BetreuungPflege auf Türkisch

Die erste Generation von Muslimen ist in Deutschland alt und teilweise pflegebedürftig geworden. Ein Pflegehaus in Berlin-Kreuzberg betreut vor allem demente Migranten. von Sabine Bomeier

Ayshe S. fühlt sich wohl im Internationalen Pflegehaus Kreuzberg. Es ist bislang die einzige stationäre Einrichtung, in der muslimische Regeln und Rituale gelten und wo auf die türkische oder arabische Kultur Rücksicht genommen wird. Ayshe S. genießt es, nachmittags in der hauseigenen Teestube mit anderen Frauen türkisch zu reden. Trotzdem ist es ihr sehr peinlich, dass ihre Familie sie nicht zu Hause betreut und sie in einem Heim lebt.

Deshalb möchte sie ihren Nachnamen auch nicht genannt wissen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben an die 300.000 Menschen aus anderen Herkunftsländern seit über 40 Jahren in Deutschland. Die meisten von ihnen kamen einst aus der Türkei. Sie sind alt geworden in Deutschland und immer mehr werden pflegebedürftig.

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Den Lebensabend im Heim verbringen – das ist für viele Migranten wie für Ayshe S. noch immer eine Notlösung. Auch viele türkisch- oder arabischstämmige Angehörige finden es beschämend, ihre Mütter, Väter, Onkel und Tanten in einer Einrichtung betreuen zu lassen. Es heißt, nur wer kein Geld und keine Familie habe, werde dort untergebracht. Viele Kinder verlieren noch immer an Ansehen, wenn sie ihre Eltern in ein Heim geben.

Doch mit den Lebensumständen wandeln sich auch die Wertvorstellungen. Sonay T.s 82-jähriger, an Demenz erkrankter Vater lebt seit vier Jahren im Internationalen Pflegehaus Kreuzberg. Seine Tochter kann dazu stehen, denn sie ist froh, dass ihr Vater dort seiner muslimischen Tradition gemäß leben kann. Regelmäßig besucht sie ihn, aber die Pflege des alten Mannes in der eigenen Wohnung käme für sie nicht in Frage. Die studierte Informatikerin lebt mit ihrer Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung und hat einen straff durchorganisierten Alltag.

Rückzug auf ein früheres Lebensstadium

In Berlin liegt der Anteil der Migranten bei gut 24 Prozent. Nur in Bremen und Hamburg leben mehr Einwanderer und ihre Nachkommen. Unter den Menschen im Alter von über 85 Jahren haben inzwischen 5,7 Prozent einen Migrationshintergrund – mit deutlich steigender Tendenz.

Der Gesundheitsökonom Dieter Banken leitet die 140-Betten-Einrichtung in Berlin-Kreuzberg. Vorwiegend demente Menschen leben dort. Er erklärt, dass es zum Krankheitsbild gehöre, dass der Geist der Erkrankten sich auf ein früheres Lebensstadium zurückziehe. Das bedeutet, die Menschen besinnen sich auch auf die religiösen Werte ihrer Kindheit. Zudem fallen Demente häufig in ihre Muttersprache zurück. Da tut es gut, wenn das Pflegepersonal versteht, was sie sagen. Circa 80 Prozent der Mitarbeiter des Hauses haben selbst einen muslimischen Hintergrund und sprechen türkisch oder arabisch.

Leserkommentare
  1. Merkel hat ja gesagt, dass die Multikulti gescheitert ist... Was soll jetzt mit dem Thema. Wenn Merkel sagt, keine Multikulti, dann keine Multikulti. Das ist wie bei manchen Autofahrern. Wenn sie blinken, lösen sich die daneben fahrende Autos in der Luft auf.
    Der Schreiber nimmt den Bericht auch nicht ganz erst. Ansonsten würde er die Namen der betroffenen richtig schreiben.

