FamilienglückChristkind gegen Weihnachtsmann

Zu den Freundinnen kommt der Weihnachtsmann. Aber Mark Spörrle versucht seine Tochter vom Christkind zu überzeugen. von 

"Papi? Wann kommt der Weihnachtmann?"

"Du weißt doch", antwortete ich meiner Tochter Luise, "bei uns kommt das Christkind. Nicht der Weihnachtsmann."

Anzeige

"Papi", rief Luise unwirsch, "du verstehst das nicht" Sie zeigte auf ihren Adventskalender. "Hier ist der Weihnachtmann!"

Es stimmte. Der Kalender war so bunt, dass wir es beim Kauf nicht bemerkt hatten. Oben, im Himmelstor, schwebte zwar wie von uns vorgesehen das Christkind. Aber ganz unten, quasi aus der Hölle, grinste zwischen bunten Weihnachtkugeln ein coca-cola-rotweiß gekleideter Weihnachtsmann hervor. "Aber nein, das ist doch der Nikolaus", sagte ich reflexhaft.

Familienglück - die Kolumne

© Mark Spörrle

Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.

"Papi", rief Luise wieder, "so ein Quatsch! Der Nikolaus war doch schon da. Das ist der Weih-nachts-mann!

Ich lenkte ab: Wir kämen zu spät in den Kindergarten.

"Da kommt auch der Weihnachtsmann!", rief Luise. "Bei Mia auch. Und bei Valéria..."

Uns war klar gewesen, dass wir mit unserer süddeutsch-katholisch gefärbten Weihnachtstradition in Deutschlands Norden in der Diaspora lebten. Wir hatten aber nicht damit gerechnet, dass sich das so schnell zu einem Konflikt auswachsen könnte.

Jedenfalls kam Luise ziemlich aufgeregt aus dem Kindergarten zurück und erzählte, eine Erzieherin habe eine Geschichte vorgelesen, in der ein Mädchen sehnsüchtig auf den Weihnachtsmann wartete. Der aber so dick war, dass er nicht durch den Kamin passte.

"Papi", sagte Luise, jedes Wort betonend, "da war kein Christkind!" Sie sah mich an wie den Lügner – der ich natürlich war.

Meine Liebste sagte schnell, dass zu den einen Leuten der Weihnachtsmann käme, und zu den anderen das Christkind. Dass die zwei sich den Job aufteilten, weil es so viele Kinder gebe. Und bei uns sei halt das Christkind dran, gut auch deshalb, weil wir keinen Kamin hätten.

Luise hatte Tränen in den Augen. "Der Weihnachtsmann soll kommen!", rief sie. "Er kommt zu allen, nur nicht zu mir!"

Das stimmte nicht ganz, wir hatten hastig herumgefragt: Zu Leonie kamen skandinavische Wichtel. Bei Luca hieß der Weihnachtsmann Santa Claus, wie in den Filmen, die unsere Tochter zum Glück noch nicht guckte. Aliyas Eltern, die als Muslime trotzdem Weihnachten feiern wollten, dem Mädchen zuliebe, hatten sich leider für den Weihnachtsmann entschieden, den Aliya seit Wochen aus der Balkondeko von gegenüber winken sah. Aber bei Leon...

Leserkommentare
  1. Das der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca Cola sein soll, ist falsch. Fakt ist zwar, dass der Konzern dem Weihnachtsmann die Farben gab, aber zu guter Letzt ist der Weihnachtsmann eine Adaption von dem in Mittel- und Zentralasien vorkommenden "Alten Weißen". Dieser erfüllt ähnliche Aufgaben wie der Weihnachtsmann und anzunehmen ist, dass dieser durch Wanderungsbewegungen und Handel (Seidenstraße) bis nach Europa kam. Was die Weihnachtssymbolik allgemein angeht, sind dort eh kaum christliche Elemente zu finden (siehe Weihnachtsbaum).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Die Coca-Cola-Farben trägt er trotzdem seit einer fulminanten Marketingkampagne.

    • klunjes
    • 18. Dezember 2011 23:33 Uhr

    Das tut ja gut zu wissen. Der Weihnachtsmann stammt also ursprünglich aus Mittel/Hintermongolien und tat als weißbärtiger Hunnenkrieger in den befreiten Gebieten nur Gutes, weil der Rest um Etzel böse war, nech? Dann kam auch noch Coca Cola dazu und verpaßte ihm im einen roten Mantel.

    Wie gut, dass wir das Internet haben, da kann man den Ursprung einer vor Jahrhunterten entsprungenen Idee oder eines Brauchs heute noch nachforschen können. Getrost kann man dabei ja ausblenden, daß gleichzeitig oder zeitgleich auch woander wo Menschen lebten so ein Brauch aufkam. Eine Dublizität der Ereignisse kann es schließlich nicht geben. Als ob es gute, weißbärtige alte Männer nur in Asien gab.

