Adoption : Immer weniger Kinder werden adoptiert

Vor 20 Jahren wurden in Deutschland noch fast doppelt so viele Kinder adoptiert wie heute. Ein Grund: Leibliche Eltern werden inzwischen besser unterstützt.

Madonna oder Angelina Jolie – Kinder adoptieren scheint ein Trend zu sein. Nicht so in Deutschland. Hier hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Adoptionen fast um die Hälfte verringert. Sie ist laut Statistischem Bundesamt von etwa 7.100 im Jahr 1991 auf rund 4.000 im Jahr 2010 gesunken.

Im vergangenen Jahr zeigte die Statistik zwar einen leichten Anstieg, aber der gilt nicht für Kinder, die eine komplett neue Familie finden müssen. Gisela Rust von der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle in Norddeutschland erklärt, dass vor allem die Zahl der Kinder, die von einem Stiefvater, einer Stiefmutter oder von Verwandten adoptiert wurden (im Schnitt etwa 50 Prozent) im vergangenen Jahr so hoch ausfiel, dass das die Gesamtzahl nach oben getrieben hat. Erneut gesunken ist aber die Zahl der sogenannten Fremdadoptionen. Das gilt auch für die Auslandsadoptionen, die über staatliche Stellen abgewickelt wurden; sie wurden mitgezählt.

In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren, deshalb werden auch weniger Kinder zur Adoption freigegeben. Doch reicht der  demografische Wandel nicht aus, um die extrem gesunkenen Adoptionszahlen zu erklären. Woran liegt es noch? Brauchen viele Kinder keine Adoptiveltern mehr, oder finden sie keine adoptionswilligen Eltern?

Unterstützung für die Väter

Wissenschaftliche Auswertungen dazu gibt es nicht. Rodika Quilitz von der Adoptionsstelle der Berliner Senatsverwaltung aber hält diese Entwicklung aus ihrer Erfahrung für überwiegend positiv, denn die Kinder bleiben häufiger bei ihren leiblichen Eltern. Deren Rechte seien gestärkt worden, Familien würden heute besser unterstützt – finanziell und mit ambulanten Erziehungshilfen, sagt sie. Die Jugendämter sähen ihre Aufgabe eher im Beraten als im Kontrollieren. Quilitz sagt: "Eine große Rolle spielt auch, dass die Väter ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen. Es geschieht viel öfter als früher, dass sie die Kinder versorgen, wenn die Mutter es nicht schafft."

Auch Rust aus Hamburg sagt, die soziale Situation für Alleinstehende sei nicht mehr so abschreckend. Außerdem schaue man inzwischen mehr auf die einzelne Biografie: "Heute würde man einer 18-jährigen Abiturientin nicht mehr raten, ihr Kind zur Adoption freizugeben, sondern sie unterstützen, zum Beispiel in Mutter-Kind-Heimen oder durch eine vorübergehende Pflege."

Weniger ungewollte Kinder

Es kommen also viele Faktoren zusammen. Im Osten Deutschland zum Beispiel gab es laut Quilitz vor 20 Jahren einen sprunghaften Anstieg der Adoptionen. Denn nach dem Mauerfall waren viele Schwangere so verunsichert, dass sie sich nicht zutrauten, ein Kind aufzuziehen. Dieses Phänomen trägt dazu bei, dass die Adoptionszahlen vor 20 Jahren so hoch waren. Die Angst legte sich aber bald; viele Mütter, die ihre Kinder damals zur Adoption freigaben, bereuen ihren Schritt heute sehr.

Heute kommen, das ist ein weiterer Faktor, aufgrund besserer Verhütung oder auch durch Abtreibungen auch weniger ungewollte Kinder zur Welt als früher.

Trotzdem ist Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten kein Paradies für Kinder geworden. Quilitz erklärt: "Es gibt trotz all der Hilfen Eltern, die, weil sie vielleicht selbst wichtige Dinge nicht erfahren haben, über begrenzte Möglichkeiten verfügen, und denen man den verantwortlichen Umgang mit Kindern auch nicht nahe bringen kann." In diesen Fällen nehmen die Jugendämter die Kinder seit den Aufsehen erregenden Fällen von getöteten und verhungerten Kindern sogar schneller aus der Familie als früher.

