Kinderlosigkeit Ohne Kinder im Abseits

Kinderwünsche sollen nach Ministerin Schröder nicht mehr an Geld und veralteten Bestimmungen scheitern. T. Dückers über das neue Mutterbild und ungewollte Kinderlosigkeit.

Wenn gesellschaftspolitische Visionen fehlen, kann manchmal das Privatleben Impulse setzen: Bisher hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder nicht besonders um das Wohl der Kinderlosen gekümmert. Plötzlich äußert die werdende Mutter das Bedürfnis, etwas für sie tun zu wollen. Sie sagt nun Dinge wie: "Ich finde es unerträglich, wenn Kinderwünsche am Geld scheitern" in Bezug auf die immens gewordenen Kosten einer künstlichen Befruchtung und macht sich Gedanken, wie das überalterte deutsche Adoptionsrecht zu vereinfachen wäre.

Doch ist es fraglich, ob es nicht nur vage bei "gutem Willen" bleibt: Es ist gerade erst drei Jahre her, dass der Vorstoß der Bundesländer Hessen, Sachsen und Thüringen abgelehnt wurde, die Krankenkassen wieder stärker an den horrenden Kosten der künstlichen Befruchtung zu beteiligen. Es handelt sich nicht um lapidare Beträge für die betroffenen Paare: Die Kosten liegen bei 3000 bis 5000 Euro pro Versuch. Meist sind mehrere Versuche notwendig. Die drei Bundesländer begründeten den Antrag mit dem Leidensdruck der ungewollt kinderlosen Paare sowie mit den Folgen des demographischen Wandels für das Steuer- und Sozialabgabensystem, doch das interessierte niemanden. Die Krankenkassen kommen für Operationen bei abstehenden Ohren und bei der Vergabe von Viagra auf – aber nicht für die Kosten für Hormonbehandlungen bei Unfruchtbarkeit. Und das, obwohl Infertilität von der WHO längst als Krankheit klassifiziert wurde.

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Auch vor sieben Jahren war die CDU fröhlich mit dabei gewesen, als sie sich – als Oppositionspartei – mit der SPD-geführten Bundesregierung darauf verständigte, im Zuge des "Bundesgesundheitsmodernisierungsgesetzes" die Hilfen für künstliche Befruchtungen drastisch zu kürzen, obwohl Jahr für Jahr immer mehr Kinder auf diesem Weg geboren wurden. Im Jahr 2003 waren drei Prozent aller Neugeborenen in Deutschland auf dem Weg der In-Vitro-Fertilisation gezeugt worden. Doch seit der Gesetzesänderung vor sieben Jahren ist ihre Zahl rapide gesunken, denn für Normalverdiener sind die Kosten nicht mehr tragbar. Ergebnis der Gynäkologen und Reproduktionsmediziner in Deutschland: Mindestens 15.000 Kinder weniger pro Jahr seit dem 1. Januar 2004.

Bis zur damaligen Gesundheitsreform hatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für vier Versuche im Rahmen der künstlichen Befruchtung komplett übernommen, seither werden von den Krankenkassen für maximal drei Versuche die Hälfte der Kosten getragen – jedoch nur bei Frauen unter 40 und bei Männern unter 50 Jahren – und nur, wenn sie verheiratet sind, was einen Anachronismus sondergleichen darstellt. Schließlich wächst mittlerweile in Deutschland jedes dritte bis vierte Kind mit nicht-verheirateten Eltern heran.

Es wird angenommen, dass in Deutschland jedes siebte Paar ungewollt kinderlos ist. Wer Betroffene kennt, weiß, wie groß der Leidensdruck und das Gefühl sozialer Ausgrenzung bei diesen Menschen oft ist. Ungewollt Kinderlose können ein Lied singen von den vielen Fragen, die mit entweder unverhohlen aggressiven oder aber mitleidigem Unterton an sie gerichtet werden: "Wollt ihr – etwa – keine Kinder"?

Zumal sich der Zeitgeist gedreht hat: Zwar gibt es zweifellos auch ein Mütter- und ein Elternbashing – wie überhaupt in Deutschland sehr gern Kollektive als Sündenbock für irgendetwas herhalten müssen und das Bashing (ob es um sogenannte "Altachtundsechziger", um angeblich in Saus und Braus lebende Hartz-IVler oder um "integrationsunwillige Migranten" geht) zum Volksport verkommen ist. Eine Gruppe, die zumindest noch vor 20 oder 30 Jahren vom Bashing verschont geblieben ist, jetzt aber zunehmend ins Aggressionsvisier der Restbevölkerung geraten ist, sind die Kinderlosen: Mit dem medialen Ausruf der neuen Gebärfreudigkeit werden sie nun landauf, landab als "kinderfeindliche Egoisten", "verantwortungslose Hedonisten" oder doch gleich als "gefühlskalte Materialisten" angeprangert.

