Familienglück : In der Weihnachtsbäckerei

Mark Spörrle backt Plätzchen mit sieben vierjährigen Mädchen. Deren Eltern sind begeistert von seinem Mut.

Unsere Tochter sollte sich später einmal an ein wundervolles Plätzchenbacken erinnern. Mit Kerzenschein, Gesang und all ihren Kindergartenfreundinnen. Luise nannte die Namen von zehn Mädchen. Wir lachten. Sie schrie, sie habe eben so viele Freundinnen, "hallo!?" Am Ende handelten wir sie auf sechs herunter. "Nur für den Fall des Falles" wollte meine Liebste trotzdem Malin dazuzuholen. Malin ist Mitte 20 und passt ab und zu auf Luise auf. "Ich werde ganz schön mit dem Backen beschäftigt sein, und sieben Kinder sind vielleicht etwas viel für dich...." Ich war einverstanden, weil ich dann zwischendurch bequem noch etwas arbeiten konnte.

Luises Freundinnen zeigten sich hellauf begeistert von unserem Vorhaben, ihre Eltern noch mehr. Mias Eltern verschoben sogar ihre Abreise in den Urlaub. "Seid ihr sicher, dass ihr das wirklich wollt?", scherzte die Mutter von Leonie, als der Tag da war und sie ihre Kleine samt Teigroller und Förmchen bei uns ablieferte. Wir lächelten.

"Wenn ihr nicht mehr könnt: Ruft mich an!", sagte Mias Mutter. "Ich sitze die ganze Zeit neben meinem Handy. Oder soll ich gleich hierbleiben?" Sie meinte es offenbar ernst. Wir versicherten, das sei nicht nötig. Annas Papa gab mit seiner Tochter eine kleine Flasche Kirschschnaps ab. "Für eure Nerven!" Offenbar neigen Eltern in der Vorweihnachtszeit zu Hysterie.

Alle sieben Mädchen saßen brav um unseren Tisch, rollten hochkonzentriert ihre Teigstücke aus und baten sich gegenseitig ausgesucht höflich – "kann ich bitte vielleicht mal" – um die Förmchen. Malin und ich berieten sie beim Dekorieren der Plätzchen und sammelten die fertigen ein, bevor zu viele gegessen wurden. Meine Liebste sprang zwischen Ofen und Herd hin und her. Ich schoss ein paar idyllische Fotos und mahnte Sophia, nicht zu viel Teig zu essen. Dann wollte ich mich zurückziehen, um ein paar Zeilen zu schreiben.

In diesem Moment rannte Lilly in den Flur und holte aus ihrem kleinen Rucksack etwas, das blinkte und piepte und aussah wie ein Gameboy für Kleinkinder. Ich eskortierte sie zurück zum Tisch und ließ das Teufelsding verschwinden. Zu spät.

Sophia begann übergangslos zu schluchzen. Maja schnippte eine Teigkugel zu Leonie. Leonie schlug nach ihr. Malin versuchte, die Mädchen zu beruhigen, aber Sophia heulte nun lauthals, weil die anderen mehr Plätzchen ausgestochen hatten als sie.

"Hört mal, wir singen etwas!", rief ich. "In der Weih-nachts-bä-cke-rei / gibt's so man-che Schle-cker-ei / zwischen Mehl und Milch…"

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Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

sind Kinder wirklich so...?

Ich habe mich beim lesen dieses Beitrags ja nun wirklich köstlich amüsiert. Beinahe wäre ich unter meinen Schreibtisch geplumpst...
Dennoch stellt sich mir jedes mal wieder die Frage: sind Kinder wirklich so furchtbar?
ich habe keine.. aber wenn ich jemals dazu beitragen soll daß dieses Land mehr Nachwuchs bekommt sollte ich dringendst aufhören diese Kolumnen auf ZeitOnline zu lesen.

Beste Grüße

Jane Galt

Alle Jahre wieder

Keine Angst.

Meine Nachbarsfamilie nehmen mich als Unterstützung hinzu, wenn sie mit ihren zwei eigenen Kindern in der Weihnachtszeit Kekse backen.

Mutter ist voll mit dem Ofen und Kinder ermahnen beschäftigt (sonst verbrennt sich einer am Ofen, oder bekommt Bauchweh vom Teig, oder die Wand braucht einen neuen Strich), der Vater mit dem Alltag (Telefonate entgegennehmen, Paket annehmen usw.), die Kinder machen paar Kekse fertig und haben dann keine Lust mehr, werden müde und quengeln....

Also mache ich 80% der Kekse fertig...