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    Entfernt. Die Redaktion/vn

  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/mk

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    Wie können Sie bei alten Menschen immernoch in den "Achtung-Sozialschmarotzer-Modus" schalten (siehe "islamische SONDERbehandlung"). Schrecklich! Werden Sie bloß nicht alt! Sonst fordern Sie auch noch eine Behandlung gemäß Ihrer Bedürfnisse...wie schlimm wäre das denn?!
    Letztendlich vermute ich stark, dass diese Heime wie die meisten Heime von den Angehörigen über die Beiträge finanziert werden und AUCH wenn nicht, wäre das völlig egal, denn wir sind doch ein Staat der vom Humanismus geprägt ist, oder doch nicht?

    • liborum
    • 19. Dezember 2011 23:05 Uhr

    Was soll bitte dieser Satz?
    Stellen Sie auch bei Deutschen die Frage wer einen ev. Mehraufwand bezahlt?
    Wenn da, immer die Angehörigen.
    Und ev. ein Fußwaschbecken ist wohl kaum die Rieseninvestition.
    Und auch deutsche Pflegebedürftige werden lieber von Geschlechtsgenossen/Genossinen versorgt.
    Und das Pflegepersonal wird auch nicht besser bezahlt als "nur" deutschsprachiges.

    Ich finde die Ihren Gedankengang, freundlich ausgedrückt, befremdlich.
    (Und habe privat durchaus auch negative Erlebnisse mir Muslimen gehabt - aber auch mit Deutschen. Es fallen nie die "Normalos" auf. Immer nur die "Brutalos und Krawallos- ganz egal welcher Nation)

    • Fabiana
    • 20. Dezember 2011 10:08 Uhr

    Schauen Sie bitte einmal nach, welche Bedeutung "Sonderbehandlung" vor über 60 Jahren hatte und schämen Sie sich. Es ist, wie schon viele gesagt haben, nicht nur gerecht und human, alten Immigrant/inn/en ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich geborgen fühlen, sondern Wohlbefinden hat – wenn man immer nach instrumentellen Vorteilen suchen möchte – sogar einen Spareffekt: Es werden z. B. weniger Medikamente benötigt. In der Schweiz nehmen Pflegheime seit längerem Rücksicht, nicht nur auf die Bedürfnisse von Eingewanderten, sondern auch auf die derjenigen, die nur den Kanton gewechselt haben. Ein Essen oder Klänge aus der alten Heimat erhöhen die Lebensqualität ohne großen Aufwand.

  3. Wie können Sie bei alten Menschen immernoch in den "Achtung-Sozialschmarotzer-Modus" schalten (siehe "islamische SONDERbehandlung"). Schrecklich! Werden Sie bloß nicht alt! Sonst fordern Sie auch noch eine Behandlung gemäß Ihrer Bedürfnisse...wie schlimm wäre das denn?!
    Letztendlich vermute ich stark, dass diese Heime wie die meisten Heime von den Angehörigen über die Beiträge finanziert werden und AUCH wenn nicht, wäre das völlig egal, denn wir sind doch ein Staat der vom Humanismus geprägt ist, oder doch nicht?

    12 Leserempfehlungen
    • Azenion
    • 19. Dezember 2011 17:15 Uhr

    Der Artikel gibt ein schönes Beispiel für die Begriffsverwirrung um Türken, Muslime, Deutschtürken, Migranten...

    Das beschriebene Heim ist offenbar für muslimische Deutschtürken und -araber gedacht, die zitierten "Migranten"-Statistiken beziehen sich aber wohl auf alle Einwanderer und ihre Nachkommen.

    Wobei ich mir selbst da noch nicht sicher bin, denn
    wer assimiliert ist, kommt gar nicht mehr auf die Idee, sich "Migrant" zu nennen, und fällt aus den Statistiken womöglich ganz raus.

    Vielleicht wird in 100 Jahren "Migranten" die Bezeichnung für die nicht assimilierte türkische Minderheit in Deutschland sein, so ähnlich wie "Zigeuner" das Wort für die seit ca. 500 Jahren nicht assimilierte südasiatische Minderheit wurde.