    Wie hieß der erste gute, weißbärtige alte Mann denn, und in welcher Gegend war er Zuhause?

  2. Also wenn man seinem Kind erzählt, das Christkind sei ein Mädchen, kann man doch auch gleich beim Weihnachtsmann bleiben, oder? Also ein Christkind zu haben, dass dann aber nicht Baby Jesus ist, erscheint mir als völlig unsinnig... aber schön, dass das Mädchen sich jetzt darüber freut.

    2 Leserempfehlungen
  3. Also, der Reihe nach: Erst hatten die Katholiken ihren Nikolaus, den braven Heiligen. Dann hat Luther das Christkind dagegen ins Spiel gebracht, und die Bescherung vom 6.12. wurde auf Weihnachten verlegt. Das Christkind bekam Flügel und wurde irgendwie weiblich. Und im 19. Jahrhundert hat ein Pfälzer Auswanderer namens Nast den Santa Claus in Amerika populär gemacht, der dann als Weihnachtsmann wieder anmarschierte, als Wiedergänger des Nikolaus, also doch ein katholischer Heiliger. Da bleibt Ihnen nichts übrig als sich den Bart umzuhängen und das Spiel zu Ende zu spielen, lieber Autor. Und wenn Luise größer ist, fahren sie zusammen nach Nürnberg und schauen sich das Spektakel an. Frohes Fest!

    2 Leserempfehlungen
  4. Redaktion

    Die Coca-Cola-Farben trägt er trotzdem seit einer fulminanten Marketingkampagne.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bemerkung"
  5. Odin/Wotan und seine wilden Himmelsritte zur Winterszeit wurden zur Wintersonnenwende vom 21-24.Dezember gefeiert...Odin brachte das Geschenk des wiederkehrenden Lichts der Sonne...Die Tanne als Odins Baum oder JUlbaum wurde dabei zum Sinnbild ewigen (grünen) Lebens.

    Daraus hat die Kirche wie bei allen heidnischen Gepflogenheiten irgendwelche Christenfeste gemacht, die allerdings mit der "Geburt des Jesus" als dem lichtbringenden "Christkind" eine ähnliche symbolische Entsprechung haben.

    Laut Berechnungen wurde der historische Jesus falls es ihn wirklich gab übrigens im September geboren.....

    Eine Leserempfehlung
    • Chaplin
    • 16. Dezember 2011 18:43 Uhr

    Als ich klein war, gab es weder den Weihnachtsmann noch das mir bis vor ein paar Jahren unbekannte Christkind.
    Geschenke bekam ich trotzdem, da ist der Rest doch auch irgendwie egal, oder?

  6. festhalten zu wollen. Ich habe mir eben zum ersten Mal den Artikel zum Christkind bei Wikipedia durchgelesen. Danach kann es wohl tatsächlich auf Luther zurückgeführt werden, wie Venceremos13 schon schrieb. Es ist aber das Jesuskind und natürlich kein Mädchen! Und für Katholiken witziger Weise genau das falsche.

    Abgesehen davon können Babys keine Schlitten steuern, haben keine Rentiere und sind überhaupt schlecht darzustellen. Ihre Tochter hatte schon Recht, der Weihnachtsmann ist überzeugender. Wenn Sie jemals mit Ihrer Tochter wieder nach Süddeutschland ziehen, wird sie zu alt für beides sein und eines Tages mit ihren eigenen Kindern wieder ganz anders Weihnachten feiern. Warum also mussten Sie ihr das Weihnachten jetzt so kompliziert machen? Ist das sinnvolle Tradition oder angepasster Gehorsam dem Glauben gegenüber?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    ... wenn wir die Sache gebührend ernst nehmen ist das Christkind nicht das Jesuskind (Jesusbaby) - das ist ein Missverständnis! Ursprünglich war damit der "Heilige Geist" gemeint, der die Geschenke bringen sollte. Und als die Katholiken sich Tag und Brauch zu eigen machten wurde aus dem abstrakten Heiligen Geist zunehmend das leichter fassbare Christkind. Ein blonder, ziemlich weiblicher Engel. Fragen Sie doch mal die Christkind-Darstellerin auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, ob sie Schlitten fahren kann...

  7. Redaktion

    ... wenn wir die Sache gebührend ernst nehmen ist das Christkind nicht das Jesuskind (Jesusbaby) - das ist ein Missverständnis! Ursprünglich war damit der "Heilige Geist" gemeint, der die Geschenke bringen sollte. Und als die Katholiken sich Tag und Brauch zu eigen machten wurde aus dem abstrakten Heiligen Geist zunehmend das leichter fassbare Christkind. Ein blonder, ziemlich weiblicher Engel. Fragen Sie doch mal die Christkind-Darstellerin auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, ob sie Schlitten fahren kann...

    4 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Familienglück
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Adventskalender | Christkind | Diaspora | Kindergarten | Mia
Service