dass die Nachfrage riesig ist", behauptet Becker-Stoll.

Interkulturelle Pädagogik nennt man das, was viele engagierte Kindergärten längst anbieten. Sie heißen Mütter, Väter und Kinder auf ihren schwarzen Brettern und in den Elternbriefen in allen Sprachen willkommen. Sie organisieren interkulturelle Cafés und Feste und laden Migranten-Mütter ein, die gut deutsch sprechen und sich gut auskennen im deutschen Bildungssystem, die zu unterstützen, die es noch lernen müssen.  

Becker-Stoll ist überzeugt, dass die Wertschätzung der ersten Sprache und Kultur der Schlüssel ist, die Menschen zu erreichen. Eine Krippenpflicht hält sie deshalb nicht für notwendig. In Dormagen beispielsweise hat der Bürgermeister die Lehrer von Erstklässlern aufgefordert, alle neuen Eltern zu Hause zu besuchen. Die meisten Eltern fühlten sich geehrt und wollten auch ihrerseits dem Lehrer Ehre erweisen. Sie kommen zu Elternabenden und -sprechtagen. Becker-Stoll sagt: "Wenn die Eltern denken, die Lehrerin oder Erzieherin ist toll, dann engagieren sie sich auch. Wenn die Mutter nicht gegrüßt wird, achtet sie die Pädagogen auch nicht."

Leserkommentare
  1. und das sollte man sich auch immer vor Augen halten.

    Man kann arm sein, aber trotzdem Bildung für wichtig halten, selbst kochen, Umgangsformen wahren und nicht verwahrlosen.

    Man kann aber auch ausreichend mittel haben ohne wirtschaftlich Armutsbereichen zuzurechnen zu sein. Gleichzeitig die Kinder in der Schule allein lassen und weder auf Gesundheits- noch andere Vorsorge zu achten, auch wenn sie möglich wäre, sie zu erhalten.

    Und ich denke, dass jeder weiß, was gemeint ist, wenn Menschen mit dem Begriff "sozial schwach" beschrieben werden.

    Antwort auf "Liebe Redaktion,"
    • FranL.
    • 23.09.2010 um 21:13 Uhr

    Der Staat muß auf eine klare Familienordnung drängen? Wie stellen Sie sich das in der Praxis vor? Ich bin auch der Ansicht, für ein Kind ist es das beste Mutter und Vater zu haben. Was aber ist, wenn die Mutter den Vater oder der Vater die Mutter verläßt? Soll der Staat per Gesetz eingreifen, Ehebruch bestrafen, Menschen zwingen zusammenzubleiben, auch wenn die beiden sich nicht mehr ausstehen können? Und was ist mit den Kindern die aus einem One-Night-Stand entstehen? Abgesehen davon, daß ungeschätzter Sex mit einem Wildfremden natürlich unverantwortlich ist, soll der Staat die Frau, wenn sie das Kind haben will, gegen ihren Willen zur Abtreibung zwingen? Oder dazu den Vater zu heiraten? Und wenn der Vater bereits verheiratet ist, soll er dann die Familie verlassen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Lieblosigkeit!"
    • FranL.
    • 23.09.2010 um 22:00 Uhr

    Muß natürlich ungeschützter Sex heißen.

  2. Es geht in diesem Artikel keineswegs um die Motive, die Eltern dazu bewegen, ihre Kinder in eine Krippe zu bringen, sondern um deren Qualität. Dass diese nicht zu hoch sein kann, sollte doch Konsens sein. Man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen und die frühkindliche Erziehung vollständig in die Hände er Eltern legen - wo sie im Übrigen nie komplett gelegen hat. Also sollte die Allgemeinheit alles tun, um die institutionalisierte Kinderbetreuung so gut wie möglich zu gestalten.
    Außerdem wäre es sehr nett, wenn nicht ständig auf die Eltern, die ihre Kinder in einer Krippe betreuen lassen, eingedroschen würde, ohne die Beweggründe zu kennen. Die wenigsten Eltern sind derart lieblos, dass es ihnen egal wäre, wie und von wem ihre Kinder betreut werden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Lieblosigkeit!"
    • zo.de
    • 22.07.2011 um 11:09 Uhr

    Ich finde es schade, dass auch im Forum der Zeit immer nur die Extreme verwaltet werden. Wie wäre es zur Abwechsleung mal mit einer echten Diskussion? Warum sollte sich rechtfertigen, wer seine Kinder in die Krippe gibt? Warum sollte sich rechtfertigen, wer seine Kinder zuhause behält? Und warum muss immer das eigene Modell das Bessere sein?

    Lob dem Autor des Artikels für den Anstoß. Ich wünsche mir für die Zukunft auch einen Artikel, der die Arbeit der Krippenerzieher unter die Lupe nimmt. Bitte nicht nur den wirtschaftlichen Aspekt ausleuchten, sondern v.a. auch die Motivation, Quereinsteiger etc. beleuchten.
    Folgt man der Lesweise der Kommentatoren, sind doch alle Erzieher arme Tropfe: nie gut genug. Der Job erfährt mMn gesellschaftlich viel zu wenig Anerkennung. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen jemand, der Ihre Dienstleistung tagtäglich nachfragt, latent suggeriert, dass Sie (und Ihre Arbeit) das kleinere Übel sind? Dass es grad nicht anders geht und man deswegen das Kind zu Ihnen in die Krippe geben MUSS ... ?

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