Puppe verloren: Schnupfi ist weg!
Große Krise zu Hause bei unserem Kolumnisten: Tochter Luise hat eine ihrer Puppen verloren und ist untröstlich. Was tun? Mark Spörrle versucht, Ersatz herbeizuschaffen.
Vor Kurzem platzte ich beim Heimkommen in eine Krisenkonferenz. Auf dem Boden kauerte Luise, vor sich hinschluchzend. Auf dem Sofa saß Luises Oma,Tränen in den Augen. Daneben, mit verzweifeltem Blick: meine Liebste.
Ich fragte betroffen, wer gestorben sei. "Schnupfi ist weg!", heulte Luise. "Wir haben Schnupfi verloren!"
Ich reagierte erleichtert. Luises Heulen wich einem Brüllen.
Meine Tochter hat viele Puppen und Kuscheltiere, und sie liebt sie. So sehr, dass wir im Wäscheschrank ein geheimes Doppelgängerfach für die Wichtigsten haben. Ein Fach, in dem drei weitere Exemplare vom Kuschelschaf und zwei von Puppe Lissy lagern, die wir mit den in Betrieb befindlichen Originalen regelmäßig durchwechseln, um einen ähnlichen Grad an Abnutzung sicherzustellen: Luise würde es sonst sofort merken.
Schnupfi allerdings hatten wir nicht für so wichtig gehalten.
- Familienglück - die Kolumne
- Mama und Papa gehen arbeiten, die Kleine in den Kindergarten. Das perfekte Familienglück ist nur eine Frage der Organisation, oder? Mark Spörrle schreibt in seiner Kolumne "Familienglück" über die Tücken des Alltags.
© Mark Spörrle
Vor etwa einem Jahr, als ich mit Luise in der Apotheke etwas gegen Schnupfen kaufte, hatte die Apothekerin meiner Tochter strahlend etwas Blaues in die Hand gedrückt: eine kleine Fingerpuppe, die aussah wie ein heftig in die Breite gegangener Schlumpf mit übergroßer Nase. Irgendeine Werbefigur vermutlich eines Taschentuchherstellers. Ich hätte den hässlichen Zwerg am liebsten mit den Gratishustenbonbons entsorgt, aber Luise war dagegen. Und sie hatte schon einen guten Namen für ihn.
"Ich will Schnupfi die Wohnung zeigen!", rief sie. "Schnupfi bleibt bei uns!"
Später hatte ich nicht mehr viel von Schnupfi gehört. Doch Luise vergisst keine ihrer Puppen und Stofftiere. Also hatte sie, als sie mit der Oma in den Supermarkt ging, nicht Lissy mitgenommen, sondern Schnupfi, der sich so gut in der Faust halten ließ und so gut in die Tasche des Schneeanzuges passte. Nur: Da war er nicht mehr. Und wo Luise ihn verloren hatte, war nicht herauszufinden. Im Supermarkt hatte ihn keiner gesehen, die Oma hatte schon gefragt.
Ich ging mit der Taschenlampe zweimal den Weg bis dorthin ab. Ich fand jede Menge Scheußlichkeiten, nur nicht Schnupfi.
Luise schlief nicht ein, bevor wir ihr versprochen hatten, dass Schnupfi wieder auftauchen würde.
Am nächsten Morgen ging ich in die Apotheke. "Es tut mir so leid", sagte die Apothekerin voll Mitleid, "aber wir haben den schon lange nicht mehr...". Auch in zwei weiteren Apotheken auf dem Rückweg war kein Schnupfi mehr vorrätig. Die Werbekampagne des Herstellers sei längst vorbei, sagte mir ein Apotheker mit betretener Miene. "Ich kann verstehen, was in Ihnen vorgeht."
Konnte er nicht. Auf dem Weg in den Kindergarten ließ Luise geschätzte 125 Mal den Namen "Schnupfi" fallen, und das ziemlich vorwurfsvoll.
Meine Liebste, die auf dem Weg ins Büro nahezu alle Apotheken der Innenstadt abgeklappert hatte, klang am Telefon verzweifelt. "Nichts", sagte sie, "nirgends mehr ein Schnupfi. Die City-Apotheke führt sogar eine Warteliste, falls man doch noch einen entdeckt. Wir sind auf Platz sieben."