Mit seinem Sachbuchbestseller "Deutschland schafft sich ab" hat  Thilo Sarrazin dem Argwohn gegenüber Kinderlosen (so fern es nicht Migranten sind!) Vorschub geleistet. Die Ansicht hat sich weit verbreitet, dass Kinderlose unsolidarisch handeln, weil sie sich der "Reproduktion des Volks" widersetzen. Noch vor einigen Jahren, vor allem im Zuge von ’68, wurde es der Freiheit des Einzelnen zugeschrieben, ob er sich für Kinder entscheidet oder dagegen. Überdurchschnittlich viele Kinder haben übrigens die Vorstandsvorsitzenden der 30 größten deutschen DAX-Unternehmen – natürlich kümmert sich der Herr Vorstand nicht vornehmlich um die lieben Kleinen, aber "haben" tut er sie schon gern, als fotogene Visitenkarte seines soliden bürgerlichen Hintergrunds. Kinder sind Statussymbole geworden: Man zeigt, was man sich leisten kann. Während Kinder früher einfach "passierten", werden sie heute als geplante "Leistung" der Eltern angesehen – an der Art, wie manche Menschen die schiere Anzahl ihrer Kinder aussprechen, als wären mehr Kinder per se besser als weniger, lässt etwas von diesem merkwürdigen, für Kinderlose oft kränkenden Stolz spüren.

Leser-Kommentare
    • multix
    • 03.06.2011 um 17:52 Uhr

    "Die Zunahme von Erstgebärenden um die 40 – so auch die Autorin dieses Beitrags – scheint ein Umdenken anzuregen"

    ist Ihr Beitrag zuallererst mit einem

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

    und ein gutes Gelingen!

    zu kommentieren.

    ;-)

    m.

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    • gorgo
    • 05.06.2011 um 17:53 Uhr

    Dass Kinderlose "ausgegrenzt" werden zeigt ein Gutteil der Kommentare... Ziemlich entsetzlich, welche absurden Annahmen, Theorien und Vorurteile über Frauen und über ältere kinderlose Frauen im Besonderen hier ventiliert werden!

    Was manchen komplett entgeht: Die über 40jährigen stammen aus Generationen, in der der es in der Mittelschicht kaum berufstätige Mütter gab, der Ehemann über die Berufstätigkeit und Gehalt seiner Frau bestimmen durfte (bis 1975 gesetzlich). In der eine Nachrichtensprecherin, die Redakteurin werden wollte, für Aufruhr sorgte, Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar war, ein Prozent der Professoren weiblich waren (heute um die 11-14 %...)und sonst noch so ein "paar" Dinge, die mit der herschenden Frauen-kriegen-Kinder-basta-Ideologie verbunden waren.
    Damals wollten viele Frauen trotz Kinderwunsch nicht einen dieser Männer dazu, die Kinder, Haushalt oder Altenpflege als pures Frauenproblem begriffen (wie offenbar auch heute noch nicht wenige...).
    Wer sah, wie die Frauen, die Kinder bekamen, in den 70ern im Haushalt verschwanden, berufslos blieben, später dann oft geschieden und arm, der hatte in den 80ern und 90ern nicht immer das Bedürfnis nach Ehe. Kinder mit Beruf - das war für die meisten dieser Generationen überhaupt keine echte Wahl! Die Krankenversicherung von Familien, die Ausbildung der Kinder anderer und Rentenzahlungen haben berufstätige Frauen und Männer übrigens immer schon mitfinanziert - und zu Recht, aber immerhin!

    • gorgo
    • 05.06.2011 um 17:53 Uhr

    Dass Kinderlose "ausgegrenzt" werden zeigt ein Gutteil der Kommentare... Ziemlich entsetzlich, welche absurden Annahmen, Theorien und Vorurteile über Frauen und über ältere kinderlose Frauen im Besonderen hier ventiliert werden!

    Was manchen komplett entgeht: Die über 40jährigen stammen aus Generationen, in der der es in der Mittelschicht kaum berufstätige Mütter gab, der Ehemann über die Berufstätigkeit und Gehalt seiner Frau bestimmen durfte (bis 1975 gesetzlich). In der eine Nachrichtensprecherin, die Redakteurin werden wollte, für Aufruhr sorgte, Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar war, ein Prozent der Professoren weiblich waren (heute um die 11-14 %...)und sonst noch so ein "paar" Dinge, die mit der herschenden Frauen-kriegen-Kinder-basta-Ideologie verbunden waren.
    Damals wollten viele Frauen trotz Kinderwunsch nicht einen dieser Männer dazu, die Kinder, Haushalt oder Altenpflege als pures Frauenproblem begriffen (wie offenbar auch heute noch nicht wenige...).
    Wer sah, wie die Frauen, die Kinder bekamen, in den 70ern im Haushalt verschwanden, berufslos blieben, später dann oft geschieden und arm, der hatte in den 80ern und 90ern nicht immer das Bedürfnis nach Ehe. Kinder mit Beruf - das war für die meisten dieser Generationen überhaupt keine echte Wahl! Die Krankenversicherung von Familien, die Ausbildung der Kinder anderer und Rentenzahlungen haben berufstätige Frauen und Männer übrigens immer schon mitfinanziert - und zu Recht, aber immerhin!