Doch adoptiert werden diese Kinder meistens nicht. Rust sagt: "Der Staat hat das Recht, ein Kind woanders unterzubringen, wenn es schlecht behandelt wird. Aber das Recht der Eltern, dass das Kind ihr Kind ist, kann man ihnen nur in den seltensten Fällen nehmen." Und so werden diese Kinder in Pflegefamilien untergebracht, die laut Rust inzwischen händeringend gesucht werden.

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Kommentare

90 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Zeit, die Adoption auch für Homosexuelle zu ermöglichen

Diese haben überhaupt keine andere Wahl als die Adoption, wenn sie gemeinsam Kinder großziehen wollen. Warum stellen wir uns noch immer quer statt queer? Den Kindern würde es viel besser gehen. Denn nachteilige Folgen für die Entwicklung von Kindern homosexueller Eltern wurden in anderen Ländern immer wieder versucht nachzuweisen, konnten jedoch nicht gefunden werden. Warum sperrt sich unser Staat, ja auch unser Volk, so vehement gegen derartige Veränderungen?

Mir scheint: wer Homosexuellen das Adoptionsrecht abspricht, der schadet mit seiner Homophobie unschuldigen Kindern.

Das hat nichts mit Homophobie zu tun

Guten Abend bzw. guten Morgen,

ich finde nicht, daß es Homophobie ist. Ich finde es falsch nur auf das Paar (männlich bzw. weiblich) zu gucken, daß adoptieren möchte, sondern es muß auch darum gehen, wie sind die Umstände unter denen ein Kind groß wird.
Es fehlt in beiden Fällen ein wichtiger elementarer Bestandteil für das Großwerden eines Kindes, entweder der männliche oder der weibliche Teil.

Auch das ist widerlegt.

»Es fehlt in beiden Fällen ein wichtiger elementarer Bestandteil für das Großwerden eines Kindes, entweder der männliche oder der weibliche Teil.«

Die Kinder wachsen nicht in "Homo-Ghettos" auf. Onkel und Tanten, Oma und Opa ... alles ist da.

Wenn das fehlen des anderen Geschlechts so ausschlaggebend wäre, dann dürften auch keine Alleinstehende Kinder großziehen - egal welcher Coleur

Oma, Opa und Alleinstehende

Wenn ich von unserem Familienleben(Frau, Mann, zwei Kinder) ausgehe, dann sind Oma, Opa und die Tanten und Onkel nicht mal eben um die Ecke. Wir haben unser Familienleben oder unseren normalen Alltag mit Arbeit und Schule und normalerweise ist es das dann auch gewesen. Selbst wenn sie in der Nähe wohnen würden, möchte man selbst mal Ruhe und die Verwandtschaft wahrscheinlich auch. Es reicht, wenn sie ab und zu zu Besuch kommen, mehr ist zeitlich nicht drin.
Ich finde, wir sind eine stinknormale Familie, genauso wie Homosexuelle es auch machen würden. Und insofern hat die Verwandtschaft nicht den großen Einfluß auf die Kinder bzw. kann den fehlenden Teil ersetzen. Das wird überschätzt, denke ich.

Wenn das Kind noch sehr klein ist, wenn die Eltern sich trennen und das Kind bleibt sehr lange mit dem einen Teil alleine, dann merkt man es schon, daß das Kind auf den jeweiligen Teil sehr fixiert ist.

Genau solche unqualifizierten Aussagen wie die ihrige sind das Problem. Nennen Sie mir bitte einen Beleg dafür, dass Kindern es schadet, ohne Vater bzw. Mutter aufzuwachsen. Insbesondere gibt es bei LGBT-Paaren nicht selten genau dieselbe Rollenverteilung, sodass Kinder gar nicht ohne männliche bzw. weibliche Elternrolle aufwachsen würden! Auch wenn das, wie gesagt, ohnehin nur Humbug ist, dass ein Kind diese beiden Rollen braucht. Hier empfiehlt sich auch Kommentar 4.

Insbesondere sollte man hier auch sehen, wie die Alternative aussieht: auf die reine Gefahr hin, dass ein bisschen eine Mutter- oder Vaterrolle zu wenig da ist, sollen die Kinder also lieber im Heim bleiben, wo sie gar nichts von beidem haben? [...]

Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

Das streitet keiner ab, aber ...