Und die Kinder sprechen das ganze Jahr über davon, und wollen es wieder machen.

So ist es in der Weihnachtsbäckerei.

Mit 7 Kindern wäre es aber vielleicht doch geschickter gewesen, in Kinderaktionen von Bäckern oder Einkaufszentren zu gehen, wo alles vorbereitet ist und die Kinder nur paar Kekse dekorieren brauchen....

Organisation

Oder, das nächste Mal, Herr Spörrle, machen Sie es lieber in etwa so:

Teig schon mal vorbereiten, denn dafür ist keine Zeit, wenn die Kinder schon da sind.

Wenn Kinder ihren Teig selbst ausrollen und ausstechen, haben sie oft nur Konzentration für paar Kekse. Mindestens die Hälfte davon bleiben auf dem Tisch kleben, da z.B. zu dünn gerollt.

Auch wird Teig gerne als Knete benutzt (wir bauen jetzt einen Berg damit usw.)

Also, nach diesen paar Selbstversuchen muss ein Erwachsener bereit stehen, der den Teig für die Kinder ausrollt, aussticht und aufs Blech legt. Die Kinder dürfen dann dekorieren (wenn keine Lust mehr, dann bleiben die Kekse eben undekoriert).

Das muss alles ruck-zack gehen.

Was man also braucht sind mehrere Bleche. Vielleicht ein Blech pro 2 Kinder.

Gebacken wird dann erst, wenn alle Bleche voll sind.

Bei so einer Großgruppe geht da der Vater am besten mit den Kindern für eine Stunde raus auf den Spielplatz. In der Zwischenzeit backt die Mutter alleine alle Kekse fertig.

Wenn alle wieder da sind, können die Kinder die Kekse probieren und was trinken.

Gleich Abholung.

Kinder sind nicht so, sondern werden so gemacht

[...] Dennoch stellt sich mir jedes mal wieder die Frage: sind Kinder wirklich so furchtbar?

Nein. Ich weiß nicht, warum die Kinder, um die es in dieser Kolumne geht, immer so furchtbar sind. Vielleicht liegt es am sozialen Umfeld. Der Autor hat schon mehrfach anklingen lassen, dass wir hier ins Wohnzimmer einer besser betuchten, vielbeschäftigten, karriere- und leistungsorientierten Familie schauen. Kinder solcher Eltern sind tendentiell überfordert und überfördert. Freunde und Bekannten ticken meist ähnlich und dann gibt es auch wenig Austauschmöglichkeiten was Erziehungstipps und -tricks angeht.

Ich hab zwei Kinder, die sicher nicht immer einfach waren, aber doch um einiges "pflegeleichter" als manche Kinder von Bekannten und Freunden, die gänzlich andere Einstellung hinsichtlich der Erziehung haben, also auf möglichst ausgefülltes und abwechslungsreiches Action-Programm setzen.

Ich halte beispielsweise PEKiP®-Kurse in diesem Zusammenhang für ziemlich fragwürdig. Die Kinder werden hier im Säuglingsalter mit Singen und Zappeln so zugedröhnt, dass sie im Kleinkindalter gar nicht mehr in der Lage sind abzuschalten, sondern immer volles Programm benötigen, um nicht völlig am Rad zu drehen. Das hab ich schon mehrfach im persönlichen Umfeld bei Bekannten erlebt, weswegen ich jedem, der mich fragt, davon abrate. Wer sich und seinem Kind etwas Gutes tun will, einfach mal abschalten, beobachten, staunen, der soll sich Spielkurse nach Konzepten von Emmi Pikler anschauen.

Re: Organisation

Teig schon mal vorbereiten, denn dafür ist keine Zeit, wenn die Kinder schon da sind.

Wenn Kinder ihren Teig selbst ausrollen und ausstechen, haben sie oft nur Konzentration für paar Kekse. Mindestens die Hälfte davon bleiben auf dem Tisch kleben, da z.B. zu dünn gerollt.

Auch wird Teig gerne als Knete benutzt (wir bauen jetzt einen Berg damit usw.)

Es ist nicht die mangelnde Organisation. Der Fehler, der hier gemacht wird, besteht darin, dass Keksebacken für Eltern mit dem Anspruch veranstaltet wird, dass Kekse am Ende herauskommen sollen. Für Kinder steht jedoch etwas ganz anderes im Vordergrund, nämlich Arbeiten in der Küche, mit Schüsseln und Löffeln, Spielen und Ausprobieren mit den Zutaten, Erleben von neuen Materialen (Mehl, Teig), Verbinden von Bekanntem zu Neuem (Wasser + Mehl = klebrige Masse), kurz: Entdecken. Da Kinder und Eltern hier unterschiedliche Interessen haben, wird so etwas von vielen Eltern als chaotische und unbefriedigende Angelegenheit empfunden. Es wird allzu häufig vergessen, dass Kinder eben Kinder sind und keine Erwachsenen.

