Die Landschaft als Zeuge des Verschwindens
Als Kind stöberte der italienische Fotograf Ezio D'Agostino im Hochzeitsalbum seiner Eltern. Von einem der Bilder lächelte Umberto, sein Cousin. Der junge Ezio hat ihn nie kennengelernt.
14.644 Menschen sind seit 1975 in Italien verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Sie wurden nicht entführt, sie sind nicht verunglückt. Sie verschwanden freiwillig aus ihrem alten Leben; sie brachen aus ihrer alten Rolle aus.
D'Agostino fotografiert Orte, an denen verschwundene Menschen zuletzt gesehen wurden. Er sagt, sein Wunsch sei es gewesen, nur die Landschaft zu zeigen, die Zeuge des Verschwindens wurde. Er verrät nichts über die Personen, sondern zeigt die Lücke zwischen dem, was der Betrachter sieht, und dem, was die Landschaft einst gesehen hat.
Entstanden ist das Fotobuch 14644 von Ezio D’Agostino, das auf dem 4. Internationalen Fotobuch Festival vom 1. bis 5. Juni 2011 in der documenta-Halle in Kassel zu sehen ist und für den Fotobuch Dummy Award nominiert ist.
- Datum 01.06.2011 - 15:11 Uhr
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öfters, gerade wenn ich in altem Gemäuer bin, was hat dieser Ort schon alles gesehen, was ist hier schon alles passiert. Man merkt dann, man ist nur ein kleines Rädchen in der Geschichte.
Bei meinen Portrait-Arbeiten frage ich mich des Öfteren, in wie fern es notwendig ist zum Werk eine Anmerkung zu machen, welche dem visuellen Eindruck einen textlichen anbei stellt.
Ich finde das Thema hier spannend und die Arbeiten gut gewählt; gleichwohl, wäre es hier nicht sinnstiftend, wenn man zu jeder Arbeit erführe, WER hier verschwunden ist?
Bei meinen Arbeiten (vgl.: http://www.daedalus-v.de) stelle ich dem Portrait ausschließlich einen Namen anbei. Ich habe manches mal gedacht, dass es vielleicht sinnvoll sei Beruf, Alter, Neigungen usw. ebenfalls anzugeben, um dem Betrachter eine "größere" Geschichte in den Kopf zu zaubern, habe die Idee aber bisher verworfen.
Bei D'Agostinos Arbeiten vermisse ich nun solch zusätzlichen Informationen, damit sich das Erlebnis der Betrachtung vervollständigt.
Ronald D. Vogel
http://www.daedalus-v.de
...und würde gerne wissen, warum sich in den jeweiligen Fällen so sicher ist, dass es sich um "freiwilliges" Verschwinden handelt.
Ich finde, der Fotograf macht schöne Fotos, aber das Konzept erschließt sich mir nicht. Sowohl für ein kunstfotografisches wie für ein bildjournalistisches Projekt fehlen dem Betrachter Informationen zum Gezeigten.
vermisst man hier zusätzliche Texte ? Weil man hofft, dass die Geschichten interessanter sind als die meist langweiligen Fotos....
Ein wirklich gutes Bild braucht keine Erläuterungen.
Ausserdem vermisse ich auf einigen Fotos die "Landschaft".
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