... es als Massstab zu nehmen finde ich nicht fair, zumal Sie ja auch nur in einer modifizierten Form von Familie leben, die man erst seit den Weltkriegen lebt.

Normen ändern sich, knapp 20% sind alleinerziehend und jedes 4. Kind kommt außerehelich zur Welt.

Idealvorstellungen und evtl. religiöse Moralvorstellungen gehen an der Realität vorbei. Wer das Beste für die Kinder will, der darf sie nicht im Stich lassen. Wenn auch nur ein Kind in stabile ihn liebende Verhältnisse kommt, raus aus den Heimen oder unsicheren (da nicht für immer) Pflegschaften, dann ist das ein Argument für die Adopition auch von Gleichgeschlechtlichen Menschen.

Homosexuelle, die besseren Eltern?

"Mir scheint: wer Homosexuellen das Adoptionsrecht abspricht, der schadet mit seiner Homophobie unschuldigen Kindern."

Äh, warum das? Es gibt genügend heterosexuelle Bilderbuch Ehen, die sich um ein Adoptivkind bemühen damit jedes Adoptivkind in eine solche vermittelt werden kann.

Warum also sollte es den Kindern viel besser gehen? Dafür müssten Sie schon beweisen, das Homosexuelle, die viel besseren Eltern sind und nicht einfach nur das sie genauso gute Eltern sein können wie heterosexuelle Paare.

Alleinstehende dürfen sehr wohl adoptieren! Ja, hier in Deutschland! Das ist ja gerade das unverständliche, bescheuerte: einem einzelnen Menschen erlaubt man es, auch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft kann man - als Einzelperson! - ein Kind adoptieren. Es ist völlig unverständlich, warum es in Deutschland eben keine Möglichkeit gibt, als Homo-Paar gemeinsam ein Kind zu adoptieren. Obwohl hier doch in keinem Fall eine schlechtere Situation vorliegt als bei einem Alleinstehenden...

Damit wäre Ihr Argument jedenfalls vollständig widerlegt. Fällt Ihnen jetzt endlich auf, wie bigott das deutsche Recht an dieser Stelle ist.

Das ist schlichtweg Quatsch...

denn wenn sich eine oder ein Alleinstehender beim Jugendamt meldet, sich um eine Adoption eines nicht mit ihm verwandten oder über eine Auslandsagentur eingeschleppten Kindes bewirbt, wird es keine Adoption geben.

Vor dieser einen Person selbst mit schönster Ausstattung und Absicherung, nettem Umfeld und pädagogischer Ausbildung stehen Ehepaare, die im richtigen Alter sind und einem Kind eine Familie bieten können.

Eine alleinstehende Bewerberin oder ein Bewerber werden nie über das normale Verfahren ein Kind bekommen und das ist Fakt.

Genau, und wer ist das Umfeld?

»... sondern darum Kinder an Orte zu vermitteln, die ihnen gut tun und nicht gerade zusätzliche Probleme aufgrund Umfeld oder Konstellation zu verursachen.«

Wer ist für die Konstellation verantwortlich? Die "normale" Gesellschaft, die (wahscheinlich aus lauter Liebe) diese Kinder diskriminieren will. Aus dem gleichen Grund werden homosexuelle Jugendliche gemoppt und als "schwule Sau" und weiteren liebenswerten Titeln bezeichnet.

Zu behaupten, es wäre kein Problem mit homosexuellen Eltern

aufzuwachsen, halte ich für falsch, wie ich es auch in unserem Umfeld mit Kindern plus zwei Frauen und einem Vater ausserhalb sehe.

Die Probleme kommen dabei weniger vom sehr aufgeschlossenen Umfeld als vielmehr aus der Auseinandersetzung der Kinder mit dieser Situation, die sie mitnichten als normal auffassen und das, obwohl sie dahinein geboren wurden und in einer stabilen Beziehung aufwachsen, in der es ihnen an nichts fehlt.

Die Kinder sind ablehnender als das Umfeld und eins davon wird dieses Konstrukt wohl verlassen, weil es nicht mehr geht.

Warum müssen Homosexuelle mehr leisten?!

Das hier geht auch @14:
Ich behaupte nichts anderes, als dass sie gleich gute Eltern sind. Wenn das so ist, sehe ich neben Homophobie keinen Grund mehr, Ihnen das Adoptionsrecht zu verwehren. Warum sollten Homosexuelle mehr leisten müssen, um das Gleiche zu erreichen? Sowas nennt man Diskriminierung!