  1. vor allem, weil er die Unmöglichkeit des 'optimierten' Menschen aufzeigt - der alles gleichzeitig schultert und problemlos löst.
    Es gibt sicher kinderlose Menschen, die unter ihrer Kinderlosigkeit leiden; ein großer Teil der Kinderlosen allerdings hat sich für ein Leben ohne Kinder entschieden, da Kinder objektiv (von den subjektiven Wünschen nach Kindern will ich einmal absehen) ein Verlustrisiko in dieser Gesellschaft darstellen, wenn man eben kein 'DAX-Vorstand' ist - und keine Familienministerin, die alle ihre Kinder eben nicht selbst wuppen, sondern bezahlte Hilfskräfte in Anspruch nehmen (steuerlich natürlich absetzbar).
    Mich würde auch wirklich nicht wundern, wenn die plötzlich veränderte Lebenssituation von Frau Schröder, wie im Artikel angedeutet, die plötzlich veränderte politische Situation angeschoben hat. Allerdings sollte eine Ministerin die Auswirkungen auf ganz Deutschland beachten und nicht mit persönlich inspirierten Wünschen an die Öffentlichkeit gehen.
    Im übrigen: was trägt denn Frau Schröder da für einen merkwürdigen lilafarbenen Gürtel?
    Mir kommt übrigens auch noch der Verdacht, daß Frau Schröders politische Wünsche etwas damit zu tun haben könnten, daß 'Deutschland ausstirbt' - es wird sich ja massiv für mehr deutsche Kinder eingesetzt. Sollte dem so sein, dann sollte die Regierung vor allem einmal dafür sorgen, daß Deutschland wesentlich kinderfreundlicher wird - und nicht einfach mehr Kindern fordern, die Eltern dann jedoch damit allein lassen.

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    • macey
    • 04.06.2011 um 7:07 Uhr

    Heute ist nur noch jeder zweite neue Arbeitsvertrag unbefristet. Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen, als Leiharbeiter, in 400-Euro-Jobs, 1-Euro-Jobs und zu Dumpinglöhnen, mit denen man unmöglich eine Familie ernähren kann. Diese Zustände machen sich vermutlich immer stärker auf die Familienplanung und Demographie bemerkbar. Familie mit Kindern kann man sich nur leisten, wenn der Job sicher ist, ansonsten lässt man es bleiben. Heute müssen meist auch die Frauen zum finanziellen Unterhalt der Familie beitragen, weil die Löhne zu niedrig sind. Übrigens sind Menschen mit Kindern insgesamt nicht glücklicher als Kinderlose, wie ein Bericht in der aktuellen Zeitschrift "Psychologie Heute" nachweist. Auch wenn vereinzelt ungewollt Kinderlose unter ihrem Zustand leiden. Kinder zu haben ist gerade im kinder-und familienfeindlichen Deutschland eben auch mit hohen Belastungen verbunden.

    • macey
    • 04.06.2011 um 7:17 Uhr

    Ich glaube nicht, dass Frau Schröders plötzliches Umdenken damit zu tun hat, dass sie selbst Mutter wird. Die Ursache liegt vermutlich in alamierenden Zahlen über die Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland.
    Die "Generation Praktikum" und die Jugend, die zunehmend in Leiharbeitsverhältnisse gedrängt wird, wegen diese Zustände zu hunderttausenden ins Ausland flüchtet, fällt als Eltern für den begehrten Nachwuchs zunehmend aus.

    dürfte ein Bauchband sein. Dient dazu, den Bauch zu bedecken wenn man nach wie vor in seine alten Shirts passt, und verdeckt sogar einen offenen Hosenbund. Hält warm und spart Geld, da man nicht alles neu kaufen muss.

    • macey
    • 04.06.2011 um 7:07 Uhr

    Heute ist nur noch jeder zweite neue Arbeitsvertrag unbefristet. Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen, als Leiharbeiter, in 400-Euro-Jobs, 1-Euro-Jobs und zu Dumpinglöhnen, mit denen man unmöglich eine Familie ernähren kann. Diese Zustände machen sich vermutlich immer stärker auf die Familienplanung und Demographie bemerkbar. Familie mit Kindern kann man sich nur leisten, wenn der Job sicher ist, ansonsten lässt man es bleiben. Heute müssen meist auch die Frauen zum finanziellen Unterhalt der Familie beitragen, weil die Löhne zu niedrig sind. Übrigens sind Menschen mit Kindern insgesamt nicht glücklicher als Kinderlose, wie ein Bericht in der aktuellen Zeitschrift "Psychologie Heute" nachweist. Auch wenn vereinzelt ungewollt Kinderlose unter ihrem Zustand leiden. Kinder zu haben ist gerade im kinder-und familienfeindlichen Deutschland eben auch mit hohen Belastungen verbunden.