    Kommentarkürzung zurückgenommen wieder hergestellt. Danke, Die Redaktion/fk.

    4 Leserempfehlungen
  4. War das Thema überhaupt einen Artikel wert? Ich glaube nicht. In der Türkei zerbricht sich auch keiner den Kopf über die Pflege dementer alte Leute deutscher Herkunft.

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    • Verbene
    • 20. Dezember 2011 11:23 Uhr

    Möchten Sie sich an den Werten der türkischen oder der deutschen Nation orientieren?
    Wenn Sie von der einen nichts halten, sollten Sie sich diese auch nicht als Vorbild nehmen.

    ... Kindergarten. An Ihrer Einstellung seit damals hat sich wohl wenig geändert. Mir hat man es jedenfalls rechtzeitig beigebracht, dass "wie du mir, so ich dir" ein Versuch einer Argumentation für Mißstände ist, die von einem sehr begrenzten Horizont zeugen.
    Wenn es nach Ihnen ginge, könnten wir Frauen wieder quasi versklaven und alle Rechte abschaffen, schließlich wird dass ja auch in Saudi-Arabien gemacht. Und natürlich ist es dann ein Vorbild - dass sagten Sie ja: in der Türkei wird sich nicht um die Deutschen gescherrt, also warum sollten wir uns um die Türken hier scherren? In Saudi Arabien wird sich nicht um Frauen und Homosexuelle gescherrt, wieso sollten wir es tun?

    Sehen Sie nun die kindliche Naivität Ihrer Pseudo-Argumentation?

    • Dajjal
    • 19. Dezember 2011 17:57 Uhr

    dass der Islam zu Deutschland gehört"

    Sicher, er hat schon vieles gesagt, was ihm demnächst auf die Füße fallen dürfte!

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf
  5. Entfernt. Die Redaktion/vn

    Antwort auf "Ah neee..."
    • klakowa
    • 19. Dezember 2011 19:44 Uhr

    Hallo MIT-Leutinnen und -ER!!

    Da kann ich einen Beitrag aus eigener Erfahrung liefern. Meine Frau ist in (unsinniger Weise) in einem geschlossenen Heim für Demente untergebracht.
    Ich will mich auf das Wesentliche beschränken. Wer mehr wissen möchte kann sich an mich wenden.

    Also, als Ehemann müssen Sie die Heimkosten bezahlen. Die belaufen sich im Falle meiner Frau auf mehr als 4.000 Euro pro Monat. Können Sie das Geld nicht aufbringen, übernimmt das Sozialamt diese Kosten.
    Es holt sich das Geld von Ihnen zurück.

    Dabei dürfen Sie nicht mehr als etwa 1.000 Euro/Monat verdienen oder andere Einkünfte wie Rente haben. Was darüber hinaus geht - wird konfisziert.

    Von Ihrem Vermögen dürfen Sie einen Freibetrag von 2.800 Euro behalten. Also, das Häuschen erkaufen, die eigene private Altersvorsorge auflösen etc.

    Waren Sie in einem Krankenhaus und haben Sie eine Krankenhaustagegeld-Versicherung dann sind das Einkünfte, die abzuführen sind.

    Nun hat der "normale" Mensch eine Pflegeversicherung. Diese Leistungen sind von den 4.000 Euro/mtl. abzuziehen.

    Bei mir bleiben dann immer noch etwa round about 1.800 Euro/Monat.

    Unsere Tochter darf 1.400 Euro verdienen. Was sie an Vermögen behalten darf habe ich zur Zeit nicht zur Hand.

    Mit den besten Wünschen für eine be-sinn-liche Zeit nicht nur in dieser Weihnachts-Zeit!!

    Dat PaPaKlaus
    Klaus K. Wagner
    (Wahrname)
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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Pflege | Demenz | Koran | Moschee | Ramadan | Statistisches Bundesamt
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