Ansonsten stimmt es zwar, dass es wesentlich mehr Bewerber gibt als Kinder, die tatsächlich adoptiert werden. Es ist aber ein Trugschluss, hiervon auf eine Übersättigung zu schließen: Kinder, für die eine Familie gesucht wird, gibt es wesentlich mehr (siehe Artikel!).

Die Auflagen an die Bewerber sind allerdings sehr streng, sodass viele gar nicht in Frage kommen. Außerdem wollen die meisten Eltern Kinder im Säuglingsalter adoptieren, wie ja auch die Zahlen von #14 zeigen. Der weitaus größere Teil der Kinder ist älter. Diese Kinder zu adoptieren ist natürlich unwesentlich schwieriger und so gibt es nicht viele Adoptionsbewerbungen, die auch bereit sind ältere Kinder aufzunehmen. Ähnlich verhält es sich z.B. bei behinderten Kindern. Hier werden Adoptiveltern händeringend gesucht. Daher gibt es also insgesamt noch viel zu wenige Bewerber!

Mir will abschließend auch nicht einleuchten, weshalb ein stärkerer Wettbewerb durch mehr Bewerber den Kindern schaden sollte. Falls ein Homo-Paar nach dem strengen Auswahlverfahren als besser geeignet erscheint, wo liegt dann das Problem? Das sollte man im Einzelfall prüfen, anstatt pauschal dagegen zu sein. Alles andere schadet den Kindern!

Wo ist der Belang?

Glückwunsch,
Sie saßen zur rechten Zeit am Rechner, und da haben Sie es geschafft, Ihr Thema im Kommentar Nr. 1 zu platzieren.
Das Thema ist virulent, das weiß man ja.
Ihre Aussage:
"Diese haben überhaupt keine andere Wahl als die Adoption"

Im Artikel geht es um die Belange der Kinder, wie um die der freigebenden oder auch nicht freigebenden Eltern. Auch die "bessere Verhütung" und Abtreibung wird erwähnt.

Erklären Sie mir bitte die logische Brücke, die Sie zwischen diesen Themen und den Belangen der Homosexuellen herstellen.

Es geht um die Kinder. Und wenn die Fall-Zahlen sinken, dann ist das ein Faktum.

Mit Ihrem Statement unterstützen Sie die Wahrnehmung, daß es "den Homosexuellen" (zumindest soweit "sie" im politischen Leben in Erscheinung treten) zuallererst um sich geht.

Vielleicht liegt das ja genau am Umfeld

Vielleicht haben es die Kinder ja genau deswegen schwer, weil ihr Umfeld sie spüren lässt, dass das nicht normal ist? Die Kausalität bei der Familienform zu sehen ist an dieser Stelle ja schwierig. Was "normal" ist, definiert ausschließlich die Gesellschaft. Insofern: packen Sie sich mal an die eigene Nase!

Und: ich kenne einen ebenso gehaltenen Fall, in dem es prächtig läuft. Insofern gilt mal aber wieder wie so oft: persönliche Erfahrungen von Einzelfällen haben keinerlei Relevanz, wenn man ein allgemeines Thema bespricht. Nennen Sie mir eine Studie, die eine Schädlichkeit solcher Familien nachweist, oder lassen Sie die unqualifizierten Aussagen. Für Studien die das Gegenteil belegen, siehe z.B. auf #20 verwiesen. Sie sind jetzt in der Bringpflicht.

Stimmt, das Umfeld ist bestimmt zu offen, zu liberal,

zu was weiß ich was... dass die Kinder mitsamt den Frauen zu Kindergeburtstagen eingeladen wurden, dass sie in Hetero-Familien und bei allein erziehenden ein- und ausgingen war bestimmt hinderlich.

Dass Großeltern, Onkel und Tanten mit den Kindern umgehen und der Vater auch nicht zur Szene gehört, noch dazu ein Mann ist, sollte man auch als Teil eines negativen Umfeldes überdenken.

Bestimmt wäre es besser in einer rein queeren Community die Kinder aufwachsen zu lassen, um keine anderen Familienformen als lebbar zu zeigen...

Herr hilf!

