Eltern sind angeblich nicht glücklicher als Kinderlose – so das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten internationalen Vergleichsstudie der Max-Planck-Gesellschaft . Gerade in jungen Jahren trüben die Sorgen um den Nachwuchs, das oft knappe Geld oder die Sorgen um den Beruf die Freude vieler Mütter und Väter. Erst wenn die Kinder erwachsen werden, profitierten die Eltern, meist in der Zeitspanne zwischen 40 und 60 Jahren, finanziell und emotional von ihnen. Ihre Lebenszufriedenheit übertreffe dann deutlich und dauerhaft die von Kinderlosen. 

Diesen Befund empfinden viele Eltern als Provokation. In den Leserbriefspalten der Zeitungen und in Internetforen widersprechen sie ihm mit Blick auf ihre persönlichen Erfahrungen vehement. Trotz aller wirtschaftlichen und beruflichen Belastungen seien Kinder unterm Strich eine Bereicherung ihres Lebens, die sie keinesfalls missen wollen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Allensbach-Umfrage .

Und überhaupt: Warum stellt sich eine Gesellschaft überhaupt die Frage, ob Kinder glücklich machen oder vielleicht doch entbehrlich sind? Dass der Nachwuchs seinen unantastbaren Platz in der Gesellschaft haben muss, ist längst nicht mehr Konsens in unserem Land. Das zeigt etwa ein Vorfall, der jüngst für Schlagzeilen sorgte: Zwei ältere Passagiere eines Linienbusses in Elmshorn fühlten sich durch das Geschrei eines Babys gestört und beschwerten sich beim Busfahrer. Daraufhin veranlasste er, dass die junge Mutter auf offener Strecke aussteigen musste. Die Frau war auf diese Grenzüberschreitung nicht vorbereitet, aber auch nicht vollkommen überrascht. Gerade ältere Menschen, so berichtete sie, fühlten sich von kleinen Kindern oft gestört und hätten bereits öfters von ihr verlangt, ihr drei Monate altes Baby endlich ruhig zu stellen.

Diese eklatante Verständnislosigkeit gegenüber Eltern und ihren Kindern ist überall im Land zu spüren. Deshalb hatte etwa das Bundeskabinett im Februar das Kinderlärmgesetz verabschiedet. Damit sollen künftig Anwohnerklagen gegen den Bau von Kitas in Wohngebieten erschwert werden.