Eine Mutter mit ihren zwei Kindern auf einem Spielplatz in Berlin © Sean Gallup/Getty Images

Wer glaubt, man brauche nur auf ein Knöpfchen drücken, auf dem "guter Wille" steht – und schwups bekommen die jungen, gebildeten Frauen mehrere Kinder, der irrt. Das Elterngeld als solches macht nicht schwanger. Wenn also FDP-Generalsekretär Christian Lindner behauptet: "Kinder werden nicht am grünen Tisch gemacht", dann hat er ohne Zweifel Recht. Wenn er aber glaubt, das Elterngeld könne man ohne Verlust abschaffen und gegen mehr Kita-Plätze eintauschen, dann liegt er doch daneben.

Erstens nämlich produzieren mehr Krippen- und Kita-Plätze allein genauso wenige süße kleine Deutsche wie das Elterngeld. Sie sind nur eine dringend notwendige Maßnahme unter vielen – für mehr Bildungschancen und am Rande auch zur Entlastung arbeitender Eltern. Ohnehin: Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. In gute Qualität muss man auch hier investieren. Die schwarz-gelbe Koalition muss hier liefern, ganz unabhängig vom Elterngeld.

Zweitens ist es sachlich Unsinn, das Elterngeld gegen mehr Kita-Plätze auszuspielen – schon rein zeitlich hat beides nichts miteinander zu tun: Elterngeld bezieht man höchstens 14 Monate lang. Und erst ab dem ersten Geburtstag des Kindes wird es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz geben. Die meisten Kinder in diesem Alter bleiben aus guten Grund noch zu Hause bei der Mutter – und dank des Elterngelds auch beim Vater.

Eben dies ist der entscheidende dritte Punkt: Das Elterngeld hat jenseits seiner Alimentierungsfunktion einen enormen, gesellschaftlichen Wandel bewirkt. Es hat die Väter (wieder) zu einem Teil der Familie gemacht. Inzwischen werden Väter nur noch selten belächelt, wenn sie für ihre Kinder zu Hause bleiben. Vielleicht trauen sie sich und ihren Chefs noch zu wenig zu, weil sie häufig nur zwei Vätermonate in Elternzeit gehen . Aber Männer (und Frauen) zeigen ganz deutlich: Arbeit ist nicht alles, wir wollen Zeit mit unseren Kindern verbringen. Das bestätigen auch diverse Umfragen. Hier hat das Elterngeld etwas geleistet, was jahrzehntelanger Familienpolitik nicht gelang. Äußerungen wie die von Christian Lindner bringt das Erreichte wieder in Gefahr.

Familien müssen es sich leisten können, die Zeit mit den Kindern auch entspannt zu erleben. Denn nur, wenn die Kinderlosen Mütter und Väter nicht mehr als bedauernswert Getriebene, als Verschuldete und von der Karriere Ausgeschlossene erleben, werden sie ihrer Lust auf Kinder auch nachgeben. Wenn man also am Elterngeld etwas kritisieren will, dann dies: Es ist in seiner jetzigen Form nicht gerecht, denn nur die gut verdienenden Eltern profitieren davon.

Ein sozial gerechtes Elterngeld und gute Kitas könnten wichtige Bausteine werden, um langfristig die Geburtenzahlen wieder zu erhöhen. Doch ist es ein großes Projekt, Deutschland zu einem kinderliebenden Land zu machen. Dazu gehört nicht nur die finanzielle Unterstützung vom Staat, sondern auch das Gefühl des Einzelnen, ein gelungenes, gesellschaftlich anerkanntes Leben zu leben, wenn er oder sie nicht permanent verfügbar und mobil ist. Bis diese Gedanken attraktiv werden, dauert es ein bisschen länger als seit der Einführung des Elterngeldes vergangen ist. Durch seine Abschaffung jedoch könnte man viel zerstören, was schon in die richtige Richtung weist.

In dem Sinne kann der neue FDP-Parteichef Philipp Rösler mehr bewirken, wenn er, wie versprochen, der Politik mit 45 den Rücken kehrt  und sich Zeit nimmt für seine Familie , als Christian Lindner, der schon fast so wilde Sprüche macht wie Guido Westerwelle.