Klarstellung

Was ich damit meinte, war: bei Homosexuellen gibt es ein sehr großes, ungenutztes Potenzial an Menschen, die gerne Kinder adoptieren würden. Vielen Kindern könnte so eine echte Familie gegeben werden, anstatt das Leben im Heim. Denn wie ich bereits ausgeführt habe, gibt es doch zu wenige Menschen, die Kinder adoptieren (sonst würden nicht so viele Kinder keine Familie finden, wie im Artikel deutlich beschrieben).

Ich meinte nicht, dass man dies für Homosexuelle tun soll. Wie Sie auch im weiteren Verlauf der Diskussion sehen, argumentiere ich stets über das Kindeswohl sowie die ebenso gute Eignung homosexueller Paare für die Elternrolle. Ich bin durchaus der Überzeugung, dass von Homosexuellen an dieser Stelle mehr zu erwarten (und nicht nur das gleiche) eine Diskriminierung darstellt. Das ist aber auch alles.

Wenn Sie mutmaßen, tue auch ich das

Ich habe an keiner Stelle gefordert, dass für ein "normales" Umfeld notwendig wäre, dass man in einer queeren Community aufwächst. Wenn das Umfeld so schön bunt und vielfältig ist und die Menschen tatsächlich offen miteinander umgehen, ist das schön. Auf der anderen Seite gibt es offenbar Skeptiker wie Sie, die sowieso schon immer gewusst haben, dass das nicht gut gehen kann. Meinen Sie, das konnten Sie im Umgang ignorieren und verstecken?

Es ist aber bezeichnend: wenn in einer heterosexuellen Partnerschaft irgendetwas schief läuft, dann ist es z.B. ein schwieriges Kind oder die Lebensumstände. Wenn die Partnerschaft von dieser Norm abweicht, dann wird als Grund für das Scheitern automatisch die alternative Lebensform ausgemacht. Siehe auch: http://xkcd.com/385/

Warum dann ein unterschiedliches Gesetz?

Selbst wenn man Ihrer These folgt, dass Alleinstehende ohnehin keine Kinder adoptieren können, sondern das nur vor dem Gesetz dürfen: warum muss man dann zwischen Ihnen und homosexuellen Paaren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft einen juristischen Unterschied machen, bzw. sie juristisch den Homosexuellen bevorzugen?

Man muss entweder fordern, Alleinstehenden das Adoptionsrecht zu nehmen oder es homosexuellen Paaren zu ermöglichen. Alles andere ist eine klare Doppelmoral.

Sie erleben Ihr Umfeld als Ihre Norm und ...

... übertragen diese Einzelnorm auf die gesamte Gesellschaft.
1. Gibt es genügend z.T. ausl. Studien darüber, dass es nicht so ist.
2. Kennen Sie die genauen Gründe bei Ihrem Beispiel, Psychologische Gutachten, schulische Probleme etc.?
3. Auch in Deu. gibt es viele Kinder die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, nur eben ohne Rechte. Dennoch ist die Mehrzahl der Suizide unter Kindern/Jugendlichen bei "Heteroeltern" viel höher.

Wie ich bereits in #25 schrieb: Wo liegt das Problem Allen das gleiche Recht zuzusprechen, das heißt ja noch lange nicht, dass einem Paar ein Kind zugesprochen wird - dafür gibt es doch die strengen Auswahlregeln.

Es geht um die Abschaffung der legalen Diskriminierung

Nein geht es nicht

"Es geht um die Abschaffung der legalen Diskriminierung"

Da liegt der Unterschied zu heterosexuellen Eltern. Die betrachten die Situation nämlich aus der Lage des Kindes heraus.

Beim Adoptionsrecht geht es nicht darum, Erwachsenen zu ihrem Recht zu verhelfen, das Mutter Natur ihnen "verweigert". Es geht vielmehr darum, benachteiligten - und zur Adoption freigegebenen - Kindern zu einem optimalen Elternhaus zu verhelfen, das nunmal aus Vater und Mutter besteht.

Der Vergleich mit Alleinerziehenden zieht hier nicht, denn dieser Status wird uns ja auch täglich als schlimmste aller Notlösungen medial um die Ohren geklatscht. Also kann es nicht im Sinne der Gesellschaft sein, noch eine weitere dieser Notlösungen zum Standard zu erklären.