    • macey
    • 04.06.2011 um 7:17 Uhr

    Ich glaube nicht, dass Frau Schröders plötzliches Umdenken damit zu tun hat, dass sie selbst Mutter wird. Die Ursache liegt vermutlich in alamierenden Zahlen über die Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland.
    Die "Generation Praktikum" und die Jugend, die zunehmend in Leiharbeitsverhältnisse gedrängt wird, wegen diese Zustände zu hunderttausenden ins Ausland flüchtet, fällt als Eltern für den begehrten Nachwuchs zunehmend aus.

    dürfte ein Bauchband sein. Dient dazu, den Bauch zu bedecken wenn man nach wie vor in seine alten Shirts passt, und verdeckt sogar einen offenen Hosenbund. Hält warm und spart Geld, da man nicht alles neu kaufen muss.

    • SJBFR
    • 03.06.2011 um 18:03 Uhr

    Warum hat eigentlich die Kanzlerin keine Kinder?

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    Geht uns das irgendetwas an?

    Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

    [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke. Die Redaktion/er

    für Diskriminierung Kinderloser.

    Es geht uns in der Tat gar nichts an.

    Geht uns das irgendetwas an?

    Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

    [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke. Die Redaktion/er

    für Diskriminierung Kinderloser.

    Es geht uns in der Tat gar nichts an.

  2. nicht gegen diese Förderung. Ich frage mich nur, ob sich jemand, der sich diese künstliche Befruchtung nicht leisten kann, genug Geld hat um ein Kind großzuziehen. Geschweige denn den nötigen Willen.
    Aber diesbezüglich lasse ich mich gerne eines Besseren überzeugen.

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    ...natürlich kann man auch in eine billigere wohnung ziehen, mehr stunden pro woche arbeiten, auf urlaube verzichten und sich von reis und kartoffeln ernähren. dann würde es vermutlich gehen.

    wenn ein kind da ist, nimmt man diese abstriche in kauf und ist sich dessen bewusst, dass allen einschränkungen zum trotz das ganze irgendwie sinn ergibt.

    wenn man sich stattdessen monatelang jeden morgen hormonspritzen in den unterleib bohrt, alle paar tage zum arzt muss, ein erhöhtes krebsrisiko in kauf nimmt und dann eine wahrscheinlichkeit von 75 prozent hat, dass man die prozedur noch einmal durchmachen muss, dann ist die situation eine vollkommen andere.

    bei beiden fällen sind die trade-offs zwischen lebensqualität und dem was man dafür bekommt vollkommen andere. von daher würde ich sagen, dass die these, die sie aufstellen, lediglich eine abstrakte relevanz hat.

    das thema zeigt m.e. ziemlich deutlich, wie stark krankheiten letztendlich gesellschaftlich konstruiert sind. vielleicht brauchen wir gar nicht mehr kohle für ungewollt kinderlose, vielleicht reicht es auch einfach, anders damit umzugehen.

    ...natürlich kann man auch in eine billigere wohnung ziehen, mehr stunden pro woche arbeiten, auf urlaube verzichten und sich von reis und kartoffeln ernähren. dann würde es vermutlich gehen.

    wenn ein kind da ist, nimmt man diese abstriche in kauf und ist sich dessen bewusst, dass allen einschränkungen zum trotz das ganze irgendwie sinn ergibt.

    wenn man sich stattdessen monatelang jeden morgen hormonspritzen in den unterleib bohrt, alle paar tage zum arzt muss, ein erhöhtes krebsrisiko in kauf nimmt und dann eine wahrscheinlichkeit von 75 prozent hat, dass man die prozedur noch einmal durchmachen muss, dann ist die situation eine vollkommen andere.

    bei beiden fällen sind die trade-offs zwischen lebensqualität und dem was man dafür bekommt vollkommen andere. von daher würde ich sagen, dass die these, die sie aufstellen, lediglich eine abstrakte relevanz hat.

    das thema zeigt m.e. ziemlich deutlich, wie stark krankheiten letztendlich gesellschaftlich konstruiert sind. vielleicht brauchen wir gar nicht mehr kohle für ungewollt kinderlose, vielleicht reicht es auch einfach, anders damit umzugehen.

  3. Solange erzählt wird, dass Frauen ihr Heil in der Erwerbsarbeit und sogenannter Karriere suchen sollen, ist gesellschaftlich etwas nicht in Ordnung. Für unsere Vorfahren war das "für Lohn dienen" eine Sache für die Knechte.