Liebenswerte Kinder

Die Kinder [...] sind weniger furchtbar als satirisch angehaucht

Vielleicht erkenne ich die Satire ja nicht, weil sie zu real in meinen Augen wirkt.

und werden deswegen trotz allem sehr geliebt

Das würde ich nie in Frage stellen. Die allermeisten Eltern lieben ihre Kinder, egal wie anstrengend sie sind. Ich habe noch nie erlebt, dass Eltern "schwieriger" Kinder geäußert haben, dass sie lieber andere Kinder haben würden.

[...] aber ist es nicht sehr krankheitsfördernd, dort immer nackt herumlaufen zu müssen?

Soweit ich das von Erzählungen mitbekommen habe, behalten die Eltern ihre Kleidung an. ;-)

Kekse sollten raus kommen

Weihnachtskekse backen, wo am Ende nur geknetete Masse im Müll steht, ist nicht spannend.

Meine Tochter hat im Alter von zweieinhalb Jahren ihren ersten "Kuchen" gebacken. Mehl, Wasser, Zucker, keine Hefe. Kräftig Herumrühren. Die Küche sah aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das Ergebnis war ungenießbar, aber ihr hat es geschmeckt. 95% des Kuchens ist im Müll gelandet. Ich würde nicht sagen, dass die Aktion für sie nicht spannend war. Ältere Kinder haben sicherlich einen höheren Anspruch an das Ergebnis. Dass es nicht auch für sie spannend wäre, wenn man die Kekse am Ende nicht essen kann, würde ich nicht sagen. Es kann vielleicht etwas enttäuschend und demotivierend sein.

Kinder werden zu Tyrannen erzogen :)

Als Erzieherin, kann ich Ihnen einige ähnlich ablaufenden Sitautionen schildern, die mir Eltern mitteilen! Ja, Kinder sind so, wenn man sie lässt:) Ich denke im Vordergrund steht das Gefühl der Gemeinschaft, das Gefühl der Selbstwirksamkeit und das gemeinsame Tun, und vor allem wird hier das schöpferische Tun der Qualität des Produkts( Plätzchen) vorangestellt. Alles wird richtig gemacht:) Nur eine fatalöe Falle haben Sie sich selbst gestellt. Sie haben auf Regeln verzichtet:) Regeln geben den kids Orientierung und Sicherheit und machen das Aktionsfeld überschaubarer und vor allem den Aktionsradius für Sie selbst als Erwachsener kontrollbar:) Es gibt Momente in denen Eltern mir berichten, dass es ihnen so leid täte, dass sie so spät kommen, aber ihre Kleine(4,5) hatte einen Wutanfall beim Bäcker und hat sich auf dem Boden gekrümt und sich geweigert irgendwelche Vorschläge an zu nehmen. Die Mutter meinte dann, wir wissen ja wie das sei, wenn ihre Kleine diese Anfälle hat. Nein, so erleben wir ihre Tochter nie hier in der Kita. Sie erlebe das täglich mehrmals ( der Grund warum sie auch immer Bonbons in der Tasche hat)- Manchmal neigen wir zu glauben dass die Kinder die "Tyrannen" sind....
Dabei sind es die kleinen alltäglichen banalsten Situationen , die keinerlei Erziehungskompetenz benötigen sondern vielmehr nur eine wertschätzend gestaltete Konsequenz, die aus diesen "Tyrannen", auf einmal zuckersüße Kinder zaubert:)

PEKiP (1)

Selbst wenn die Eltern in diesen Kursen nicht nackt herumlaufen müssen, ihr Besuch verschlingt dennoch viel Zeit und der Erfolg ist vom Glauben abhängig, also nicht messbar. Nicht alle Familien haben Zeit und Geld für diese umstrittene Art von Selbsterfahrung - denn ums Kind geht es dabei oft am wenigsten.

Ich glaube, dass gerade Eltern mit wenig Zeit Maßnahmen wie PEKiP ergreifen. Ein Intensivkurs à 90 Minuten pro Woche soll kompensieren, dass die Eltern sonst zu wenig Zeit haben.