Es ist schon schlimm genug, dass Alleinerziehende aufgrund der Konstellation vieles nicht leisten können und wir somit eine vaterlose Gesellschaft aufziehen. Dann braucht es nicht noch so ein Konstrukt.

Am Adoptionsrecht aktuell kann man höchstens kritisieren, dass zu wenig Kinder freigegeben werden, was auch damit zu tun hat, dass die Einrichtungen mit jedem adoptierten Kind entsprechend weniger Zuschüsse bekommen. Es gibt also durchaus ureigene Interessen, Kinder in den Institutionen zu halten.

Pflegekinder

"Ich behaupte nichts anderes, als dass sie gleich gute Eltern sind."

Sie haben es würde den Kindern viel besser gehen, wenn Homosexuelle adoptieren dürften. Das ist angesichts der

"Warum sollten Homosexuelle mehr leisten müssen, um das Gleiche zu erreichen?"

Müssen sie nicht, aber behaupten Sie doch bitte nicht es ginge um das Wohl der Kinder, wenn es in Wirklichkeit um das Wohl der Homosexuellen mit Adoptionswunsch geht. Für das Wohl der Kinder ist es ziemlich egal, ob man die Adoption durch Homosexuelle erlaubt oder nicht.

"Kinder, für die eine Familie gesucht wird, gibt es wesentlich mehr (siehe Artikel!)."

Es gibt viele Kinder für die eine Pflegefamilie gesucht wird, das ist etwas anders als ein Adoption, und etwas bei dem auch homosexuelle Paare durchaus Chancen haben.

Wer soll das beurteilen?

Eine Freundin wurde vor 30 Jahren als Kind einer jugendlichen Mutter in eine deutsche kinderlose Akademiker-Bilderbuchfamilie adoptiert.

Wenige Jahre trennten sich die Adoptiveltern, der Adoptivvater musste wegen Alkoholsucht in Behandlung.

Die Adoptiveltern wurden sorgfältig vom Jugendamt ausgesucht.

Unterstützung für die jugendliche Mutter wäre möglicherweise sinnvoller gewesen.

Wer weiß das schon.

Elternschaft ist immer ein Experiment.

zwei Beispiele (1)

"wenn sich eine oder ein Alleinstehender beim Jugendamt meldet, sich um eine Adoption eines nicht mit ihm verwandten oder über eine Auslandsagentur eingeschleppten Kindes bewirbt, wird es keine Adoption geben."

Das ist leider (aus meiner Erfahrung heraus) richtig. Die Jugendämter sind anscheinend der Meinung, dass die ausländischen Waisenkinder lieber in ihren Heimatländern unter unwürdigsten Bedingungen in Heimen verkommen sollen, als dass Alleinerziehende oder homosexuelle Paare sie in Deutschland adoptieren. Dabei werden die extrem hohen Suizidraten von Heimkindern in anderen Ländern und die Todesfälle aufgrund unzureichender medizinischer Versorgung dort in Kauf genommen. Zwei Beispiele:
1) Ein an Mukoviszidose erkranktes russisches Kind (10 Jahre alt) lebt in einem russischen Kinderheim. Es erhält nicht die notwendige medizinische Versorgung und es hat keine Chance, in seinem Heimatland adoptiert zu werden. Ein deutsches Ehepaar, das bereits ein eigenes Kind sowie seit Jahren ein Dauerpflegekind hat, somit viel Erfahrung hat und alle formalen Bedingungen erfüllt, darf es nicht adoptieren, da es als zu alt befunden wird sowie weil der zu adoptierende Junge älter wäre als der leibliche Sohn des Paares. Die Lebenserwartung von Kindern mit Mukoviszidose, die in Familien (nicht in Heimen!) leben, beträgt in Russland ca. 20 Jahre, während diese Menschen in Deutschland alt werden. Der Tod des Kindes wird also in diesem Fall bewusst in Kauf genommen.
(Fortsetzung folgt)

zwei Beispiele (2)

Fortsetzung:
2) Eine alleinstehende junge Frau in Russland entscheidet sich, als alleinstehende Frau mehrere ältere Kinder (nacheinander) zu adoptieren. Eins davon (das dritte in der Reihenfolge) liegt mit dem Rezidiv einer Krebserkrankung im Krankenhaus in schlechtem Zustand und die Ärzte geben dem Kind nicht viele Chancen. Das Mädchen wird adoptiert und dank der Fürsorge der alleinerziehenden Adoptivmutter nach einer langwierigen und schweren Behandlung geheilt. Die Frau hat mittlerweile übrigens mittlerweile weitere Kinder adoptiert, während die "ersten" schon volljährig sind. Der Umgang in der Familie ist sehr liebevoll, die Kinder sind alle glücklich, die Frau auch.