    Eigentlich sollten wir von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Gloablisierung profitieren, statt dessen werden wir immer mehr verwertet. Wenn man vor 50 Jahren 6 Kinder hatte muss das auch heute möglich sein. Nicht jeder muss in Erwerbsarbeit gezwungen werden, sondern jene abhängige Beschäftigung muss überwunden werden.

    16 Leser-Empfehlungen
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    "Solange erzählt wird, dass Frauen ihr Heil in der Erwerbsarbeit und sogenannter Karriere suchen sollen, ist gesellschaftlich etwas nicht in Ordnung."

    Es geht ursprünglich nicht um die Verpflichtung zur Arbeit, sondern um die Freiheit der Entscheidung: Eine Frau muss nach eigenem (!) Wissen und Gewissen ihren Lebensweg beschreiten können. Das schließt freie Berufswahl selbstverständlich ein. Das Problem ist, dass das Recht auf die Entscheidung gegen Karriere / Job und für Familie oft als reaktionär angesehen (bzw. bei gleicher Entscheidung des Mannes eher belächelt) wird. Eine höchst kuriose Entwicklung, schreibt sie der Frau doch letztlich auch wieder nur vor, was sie zu tun hat.

    Das alte Ideal der Mann-Job, Frau-Herd & Kind ist genauso überkommen wie das neue Ideal der Super-Eltern die alles unter einen Hut bringen. Jedes Individuum muss für sich selbst entscheiden und mit den Konsequenzen leben können.

    sind 6 Kinder wohl auch, außerdem unentgeltlich verrichtete Arbeit. Sofern sie nicht selbst genug Vermögen hat, um hinreichend Personal bezahlen zu können, ggbfs. ein mindestens 14-Stunden/Tag-Job, ohne Wochenenden, Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc.etc. Ohne eigenes Vermögen wäre sie nicht nur in Abhängigkeit von den Kindern beschäftigt, sondern - sofern vorhanden - vom Vater derselben.

    Da müßte dann schon sehr viel stimmen, um Ihre Aussage 'Wenn man vor 50 Jahren 6 Kinder hatte muss das auch heute möglich sein.' irgendwie sexy finden zu können.
    Es mag auch sein, daß 'man' Kinder 'hatte', geboren wurden und werden sie immer noch von 'frau'.

    ....dem Gelderwerb. wenn Sie so vermögende sind, dass Sie nicht arbeiten müssen: Glückwunsch. Dann brauchen Sie sich auch nicht 'zwingen' lassen.
    Heutzutage ist es aber eher so, dass gut ausgebildete Frauen, deren es ja zum Glück immer mehr gibt, einfach nicht ausgefüllt sind mit KKK - selbst wenn sie mit Buggy joggen und nicht mehr zu Hause eingesperrt sind wie zu früheren Zeiten.
    Eine unzufriedenen Mutter hat es schwerer, eine gute Mutter zu sein.
    Obwohl mein Sohn ein hochwillkommenes Wunschkind ist, und ich gerne Mutter, hat mir schon nach einem Jahr derart viel gefehlt - vor allem kognitive Betätigung.
    Er hat es gut überstanden - im Gegenteil.

    Dass sowas nicht allein an Frauen scheitert, die nicht wollen, sondern immer mehr Vätern. Durch die sich lange ausbreitende Männerfeindlichkeit haben da zwar nicht alle, aber nach und nach immer mehr einfach keine Lust mehr, bleiben lieber kinderlos oder gleich ganz singel, als sich die Qualen der modernen Partnerschaft anzutun. Kenn da allzuviele.

    Andere wollen zwar gern Familien gründen, mit gebildeten Frauen, von denen viele jedoch ein völlig absurdes Anspruchsdenken aufgebaut haben, wozu ein junger Mann schon etwas in der Art "Mr Big" sein müsste.

    Es gibt einfach auch eine Zeungungstreik und zu einer Schwangerschaft braucht es nunmal Frau UND Mann. Jeder für sich gesehen ist da allein ziemlich nutzlos.

    "Solange erzählt wird, dass Frauen ihr Heil in der Erwerbsarbeit und sogenannter Karriere suchen sollen, ist gesellschaftlich etwas nicht in Ordnung."

    Es geht ursprünglich nicht um die Verpflichtung zur Arbeit, sondern um die Freiheit der Entscheidung: Eine Frau muss nach eigenem (!) Wissen und Gewissen ihren Lebensweg beschreiten können. Das schließt freie Berufswahl selbstverständlich ein. Das Problem ist, dass das Recht auf die Entscheidung gegen Karriere / Job und für Familie oft als reaktionär angesehen (bzw. bei gleicher Entscheidung des Mannes eher belächelt) wird. Eine höchst kuriose Entwicklung, schreibt sie der Frau doch letztlich auch wieder nur vor, was sie zu tun hat.

