Von einem Moment auf den anderen verfliegt jede Hoffnung. Als Maja und Philipp Sand den ernsten Blick des Arztes sehen, ist ihnen die Diagnose klar. Maja Sand, 25, fängt an zu weinen, ihr Mann Philipp, 28, nimmt sie in den Arm. Die jungen Eltern hatten gehofft und gebetet, dass der Fötus diesmal gesund sein würde. Dass ihr Kind ein Leben vor sich habe, wie jedes andere auch. Doch der Befund im Krankenhaus ist eindeutig: Trisomie 21, Down-Syndrom.

Zwei Monate liegt diese Diagnose nun zurück. Maja und Philipp Sand hatten sich bewusst für eine frühzeitige Fruchtwasseruntersuchung entschieden, weil bereits ihr erstes Kind, der dreijährige Dominik, am Down-Syndrom leidet. Ein zweites behindertes Kind konnten sich die jungen Eltern eigentlich nicht vorstellen. Auch ihr Arzt riet zur Abtreibung. Es wäre "nur vernünftig", hat er gesagt. Doch heute ist Maja Sand im 8. Monat und sie und ihr Mann Philipp können die Geburt kaum erwarten.

Um sich doch für das Kind zu entscheiden, habe ein Gedanke an ihren Sohn Dominik gereicht, sagen beide. Während die Eltern in der schmalen Küche ihrer Vier-Zimmer-Altbauwohnung im Hamburger Uni-Viertel sitzen, rutscht der Dreijährige auf Knien unter dem Esstisch umher. "Manchmal muss man ihn daran erinnern, dass er schon laufen kann", sagt Philipp Sand. Dominik hat es vor wenigen Monaten gelernt. Noch immer ist er wackelig auf den Beinen.

Während Kleinkinder ohne Behinderung in der Regel bereits nach einem Jahr die ersten Schritte wagen, benötigen Gleichaltrige mit Down-Syndrom meist doppelt so viel Zeit dafür. Weil sie über weniger Muskelkraft verfügen, dauern motorische Lernprozesse umso länger. Auch Dominiks Sprachentwicklung ist verzögert: Oft sind es nur Laute oder Silben, die der Junge von sich gibt. Ob er jemals lesen und schreiben lernen wird, kann heute noch niemand sagen. Sicher ist hingegen, dass Dominiks geistige Behinderung nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Eltern ein Leben lang begleiten wird.

"Wir kennen unsere Verantwortung", sagt Maja Sand. Sie hoffe, dass ihre Kinder eines Tages einen Schulabschluss machen, einen Job ausüben und ein halbwegs normales Leben führen können. Doch stellten sie und ihr Mann sich auch darauf ein, "dass unsere Kinder immer jemanden brauchen werden, der sich um sie kümmert."

Tatsächlich ist die intellektuellen Leistungsfähigkeit von Menschen mit Down-Syndrom enorm unterschiedlich: Etwa die Hälfte aller Betroffenen sind bei entsprechender Förderung durchaus in der Lage, Fähigkeiten im unteren Normbereich zu entwickeln und ein weitgehend eigenständiges Leben zu führen. Andere dagegen sind geistig so schwer behindert, dass sie auch im Erwachsenenalter der Fürsorge eines Kleinkinds bedürfen.

Maja Sand sagt, sie habe keine Angst, nur Respekt vor der Aufgabe und natürlich auch viele Sorgen. Doch die Entscheidung für das zweite Kind würden sie zu keiner Sekunde bereuen. "Was wir jetzt erleben, ist Familienglück, nur anders. Dominik gibt uns jeden Tag das Doppelte zurück", sagt sie. Mit der ersten Schwangerschaft hat sie ihr Biologie-Studium abgebrochen, um rund um die Uhr für ihr Kind da zu sein.