Ich rief beim Hersteller von Schnupfi an, aber kam nicht durch, was mich nicht wunderte.
Abends, Luise hatte sich bis Mitternacht geweigert, einzuschlafen, durchforsteten wir das Internet.





ich frage mich nicht nur, was der Artikel mir sagen will, sondern ob es wirklich Familien gibt, die ein geheimes Vorratslager mit Wechselspielzeug unterhalten? Und das dann auch noch durchtauschen, damit der Grad der Abnutzung gleich bleibt.
Kinder müssen lernen, was verloren geht ist weg, wenn man nicht aufpasst. Also auf die Idee mit dem Vorratslager bin ich noch nie gekommen. Und meine hatten auch so einiges verloren.
Ich kann ihnen mit Blick auf meine Verwandtschaft bestätigen, dass es wirklich Wechselspielzeuglager gibt. Aber es gelingt nicht immer, die Doppelexistenz der Lieblingspuppe geheimzuhalten...
Ich kann ihnen mit Blick auf meine Verwandtschaft bestätigen, dass es wirklich Wechselspielzeuglager gibt. Aber es gelingt nicht immer, die Doppelexistenz der Lieblingspuppe geheimzuhalten...
...kann einem wirklich leid tun!
Wie soll es irgendwann mal in der Realität zurechtkommen, wenn seine Eltern selbige konsequent von ihm fernhalten.
Ab und an mal 'ne kleine "Erziehungs-Notlüge" (Die ist morgen bestimmt wieder da...) ist ja noch OK, aber "Reservepuppen" die mitgewaschen werden, um die LÜge zu perfektionieren - sorry, aber vielleicht sollten die Eltern mal zum Psychologen.
Nicht zum Kinderpsychologen!
ein sehr deutliches Beispiel für das Niveau auf welchem sich die ZEIT inzwischen partiell bewegt.
Reizend und sehr nett geschrieben, ich habe einen Teddy der ist 33 ich bin 35 nun Teddy er ist sehr versehrt aber immer noch da......hoffentlich noch lange, der zog schon 12 x um.....Beppi
... sind ein bisschen wie die Geschichten für Kinder von Kishon, und die habe ich früher verschlungen! Vielen Dank, Herr Spörrle, und an die Vorposter: Nicht alles auf die Goldwaage legen, was er schreibt - Vorsicht, Satire!
... kann man aber auch bis zur Ödnis übertreiben. Der Autor hätte da noch etliche Schritte bis zu einem Kishon vor sich.
... kann man aber auch bis zur Ödnis übertreiben. Der Autor hätte da noch etliche Schritte bis zu einem Kishon vor sich.
Gibt es wirklich Leser, die sich dafür interessieren, wie hochernst diese vor Stolz platzenden Eltern das Lebensglück ihres verwöhnten Sprösslings nehmen?
Familienthemen immer und gerne! Aber bitte mit Niveau!
...des Artikels lässt doch ungefähr erahnen, worum es geht. Woher kommt denn eigentlich der Anspruch, dass jeder Artikel so verfasst sein muss, der er jedem sowohl inhaltlich als auch thematisch gefällt?
Wenn mir das Thema zu banal erscheint, lass ich den Artikel doch links liegen, oder nicht?
...des Artikels lässt doch ungefähr erahnen, worum es geht. Woher kommt denn eigentlich der Anspruch, dass jeder Artikel so verfasst sein muss, der er jedem sowohl inhaltlich als auch thematisch gefällt?
Wenn mir das Thema zu banal erscheint, lass ich den Artikel doch links liegen, oder nicht?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn
Wirtschaft und Gesellschaft lese ich mit GROSSEM Vergnügen Kochrezepte, Martenstein und eben Spörle. Ich muss auch mal Luft holen. Auch nehme ich an, dass Herrn Spörles Foto, das die Kolumne begleitet, als Äquivalent zur Schilderung der Erlebnisse mit seinem herzallerliebsten Töchterchen gelesen werden kann: Leicht verzerrt, des Effektes wegen.
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