    Das alte Ideal der Mann-Job, Frau-Herd & Kind ist genauso überkommen wie das neue Ideal der Super-Eltern die alles unter einen Hut bringen. Jedes Individuum muss für sich selbst entscheiden und mit den Konsequenzen leben können.

    sind 6 Kinder wohl auch, außerdem unentgeltlich verrichtete Arbeit. Sofern sie nicht selbst genug Vermögen hat, um hinreichend Personal bezahlen zu können, ggbfs. ein mindestens 14-Stunden/Tag-Job, ohne Wochenenden, Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc.etc. Ohne eigenes Vermögen wäre sie nicht nur in Abhängigkeit von den Kindern beschäftigt, sondern - sofern vorhanden - vom Vater derselben.

    Da müßte dann schon sehr viel stimmen, um Ihre Aussage 'Wenn man vor 50 Jahren 6 Kinder hatte muss das auch heute möglich sein.' irgendwie sexy finden zu können.
    Es mag auch sein, daß 'man' Kinder 'hatte', geboren wurden und werden sie immer noch von 'frau'.

    ....dem Gelderwerb. wenn Sie so vermögende sind, dass Sie nicht arbeiten müssen: Glückwunsch. Dann brauchen Sie sich auch nicht 'zwingen' lassen.
    Heutzutage ist es aber eher so, dass gut ausgebildete Frauen, deren es ja zum Glück immer mehr gibt, einfach nicht ausgefüllt sind mit KKK - selbst wenn sie mit Buggy joggen und nicht mehr zu Hause eingesperrt sind wie zu früheren Zeiten.
    Eine unzufriedenen Mutter hat es schwerer, eine gute Mutter zu sein.
    Obwohl mein Sohn ein hochwillkommenes Wunschkind ist, und ich gerne Mutter, hat mir schon nach einem Jahr derart viel gefehlt - vor allem kognitive Betätigung.
    Er hat es gut überstanden - im Gegenteil.

    Dass sowas nicht allein an Frauen scheitert, die nicht wollen, sondern immer mehr Vätern. Durch die sich lange ausbreitende Männerfeindlichkeit haben da zwar nicht alle, aber nach und nach immer mehr einfach keine Lust mehr, bleiben lieber kinderlos oder gleich ganz singel, als sich die Qualen der modernen Partnerschaft anzutun. Kenn da allzuviele.

    Andere wollen zwar gern Familien gründen, mit gebildeten Frauen, von denen viele jedoch ein völlig absurdes Anspruchsdenken aufgebaut haben, wozu ein junger Mann schon etwas in der Art "Mr Big" sein müsste.

    Es gibt einfach auch eine Zeungungstreik und zu einer Schwangerschaft braucht es nunmal Frau UND Mann. Jeder für sich gesehen ist da allein ziemlich nutzlos.

  4. Da hat doch die Natur tatsächlich vorgesehen, das man mit 18 besonders fruchtbar ist und viele Kinder in die Welt setzen könnte, aber man kann nicht weil man Karriere machen muss und so wartet man und wartet während die biologische Uhr tickt. Mit jedem Jahr nimmt die Wahrscheinlichkeit ab. Irgend wann mitte 30 oder später will man dann doch welche aber es klappt nicht mehr. Ich will nicht leugnen, dass es auch Leute gibt, die trotz jungen Alters keine Kinder kriegen, aber ein Großteil versucht mit riesigem Aufwand gegen die natürliche biologische Uhr zu kämpfen. Vielleicht wäre es für alle einfacher wenn die Gesellschaft es den Paaren ermöglicht früher Kinder zu kriegen. Denjenigen bei denen es dann immer noch nicht klappt, kann finanziell unter die Arme gegriffen werden.
    Mann muss den Leuten klar machen, dass man mit Kindern nichts verpasst, auch wenn man sie schon mit Anfang 20 kriegt.
    Persönlich hätte ich kein Problem damit wenn die Kassen alle Kosten übernehmen, nur welchen Sinn macht mit riesigem Aufwand Kinder in die Welt zu setzen und den Schuldenberg den wir ihnen hinterlassen dabei nur noch größer werden zu lassen?

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    Man kann und sollte es niemandem vorschreiben, in welchem Alter man/frau das erste Baby bekommen sollten. Bei den Partnerschafts-Problemen heutzutage ist ja schon die erste Schwierigkeit, sich überhaupt zusammen zu ...ähm... raufen. Den/die Richtige treffen viele eben nicht schon mit 18. Ich denke, es ist bei jedem Menschen unterschiedlich und auch ein Stück weit Schicksal, wann das erste Kind kommt. Niemánd sollte sich unter Druck setzen. Wenn es für das Kind kein unverantwortlich großes gesundheitliches Risiko gibt, warum nicht mit 40.