Ein definiertes Ziel bei PEKiP ist es zum Beispiel, die Beziehung zwischen Eltern und Kind zu vertiefen. Ich bin der Meinung, dass man für die natürlichste Sache der Welt - der Bindung zwischen Eltern und Kind - in der Regel keinen pädagogisch angeleiteten Kurs benötigt, sondern sich einfach nur mal mit seinem Kind intensiv beschäftigen muss. Das kostet eben aber viel Zeit.

Laut PEKiP steht insbesondere auch das Beobachten der Kinder im Vordergrund. Von Erzählungen anderer Eltern weiß ich jedoch, dass das da gar nicht möglich ist. Die Eltern reden miteinander, tauschen Erfahrungen aus, es ist dort immer laut. Beobachtung erfordert jedoch Ruhe und keine Einflussnahme. Ein Raum mit sechs nackigen, teilweise schreienden Babys mit singenden Müttern ist absolut kein Ort an dem man sein Kind beobachten könnte. Nie vergessen werde ich den Satz einer Freundin, dass sie sich nicht mit uns am Nachmittag treffen könne, weil sie zuvor PEKiP hat und sich ihr Sohn erst einmal davon erholen müsse.

PEKiP (2)

Weiterhin spielt auch die Förderung der Wahrnehmung des Körpers der Kinder eine große Rolle. Ich meine, wenn das Kind ein Trauma hat, dann kann ich solche Maßnhamen verstehen, aber Säuglinge sind doch nicht nur sabbernde, zappelnde und kackende Wesen, sondern entwickeln sich ständig weiter, beschäftigen sich mit sich selbst und der Umwelt, und das ohne dass man ihnen zeigt wie es geht.

Ich habe da immer noch meine Eltern in den Ohren liegen, die uns einredeten, wir müssen mit unseren Kindern das Laufen üben(!). Das fand ich so absurd. Nichts dergleichen haben wir getan. Was unsere Kinder nicht von allein konnten, das konnten sie eben nicht tun. Und unsere Kinder haben trotzdem laufen gelernt, und Treppen und Leitern steigen, und Türen öffnen und Schalter bedienen, und und und...

pekip

bei pekip geht es nicht wirklich um direkte kinderförderung - egal was der ursprüngliche sinn war. es gibt vor allem beim 1. kind die möglichkeit, im anonym urbanen raum andere eltern kennenzulernen und über den vergleich ängste abzubauen.

durch den vergleich merkt man, dass das eigene kind normal ist, und dass gewisse unsicherheiten als eltern normal sind.

außerdem kann man voneinander lernen - z.b. bei erfahrungen mit tragesäckchen.

das beruhigt und entspannt und stärkt eltern - darum gibt es in baden-württemberg auch sog. stärke-gutscheine für diese kurse.

wer da nicht hinwill, muss ja nicht: braucht auch nicht jeder einen perückenmacher, nicht wahr.

kleinschreibung bitte entschuldigen - baby auf dem arm (und bei kind 2 und 3 haben wir kein pekip gemacht)

Eltern

Das haben Sie aber gut erkannt: Es geht um die Sozialisierung der Eltern. Dafür müssen die Kinder herhalten.
Das Prager-Eltern-Kind Programm ist dafür nicht entwickelt worden. Der Ursprung dieser Therapieform liegt in Prag und Budapest. Es ging darum, autistische Kinder zu behandeln. Das ganze wurde dann hier auf den Markt geschmissen und heute werden Kinder nackig ausgezogen, weil Mütter Kontakt zu anderen Müttern wollen.

Re: pekip

bei pekip geht es nicht wirklich um direkte kinderförderung - egal was der ursprüngliche sinn war.

Das wäre mir ganz neu. Wenn es nicht um Förderung der Kinder geht, warum werden die Kinder dann ausgezogen, warum werden sie zur Bewegung animiert und über Bälle gerollt, warum wird gesungen? Dient das etwa alles nur zur Belustigung der Eltern? Sämtliche Quellen zu PEKiP im Internet sprechen davon, dass es um Frühförderung geht. Wenn Sie diese in einem PEKiP-Kurs nicht wahrgenommen haben, dann würde ich mein Geld zurückverlangen.

es gibt vor allem beim 1. kind die möglichkeit, im anonym urbanen raum andere eltern kennenzulernen und über den vergleich ängste abzubauen.

Da gäbe es als Alternative auch noch Rückbildungsgruppen, kostenlose Krabbelgruppen, Spielcafés und viele andere Gelegenheiten. Für Kontakte und Austausch von Erfahrungen muss man wirklich keine 400 EUR im Jahr ausgeben.

durch den vergleich merkt man, dass das eigene kind normal ist [...]

Die regelmäßigen Untersuchungen beim Kinderarzt sollten eigentlich ausreichen, um das sicherzustellen.