Ergo: Alleinerziehende können sehr wohl adoptierten Kindern ein gutes Zuhause bieten, auch wenn ich persönlich bei vorhandener Wahl (!) dennoch heterosexuellen, verheirateten Bewerbern den Vorzug geben würde. Nur gibt es bei weitem nicht so viele Adoptionswillige, wie es Adoptivkinder auf der Welt gibt. Deshalb finde ich es okay, wenn für innerdeutsche Adoptionen solch hohe Anforderungen bestehen (denn hier gibt es ja auch mehr als genug Bewerber), jedoch grenzt es für mich an Körperverletzung, wenn nicht gar an fahrlässige Tötung, dass Alleinerziehende und Homosexuelle keine Kinder aus dem Ausland adoptieren dürfen.

Kindeswohl

"Vielleicht haben es die Kinder ja genau deswegen schwer, weil ihr Umfeld sie spüren lässt, dass das nicht normal ist? Die Kausalität bei der Familienform zu sehen ist an dieser Stelle ja schwierig. Was "normal" ist, definiert ausschließlich die Gesellschaft. Insofern: packen Sie sich mal an die eigene Nase!"

Es ist vollkommen irrelevant, wer daran schuld ist, dass es diese Kinder schwerer haben als Kinder in heterosexuellen Familien. Wir sprechen hier von Kindern, die sowieso schon traumatisiert wird und die im Falle einer homosexuellen Adoption noch eine weitere Baustelle zu bearbeiten haben. Dass diese Baustelle durch die Intoleranz der Umgebung verursacht wird, ist für das jeweilige Kind unwichtig, denn es ändert nichts am Ergebnis. Deshalb würde ich bei gleichen Ausgangsbedingungen für ein Kind die Adoption durch ein heterosexuelles Paar bevorzugen, einfach um dem Kind zusätzliche Probleme zu ersparen. Wenn es allerdings nicht genügend "qualifizierte" Adoptionsbewerber gibt, fände ich es vollkommen legitim, die Adoption durch homosexuelle Paare und durch Alleinerziehende zu erlauben.

Nennen Sie mir doch mal bitte einen Beleg dafür,daß es den Kindern NICHT schadet. Hauptsache wir adoptieren ein Kind, wie es dem Kind geht, interessiert nicht. Das Kind müßte ja wohl das Wichtigste sein.
Rollenverteilung??? Ich lach mich tot.

Teil entfernt. Bitte beachten Sie, dass der Originalkommentar inzwischen moderiert wurde. Danke. Die Redaktion/wg

Leider ist das die unglücklichste Argumentation die es gibt:

»Nennen Sie mir doch mal bitte einen Beleg dafür,daß es den Kindern NICHT schadet.«
Genau das ist die religiöse Argumentation, die an der realen Welt vorbei geht: "Beweise mir, dass es ..... _nicht_ gibt, dann glaube ich das." Wenn Beweise erbracht werden, wird das Ganze mit "einem großen Plan" begründet, der ausserhalb des Realen und gegen die Naturwissenschaften fünktionieren könnte - wenn man nur daran glaubt. Ich nenne das Wegsehen.

»Hauptsache wir adoptieren ein Kind, wie es dem Kind geht, interessiert nicht. Das Kind müßte ja wohl das Wichtigste sein. «
Dazu siehe meinem Post #12
Jeder der aus rel. Begründungen diese Adoptionen ablehnt zeigt, dass er seinen Glauben der "Liebe" nicht lebt. Wenn diese Menschen diese Kinder aufnehmen würden, also wirkliche Nächstenliebe leben würden, gäbe es ein einziges Kind ohne Eltern.

Apropos, in Deu. gibt es die Einzelkindadoption und diese Norm verlangt es, nein erzwingt es sogar, dass das Kind ohne 2. Elternteil aufwächst. Der PartnerIn darf nur den lieben Onkel spielen und freiwillig, aus Liebe, Verantwortung übernehmen.