    "Mann muss den Leuten klar machen, dass man mit Kindern nichts verpasst..." ein "Freud'scher Verschreiber? ;-)
    Im Übrigen, ist es denn so, dass man (frau) mit Kindern nichts verpasst?
    Es macht immer wieder Spaß, mit Männern über dieses Thema zu diskutieren... ;-)

    Zum Artikel: Kinderlosigkeit sollte als Krankheit aufgefasst und demnach deren Behandlung durch die Kassen gedeckt werden. Es scheint mir aber ein Widerspruch zu sein, dass in unserem wohl unbestritten ziemlich kinderfeindlichen Land ausgerechnet Kinderlose automatisch ins Abseits geraten sollen. Das habe ich noch nicht erlebt, auch nicht, dass sich noch irgendjemand dafür rechtfertigen muss, keine Kinder zu haben bzw zu wollen. Das kommt wohl ganz auf das Umfeld an. Wichtig ist sicher, sich nicht zu sehr von der Meinung anderer abhängig zu machen (vor allem, was so etwas Scheußliches wie ein "After-baby-body" à la Victoria Beckham betrifft).

    Und doch scheinen es die meisten nicht begriffen zu haben. Den Kampf gegen die biologische Uhr kann man natuerlich nicht gewinnen. Tatsachlich handeln viele Paare abei bei der "Kinderplanung" aehlich wie bei wirtschaftlichen Uberlegnungen. Allein das wort "Kinderplanung" ist schon ein absurdes Wort.
    Ein Kind zu zeugen ist nicht wie Haus bauen oder Auto kaufen. Wenn amn dann mit 35 "uberrascht" ist, dass es nicht funktioniert wie bei einer ebay Bestellung, dann soll die Gesellschaft fuer diese absurde Lebensplanung einspringen und die kuenstlichen Befruchtungen bezahlen?!
    Das Grundproblem ist unser westliches Gesellschaftssystem, das noch immer äussert Frauenfeidlich ist und keinen Platz für Kinder bekommen vorsieht. Profit, Effiziens und Zinseszins kommen noch immer zuerst.

    Es ist tatsächlich fragwürdig, inwieweit der Staat und Medizin hier mit teilweise auch extrem riskanten und ehtisch heiklen Methoden etwas ausbügeln sollen, nur weil unsere Gesellschaft es nicht gebacken bekommt, die biologische Uhr bei der Planung von Lebensleitbildern ernst zu nehmen. Erst werden Pillen geschluckt, um Sexualität und Fruchtbarkeit zu trennen, und dann muss wieder die Medizin ran, wenn die alten und vorher mit Hormonen malträtierten Körper nicht mehr fruchtbar sind.

    Leider kommen in dem Artikel überhaupt nicht die extremen Wirkungen der Hormontherapien und IVF-Geschichten zur Sprache. Ich kenne etliche, die sagten, wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse, hätten sie den medizinischen Trip nicht mitgemacht.

    Massen von Leuten warten in Deutschland, ein Kind adoptieren zu können und zugleich werden jährliche zehntausende Kinder abgetrieben. Das sollte auch mal im Blick sein!

    Der psychische Druck auf ungewollt Kinderlose ist tatsächlich enorm. Das bennent der Artikel richtig. Wir haben uns bewusst gegen IVF entschieden und mussten sehr dafür rechtfertigen, nicht alles zu versuchen. Aber: Kinder sind ein Geschenk, keine Ware.

    Man kann und sollte es niemandem vorschreiben, in welchem Alter man/frau das erste Baby bekommen sollten. Bei den Partnerschafts-Problemen heutzutage ist ja schon die erste Schwierigkeit, sich überhaupt zusammen zu ...ähm... raufen. Den/die Richtige treffen viele eben nicht schon mit 18. Ich denke, es ist bei jedem Menschen unterschiedlich und auch ein Stück weit Schicksal, wann das erste Kind kommt. Niemánd sollte sich unter Druck setzen. Wenn es für das Kind kein unverantwortlich großes gesundheitliches Risiko gibt, warum nicht mit 40.

    "Mann muss den Leuten klar machen, dass man mit Kindern nichts verpasst..." ein "Freud'scher Verschreiber? ;-)
    Im Übrigen, ist es denn so, dass man (frau) mit Kindern nichts verpasst?
    Es macht immer wieder Spaß, mit Männern über dieses Thema zu diskutieren... ;-)

    Zum Artikel: Kinderlosigkeit sollte als Krankheit aufgefasst und demnach deren Behandlung durch die Kassen gedeckt werden. Es scheint mir aber ein Widerspruch zu sein, dass in unserem wohl unbestritten ziemlich kinderfeindlichen Land ausgerechnet Kinderlose automatisch ins Abseits geraten sollen. Das habe ich noch nicht erlebt, auch nicht, dass sich noch irgendjemand dafür rechtfertigen muss, keine Kinder zu haben bzw zu wollen. Das kommt wohl ganz auf das Umfeld an. Wichtig ist sicher, sich nicht zu sehr von der Meinung anderer abhängig zu machen (vor allem, was so etwas Scheußliches wie ein "After-baby-body" à la Victoria Beckham betrifft).

