Familienministerin Kristina Schröder besucht eine Kindertagesstätte. © Sean Gallup/Getty Images

Es war ein Schlag ins Kontor von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder als die Süddeutsche Zeitung am Montag den Stopp der Ausbaupläne für das Elterngeld meldete. Hatte sie doch gerade erst in der in der Frankfurter Allgemeine Zeitung ausführlich dargelegt, wie wichtig es für die Familien sei, dass sich auch Väter "Zeit für Verantwortung" in der Familie nehmen. Einen Tag später verkündete sie den Stopp der Ausbaupläne für das Elterngeld. Laut Koalitionsvertrag wollte Schwarz-Gelb die erfolgreichen Vätermonate in dieser Legislaturperiode verlängern.

Jetzt, so heißt es aus dem Bundesfamilienministerium, sei dieses Vorhaben "im Moment aus finanziellen Gründen nicht darstellbar". Mit Blick auf den horrenden Schuldenstand der öffentlichen Haushalte und der Sparzwänge ist klar, dass dieser "Moment" einige Jahre dauern dürfte.

Der Ausbau-Stopp fürs Elterngeld kommt allerdings nicht überraschend. Spätestens seit Mai letzten Jahres hatte die Bundesregierung ihren familienpolitischen Kurswechsel dokumentiert. Während der damaligen Beratungen für den Sparhaushalt 2011 gab es nämlich nur zwei Tabus: den Bereich Bildung und Forschung. Der Familienetat sollte ausdrücklich nicht geschont werden. Deshalb strich die Bundesfamilienministerin – ohne erkennbaren Widerstand gegen den Finanzminister – schon den Hartz-IV-Eltern das Elterngeld.

Handelt es sich bei diesem Kurswechsel der Regierung also um einen typischen Fall von kurzsichtigem Sparen? Nein, dahinter steckt eine gewandelte familienpolitische Konzeption. Anders als von Ex-Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen suggeriert, ist trotz des Elterngeldes die Geburtenwende ausgeblieben. Außerdem: Dass die zwei Vätermonate von den Männern stärker angenommen werden, wird in den Betrieben nicht nur als Erfolg angesehen. In den kosteneffizienten, verschlankten, hochproduktiven Belegschaften bedeutet der ersatzlose Ausfall eines Kollegen für viele einfach nur eine weitere Erhöhung des Arbeitsdrucks. Das sorgt für Ärger.

Noch schwerwiegender sind die Einwände auf der Chefebene. Mehr Zeit für die Arbeitnehmer in der Familie ist für die Betriebe letztlich gar nicht wünschenswert. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel, der durch den Wirtschaftsboom seit 2010 allmählich um sich greift. Vor allem die demografische Entwicklung lässt die Unternehmen um ihr Personal bangen.

Zurzeit verlassen rund 200.000 Erwerbstätige pro Jahr den Arbeitsmarkt. Bis 2020 sollen es insgesamt zwei Millionen sein. Kein Wunder, wenn die Unternehmen sich gegen alles sperren, was die zeitliche Verfügbarkeit ihrer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in den Betrieben einschränkt.