    Und doch scheinen es die meisten nicht begriffen zu haben. Den Kampf gegen die biologische Uhr kann man natuerlich nicht gewinnen. Tatsachlich handeln viele Paare abei bei der "Kinderplanung" aehlich wie bei wirtschaftlichen Uberlegnungen. Allein das wort "Kinderplanung" ist schon ein absurdes Wort.
    Ein Kind zu zeugen ist nicht wie Haus bauen oder Auto kaufen. Wenn amn dann mit 35 "uberrascht" ist, dass es nicht funktioniert wie bei einer ebay Bestellung, dann soll die Gesellschaft fuer diese absurde Lebensplanung einspringen und die kuenstlichen Befruchtungen bezahlen?!
    Das Grundproblem ist unser westliches Gesellschaftssystem, das noch immer äussert Frauenfeidlich ist und keinen Platz für Kinder bekommen vorsieht. Profit, Effiziens und Zinseszins kommen noch immer zuerst.

    Es ist tatsächlich fragwürdig, inwieweit der Staat und Medizin hier mit teilweise auch extrem riskanten und ehtisch heiklen Methoden etwas ausbügeln sollen, nur weil unsere Gesellschaft es nicht gebacken bekommt, die biologische Uhr bei der Planung von Lebensleitbildern ernst zu nehmen. Erst werden Pillen geschluckt, um Sexualität und Fruchtbarkeit zu trennen, und dann muss wieder die Medizin ran, wenn die alten und vorher mit Hormonen malträtierten Körper nicht mehr fruchtbar sind.

    Leider kommen in dem Artikel überhaupt nicht die extremen Wirkungen der Hormontherapien und IVF-Geschichten zur Sprache. Ich kenne etliche, die sagten, wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse, hätten sie den medizinischen Trip nicht mitgemacht.

    Massen von Leuten warten in Deutschland, ein Kind adoptieren zu können und zugleich werden jährliche zehntausende Kinder abgetrieben. Das sollte auch mal im Blick sein!

    Der psychische Druck auf ungewollt Kinderlose ist tatsächlich enorm. Das bennent der Artikel richtig. Wir haben uns bewusst gegen IVF entschieden und mussten sehr dafür rechtfertigen, nicht alles zu versuchen. Aber: Kinder sind ein Geschenk, keine Ware.

  5. 7. hm,...

    ...natürlich kann man auch in eine billigere wohnung ziehen, mehr stunden pro woche arbeiten, auf urlaube verzichten und sich von reis und kartoffeln ernähren. dann würde es vermutlich gehen.

    wenn ein kind da ist, nimmt man diese abstriche in kauf und ist sich dessen bewusst, dass allen einschränkungen zum trotz das ganze irgendwie sinn ergibt.

    wenn man sich stattdessen monatelang jeden morgen hormonspritzen in den unterleib bohrt, alle paar tage zum arzt muss, ein erhöhtes krebsrisiko in kauf nimmt und dann eine wahrscheinlichkeit von 75 prozent hat, dass man die prozedur noch einmal durchmachen muss, dann ist die situation eine vollkommen andere.

    bei beiden fällen sind die trade-offs zwischen lebensqualität und dem was man dafür bekommt vollkommen andere. von daher würde ich sagen, dass die these, die sie aufstellen, lediglich eine abstrakte relevanz hat.

    das thema zeigt m.e. ziemlich deutlich, wie stark krankheiten letztendlich gesellschaftlich konstruiert sind. vielleicht brauchen wir gar nicht mehr kohle für ungewollt kinderlose, vielleicht reicht es auch einfach, anders damit umzugehen.

  6. Kinderkriegen bleibt teuer. Das war ohne Pille nicht so zu bemerken, wie mit Pille, seit der Menschen ihre produktiven Jahre vollends ausschöpfen können. Man hat mehr Zeit für den Job. 5 Jahre Berufserfahrung bringen einen finanziell weiter als 5 Jahre alte Kinder.

    Die berechtigte Frage ist, ob finanzielles Weiterkommen eben alles ist. Nun sind wir in einem Zeitalter in der mehr Menschen sich dieser Frage entziehen bis es droht zu spät zu werden, so ab 40. Ein Gebäralter, dass nicht die beste Kindesgesundheit bedeutet. Das kostet.

    Das Kinderkriegen und Adoptieren an ein Alter zu koppeln, riecht nach Eugenetik. Es den Familienstand zu koppeln, stark nach CDU. Aber: Dem Rest der Gesellschaft die Kosten aufzubürden, die andere Eltern durch das Aufschieben ihrer persönlichen Sinnfrage verursachen, klingt auch nicht fair.

    In sofern verstehe ich, warum die Politik so entscheiden hat: Wenn wir dir schon sämtliche Kinderkrankheiten bezahlen, verlang von uns doch bitte nicht noch das Geld, mit dem du das Kinderkriegen auf das Alter 60 vertagen kannst (was noch mehr Kinderkrankheiten bedeutet).

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